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Black Forest-Turnier. Der Bericht

Von Christina Nigg, 23.05.2016

Als erstes die Facts: 321 Athleten, 11 internationale Teams, 12 deutsche Teams. Geboxt wird auf zwei Ringen, drei Sessions pro Tag. Arzt und Waage morgens zwischen 06.00 und 08.00 Uhr.

Die erste Arztuntersuchung und Gewichtsabnahme erfolgte bereits am Mittwochabend, am Tag der Anreise. Im Anschluss konnten sich die 6 SBT-KämpferInnen verpflegen, die Teamchefin und Coach Christina Nigg musste jedoch wieder zur Auslosung. Die Wegzeit zwischen Unterkunft und Wettkampfhalle betrug rund 15 Minuten und war daher gut für die Planung des Tagesprogramms.

v.l.n.r.: Christina Nigg (Trainerin), Andri Beiner, Korcan Kapar, Charly Medina, Christian Pedrazzi, Fiona Wyss und Eliana Pileggi

Auf unsere BoxerInnen bezogen, startete Andri Beiner in der stärksten und am meisten besetzten Kategorie JNA63 im Achtelfinale. Charly Medina im Viertelfinale, Fiona Wyss, Korcan Capar (Freilos ins HF) und Christian Pedrazzi direkt im Halbfinale. Eliana Pileggi sogar direkt im Final vom Sonntag.

Donnerstag 19. Mai/ Session 2 ab 15.00h

Wie oben erwähnt, traf es Andri Beiner im Achtelfinal auf den deutschen Vizemeister Grisin (D). Noch vor einem halben Jahr verlor Beiner einen Kampf gegen den Meister aus Baden-Württemberg, somit Lokalmatador und die Organisatoren als Betreuer in der gegnerischen Ecke. Beiner gewann die erste Runde klar, die zweite und dritte knapp aber trotzdem. Die heimischen PR sahen ihren Boxer Grisin als Sieger. Schade aus Schweizer Sicht, aber ohne eigenen RR/PR im Team sind wir gezwungen solche Verdikte hinzunehmen.

Am Abend standen keine Schweizer im Einsatz, deshalb wurden mit Christina Nigg trainiert und technisch-taktische Einheiten eingeübt.

Freitag 20. Mai/ Session 2 ab 15.00h / 2 ab 19.00h

Am Morgen wurde wiederum fleissig trainiert, diesmal in der Gruppe. Die Standartsituationen mittels Partnerübungen simuliert. Für den Tessiner Christian Pedrazzi konnte sogar noch ein leichtes Sparring organisiert werden.

Es bestand die Möglichkeit, mit den jeweils ausgeschiedenen Kämpfern der gleichen Gewichtsklasse Einlagekämpfe selbstständig zu organisieren. So konnte Eliana Pileggi einen Kampf gegen die ihr noch unbekannten Violetta Stosic (D) absolvieren. Pileggi war die überlegenere und erfahrene Boxerin und siegte diskussionslos.

Charly Medina startete am Freitagabend in das Turnier. Der erfahrene Kämpfer mit Doppelbürgerschaft kannte seinen deutschen Gegner Krotter. Er habe ihn bereits einmal besiegt. Es kam jedoch anders. Im Ring war Charly mental blockiert und konnte seine Reichweitenvorteile nicht richtig nutzen. Der Kampf ging verloren.

Gleich im Anschluss der Einlagekampf für Beiner, damit der Turnier-Rhythmus aufrecht erhalten blieb. Leider verlor er den Kampf gegen den starken Tschechen Beranek, ebenfalls Rechtsausleger, mit 2:1 ganz knapp.

Samstag 21. Mai / Session 1 ab 11.00h / 2 ab 15.00h

Fiona Wyss sollte das Turnier im Ring A um 11.00h mit dem ersten Kampf eröffnen. Eine Stunde wurde vorbereitet, eingewärmt, Pratzenarbeit und fokussiert. Im Ring vom Refree alles kontrolliert in der Ecke und es sollte losgehen. Da entschied die Gegnerin Gökalan in der roten Ecke plötzlich, sie wolle jetzt nicht mehr boxen! Die Stützpunktrainer D-NW konnten sie ja nicht zwingen und waren ebenfalls perplex. Entscheid: WO

Dank den vielen und lang bekannten Boxfreunden, konnte Fiona aber noch ein paar Sparringsrunden mit dem Team Sachsen/Chemnitz absolvieren. Damit wenigstens das „warm-up“ nicht ganz umsonst war.

In der Zwischenzeit ist der extra angereiste Tessiner Trainer Marco Franscella eingetroffen. Er wollte eigentlich als Zuschauer teilnehmen. Da Christina Nigg aber allein alle Hände voll zu tun hatte, bat sie ihn um Unterstützung.

Christian Pedrazzi erkämpfte sich eindrucksvoll den Sieg. Immer wieder schlugen seine krachenden Haken beim deutschen Gegner ein. Die Coaches Franscella/Nigg waren eigentlich überzeugt, jedoch muss dem Urteil mit einer gewissen Vorsicht entgegen gefiebert werden. Doch es reichte diesmal für den jungen Schweizer, somit waren bereits drei Schweizer für das Finale vom Sonntag qualifiziert.

