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Schweizer Meister im Boxen: Aus für Olympiade

Vahram Khudeda: Botschafter für zukünftige Lernende im Bau

22.06.2016, polybau.ch- Für die Schweizer Boxer findet an diesem Wochenende in Baku der letzte Qualifikationskampf für die Olympiade in Rio de Janeiro statt. Vahram Khudeda, dreifacher Schweizer Meister im Weltergewicht und grosse Schweizer Olympiahoffnung, hat nun die Reise nach Aserbaidschan aus politischen Gründen abgesagt. Das aktuelle Sicherheitsrisiko ist für den gebürtigen Armenier mit Schweizer Pass zu hoch. Der Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien eskaliert seit Wochen immer wieder. Hauptsponsor Polybau macht das Beste aus dem Dilemma und setzt den gelernten Polybauer nun vermehrt für Kontakte mit Jugendlichen in Schulen und an Veranstaltungen ein. Im Moment sind noch mehrere Hundert Lehrstellen im Polybau zu besetzen.

Der Schweizer Boxer Vahram Khudeda verzeichnet eindrückliche 55 Siege von insgesamt 79 Kämpfen. