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Seki gewinnt WM-Vorbereitungskampf problemlos

19.06.2016 (Bericht: Gérald Kurth, Fotos: Sandro Huber http://www.cehphotographer.ch/) - Der Abschluss war ganz nach dem Geschmack des Publikums: Lokalmatadorin Aniya Seki mass sich zum dritten Mal in ihrer Karriere mit der Slowakin Claudia Ferenczi und entschied auch dieses Match sicher zu ihren Gunsten. Die von Bruno Arati und Sandro Huber gecoachte Berner Titelträgerin präsentierte sich in ausgezeichneter konditioneller Verfassung und punktete ihre oft mit tiefem Kopf agierende Gegnerin konsequent aus.

Ein erfolgreiches Profidebut kann Kasam Pulaj verbuchen: Der Berner stieg gegen den slowakischen Journeyman Ladislav Nemeth in den Ring und haute diesen in der fünften Runde mit einer krachenden Rechten auf die Bretter. Der kam zwar nochmal hoch, aber nur, um zu Recht aus dem Kampf genommen zu werden. Ein spektakulärer TKO und ein verheissungsvoller Start im Profigeschäft für Pulaj, wenn auch gegen einen vorerst bescheidenen Gegner.

Die beiden Berner Profis fuhren ihre Siege am ersten vom Box Club Bern (BCB) organisierten Kampfabend ein. Der neuste Anbieter in der Boxhochburg Bern landete auch kommerziell auf Anhieb einen vollen Erfolg: Das BCB-Organisationsteam um Promotor Olivier Jaggi sowie die beiden Coaches Sandro Huber und Vito Rana lockte trotz starker Konkurrenz (Fussball-EM) gleich auf Anhieb an die 300 Fans in die prallvolle „Boxkantine“ des Restaurants Public. Diese konnten sich zuvor am einen oder anderen gelungenen Auftritt der einheimischen Elitaekämpferinnen und –kämpfer erfreuen, auch wenn die auf dem Programm ursprünglich angekündigten zwölf Amateurkämpfe auf die Hälfte zusammengeschmolzen waren.

 

Die Profikämpfe

Supermittelgewicht:
Kasam Pulaj (CH) vs. Ladislav Németh (SLK)

Der BCB-Neoprofi bekam bei seinem ersten Auftritt zurecht einen Gegner vorgesetzt, der das Verlieren gewohnt ist: Németh war mit acht Siegen und 34 Niederlagen im Gepäck angereist. Dennoch zeigte der Slovake, dass er zwar ordentlich einstecken kann, aber jederzeit gefährlich lange Schwinger über die Aussenbahnen abfeuert. Darauf fiel Pulaj zu Beginn wiederholt herein. Der Berner versuchte immer wieder, sich mit Schlagserien an den Slowaken heran zu arbeiten, allerdings ohne den gewünschten Effekt. Das lag auch daran, dass Pulaj jede einzelne Hand mit maximaler Wucht unterbringen will. So vergeudet er nicht nur viel Kraft, sondern lässt auch oft die Präzision vermissen. Zu seiner Entlastung muss allerdings auch festgehalten werden, dass der Slovake, ohnehin kein Konditionswunder, sehr oft abtauchte und den Kopf trotz mehrerer Ermahnungen durch Referee Fabian Guggenheim fast permanent unten hatte. Damit beraubte er sich gleichzeitig auch seiner stärksten Waffe: Die Schwinger zum Kopf Pulajs wurden seltener, die Atemnot Némeths hingegen grösser: In der fünften Runde pumpte der Slowake immer stärker und hatte nicht mehr die Kraft zur Flucht: Nachdem Pulaj ihn mit einer schönen Serie schon angeklingelt hatte, blies er Németh nach 2:20 mit einer krachenden Rechten buchstäblich in die Seile. Pulaj hat eine beachtliche Visitenkarte abgeben: Er ist athletisch, furchtlos und hat mächtig Dampf in den Fäusten. Dennoch wird er sein Schlagrepertoire ausbauen und den Rhythmus variieren müssen. Kann er sich strategisch verbessern und unberechenbarer werden, behält er auch gegen stärkere Gegner Oberwasser.

 

Bantamgewicht
Aniya Seki (CH) vs. Claudia Ferenczi (SLK)

Aniya Seki gestaltete auch das mittlerweile dritte Aufeinandertreffen der beiden Boxerinnnen klar zu ihren Gunsten. Die Slovakin wehrte sich zwar im Schlagabtausch erstaunlich gut und schob immer mal wieder einen Kinnhaken nach oben. Das war aber nicht genug, um Seki daran zu hindern, mit dem konsequent geschlagenen Jabs regelmässig zu punkten. Kaum Punkte holte sich Seki hingegen mit der Rechten. Noch immer arbeitet sie kaum oder nur überhastet mit ihrer Schlaghand. In dieser Konstellation schaffte es die eigentlich auf bescheidenem Niveau agierende Ferenczi auch problemlos über die Runden. Seki produzierte keine Wirkungstreffer. Als die Slowakin im Gegensatz zur Bernerin ab der sechsten Runde konditionelle Schwierigkeiten bekam, klammerte sie vermehrt und schnellte auch mehrfach mit dem Kopf nach vorne. Prompt kassierte sie einen Punktabzug wegen absichtlichen Kopfstosses. Die Punktzettel zeigten am Ende ein entsprechend deutliches Ergebnis:

 

Die Wertung:

Fabian Guggenheim: 80:71
Domenico Gottardi: 80:71
Armin Bracher: 79:72 (alle Seki)

 

Die Elitekämpfe (Auswahl)

Halbweltergewicht
Louisa Choffat (BC Bern) vs. Isabel Ursula Venzin (BC Aarau)

Ein sehr engagiert geführter Frauenkampf, der das Publikum zu Recht begeisterte. Obwohl beide Kämpferinnen noch sehr jung sind, bewiesen sie nicht nur ihren Einsatzwillen, sondern auch schon ihre gute boxerische Schulung. Dabei profitierte die einheimische Choffat letztlich von ihrer grösseren Reichweite. Sie konterte ihre aggressiv nach vorne marschierende Gegnerin aus Aarau regelmässig mit oben durch die Mitte geschlagenen rechten Crosses ab. In Venzins Deckung blitzte immer wieder die eine oder andere Lücke auf, weil diese bemüht war, die Distanz zu überwinden und dem entsprechend mehr unten zum Körper schlug. Ein klares und verdientes Verdikt (3:0) zu Gunsten der Bernerin in einem vorbildlich fairen Kampf.

 

Weltergewicht
Adrian Garcia Rodriguez (BC Bern) vs. Hiwa Atari (Lausanne Boxing I.)

Der Gastboxer beeindruckte den Saal beim Betreten des Ringgevierts durch seine ausgesprochen athletische Erscheinung. Schnell wurde aber klar, dass er damit den einheimischen Rodriguez nicht einschüchtern konnte. Im Gegenteil: Wenn jemand seine Hände ins Ziel brachte, gerne auch mit schönen kurzen Kopfhaken, war es Rodriguez. Atari boxte zu Beginn passiv. Als er endlich mehr für den Angriff tat, schlug er unpräzis oder ganz ins Leere, auch weil Rodriguez immer wieder blitzschnell wegtauchte. Wollte Atari brachial zuschlagen, pendelte Rodriguez unten durch und feuerte auch gleich noch den einen oder anderen guten Konterhaken ab. Auch dieser Kampf endete klar und verdient zu Gunsten des Einheimischen (3:0).

 

Nicola Giannachi (BC Bern) vs. Reginaldo Duarte (BC Octodure)

Kaum ertönte der erste Gong, legten die beiden Boxer los wie die Feuerwehr. Während Duarte, der Gast aus Martigny, konsequent mit seinem Jab zustach, schlug Giannachi immer wieder seine rechte Schlaghand als Konter. Duarte führte insgesamt die technisch feinere Klinge und entfaltete auch gewaltigen Druck. Giannachi jedoch schlug zur Freude des voll mitgehenden Publikums immer mit. Mit zunehmender Kampfdauer jedoch pumpte er zusehends und musste immer mehr der wirkungsvollen Jabs seines Gegners einstecken. Als Duarte bemerkte, dass Giannachi nachliess, packte er auch mal seine Rechte hervor. Auch wenn darunter mehrfach Innenhände waren, blieb das Gefecht trotz aller Härte jederzeit fair. Giannachi war am Ende auf verlorenem Posten, bewies aber trotz blutender Nase Willensstärke und blieb über drei Runden stehen.

 

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