Auch hier im Anschluss stieg mit neuem Siegeswillen Andri Beiner gegen den deutschen Boxer Mangold ins Seilgeviert. Diesmal liess er nichts anbrennen und korrigierte die kleinen Details der Vortage und verliess verdientermassen als Sieger den Ring. Ein guter Abschluss!

Korcan Capar war der jüngste Teilnehmer. Der letzte Kampf der Session 2 gegen den Irländer Quinn. Bereits vor dem Kampf hatte der junge Frenkendorfer grossen Respekt vor dem sehr gross gewachsenen Irländer. Er war dann auch dementsprechend eher defensiv, was ihm nicht den Sieg einbrachte, aber er blieb verletzungsfrei und war glücklich über die neu gewonnenen Erfahrungen.

Sonntag 22. Mai Finale ab 09.30h

Der erste Finalkampf bestritt die bereits an Routine und internationalen Erfahrung gereiften Eliana Pileggi. Auf diesem Niveau ist es massgeblich wichtig die Kämpfe taktisch führen zu können. Eliana setzte die Kampfstrategie perfekt um. Ihre Gegnerin, eine starke Polin setzte vor allem in den ersten zwei Runden ihre Konter, Eliana übernahm aber die Führung in den Runden 3 und 4 ganz klar. Sie siegte mit 2:1 und durfte einmal mehr die Goldmedaille mit nach Hause nehmen. Bravo Eli!

Fiona Wyss traf auf die starke Schwerinerin Görlich. Die Kämpferin aus Bern ging wie gewohnt vier Runden vorwärts ohne Temporeduktion. Görlich verfügt jedoch über die Erfahrung und liess sich doch nicht so schnell aus dem Konzept bringen. Trotzdem waren die Runden eng, der ganze Kampf optisch ausgeglichen. Die Deutsche, welche auch als beste Technikerin des Turniers ausgezeichnet wurde, hatte jedoch immer eine Faust mehr im Ziel. Stolzer 2. Platz für Fiona mit dem Löwenherz!

Christian Pedrazzi gelang es im Finale nicht den deutschen Gegner genügend in Bedrängnis zu bringen. Der deutsche Boxer zeigte über mehr Erfahrung in Standartsituationen und brachte hier seine zählbaren Treffer ins Ziel. Im offenen Viereck jedoch attackierte Christian mit schönen Aktionen. Auch für Christian ist die Silbermedaille Gold wert.

Fazit aus der Sicht der SBT-Trainerin:

Die Schweiz hat ein tolles und hoffnungsvolles Nachwuchsteam, das bedingungslos vermehrt gefördert werden sollte, sofern sich Swiss Boxing Medaillen an wichtigen Turnieren verspricht. Das bedingt auch mehr finanzielle Mittel zu sprechen, dass auf diesem Niveau gemeinsame Trainingslager unmittelbar vor einem internationalen Turnier organisiert werden können. Unsere vielversprechenden Talente müssen zwingend vor dem ersten Kampf bereits auf das höchste Niveau eingestellt werden können. Erst dann haben sie die Chance sich in diesem Rhythmus nochmals zu steigern.

Als alleinig verantwortlicher Coach, Organisatorin, Delegationsleiterin ist es absolut am Limit ohne weitere Assistenz und ohne Refree/Punktrichter an Turniere zu reisen. Was wäre, wenn auf Ring A und B gleichzeitig ein Schweizer Boxer im Einsatz wäre? Zudem ist es reglementarisch bedingt, dass mindestens zwei Coaches an der Ringecke sitzen müssen. Im Weiteren: Anreise, Rückreise, alle Transfers (bis 3x/Tag) selber fahren, Auslosung, Trainings, Sparrings, Kämpfe organisieren, Athleten vorbereiten und coachen, im Anschluss trösten oder Analyse für den nächsten Kampf einstellen, zwischendurch hier noch eine Kleinigkeit, da noch ein schmerzendes Gelenk. Als Letzte ins Bett, als Erste in der Früh. Aber es lohnt sich: ein Superteam diese jungen Athleten.

Die motivierten Boxerinnen und Boxer wollen mit ihrem Talent, Trainingsfleiss und dem Willen auch siegen können und nicht nur „teilnehmen um Erfahrungen zu sammeln“. Das Potential (Technik-Taktik) ist bei den Meisten vorhanden.

Wir Coaches, die über längere Zeit schon das internationale Geschehen besuchen, kennen und beurteilen können, wissen das schon längst. Swiss Boxing muss in diese jungen Talente investieren und Unterstützungsmassnahmen verstärken. An ein internationales Turnier gehören: 1 Delegationsleiter, mindestens 2 Coaches ,1 (od 2) Refree/PR, und minimal 6 bis 10 Boxer. Von 6 Boxern 3 im Finale zu haben ist schon die Statistik eingehalten.

Auf den Nebenschauplätzen durfte ich auch meine Boxsportfreunde aus den verschiedensten Ecken begrüssen: u.a. Olaf Leib, Turnierveranstalter Chemnitz und Stützpunkt Sachsen, Sebastian Zbik, Mecklenburg-Vorpommern, ehemaliger erfolgreicher Profiboxer. Rege wurden Einladungen zu Vergleichskämpfen und Trainingslagern ausgetauscht. Eben auch ein wichtiger Job als Coach.

Das Swiss Boxing Team hat sich Respekt erarbeitet, im Ring mit ihrem Können, neben dem Ring als einheitliches (auch optisch in rot) Team.
 

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