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Rochade im Ring: Triple H vor erstem Profikampf

Basler-Zeitung

05.2016 - Der eine kommt, der andere geht. Und beide machen sie fortan gemeinsame Sache. Der 34 jährige Möhliner Blas-Miquel „El Colorin“ Martinez hängt nach neuen Jahren im Profilager seine Boxhandschuhe an den Nagel. Fabian „HHH“ Hartmann dagegen zieht sich ein neues Paar über. Der 29 jährige Frenkendorfer wechselt von den Amateuren zu den Profis. Sein Trainer wird Blas-Miquel Martinez. Der besitzt nicht nur viel Erfahrung, sondern hat ja nun auch Zeit.

Puncher Fabian "HHH" Hartmann vor erstem Kampf als Professional (HHH = Hard, Harder, Hartmann)

„Eine neue Phase“, nennt Fabian Hartmann das, was mit dem Übertritt in seiner Karriere und damit auch in seinem Leben nun anbreche. Statt der vielen Kämpfe an Turnieren wird er ab jetzt nur noch drei oder vier pro Jahr austragen. Die allerdings länger sein werden als bisher. „Ich kann mich voll auf meinen nächsten Gegner konzentrieren; das Training auf dessen Stärken und Schwächen ausrichten“, blickt er voraus. Den Kontrahenten in Videos studieren, analysieren, ausrechnen. Dieser wird sich nicht lumpen lassen und dasselbe tun. „Fabian ist mental stabil“, sagt Martinez.

Hinter Fabian Hartmann liegen neun Jahre als Amateurboxer. Im Halbschwergewicht holte er sich 2011 den Schweizermeister-Titel. Vier Jahre später folgte derjenige im Mittelgewicht. In seiner Jugend schaffte er dasselbe als Kick-Boxer. Entsprechend ambitioniert setzt er seine Ziele. „Ich möchte der erfolgreichste Schweizer Profiboxer werden“. Seine Messlatte sind Stefan Anghern, der zweimal gegen Ralf Rocchiglani um den WM-Titel boxte, aber jeweils knapp verlor, sowie Arnold Gjergjaj; der Prattler steht nun kurz vor seinen bislang grössten Kampf. „Ein Highlight für den Schweizer Boxsport“, kommentiert Hartmann den kommenden Schwergewichts-Fight gegen den Engländer David Haye am 21. Mai in London.

Auf den Körper gehört

Weil Michael Sommer, Hartmanns bisheriger Trainer, sich ausschliesslich um Amateurboxerinnen und –boxer kümmert, übernimmt nun Blas-Miquel Martinez den Platz in der Ringecke. “Das Boxen reizt mich immer noch“, gesteht dieser, “aber mein Körper hat gesagt, es ist fertig“. Zweimal war der Mann mit spanischen Wurzeln Schweizer Meister im Halbschwergewicht. 2015 erreichte er sein grosses Ziel. Im spanischen La Coruna holt er sich gegen den favorisierten Xesus Ferreiro den Titel des spanischen Meisters im Supermittelgewicht. In seinen letzten Kampf im Juli 2015- Martinez verliert in London gegen Jamie Cox- verletzte er sich am Auge.

Das hält ihn aber nicht davon ab, in Zukunft seine Erfahrungen an Fabian Hartmann weiterzugeben. Sie sind ähnliche Boxertypen – eine kompakte Deckungsarbeit kombiniert mit einem sehr harten Schlag sind die Markenzeichen des Ab - wie auch Antretenden. Dies habe ihn schliesslich in seinem Entscheid bestärkt, zu den Profis zu wechseln, sagt Hartmann. Hier werde über sechs oder mehr Runden geboxt, während die Amateure im Olympischen Boxen grundsätzlich über drei Runden gehen. „Das gibt mir mehr Zeit, meine Stärke, den harten Treffer, zu markieren“, so der Neoprofi. Gleichzeitig sagt er, dass er nicht mehr das Gefühl hatte, „Ich konnte im Feld der Amateure noch weiterkommen. Ich bin nicht flink genug.“ Damit meint er eine Qualifikation für die Olympischen Spiele. Er glaubt, er sei zu langsam, um die vielen Punktetreffer zu erzielen, die das nach Kombinationen herrschende Olympische Boxen verlangt. „Ich kann als Profi mehr Erfolg haben“.

Seinen ersten Kampf hat Fabian Hartmann am 14. Mai im Basler Gundeldinger Casino. An diesem Tag treffen Basler und Braunschweiger Boxer aufeinander. Im Anschluss dann möchte Fabian Hartmann den ersten Gegner in seiner Profi-Ära auf die Bretter schicken. Martinez setzt an dieselben Trainingsmethoden und die gleiche Vorbereitung, wie es sich sein neuer Schützling gewohnt ist. Härte und Präzision der Schläge wolle er forcieren. Die Karriere will jedoch behutsam geplant werden. Martinez denkt langfristig. „Es braucht einen überlegten Aufbau. Bis zu einem Grossen Kampf brauchen wir mindestens zwei Jahre“.

Die aktive Karriere von Blas-Miquel Martinez ist Geschichte. Es ist dies ein Ende. Doch die Rochade im Ring soll Fabian Hartmann helfen, seine hohen Ziele dereinst verwirklichen zu können.

 




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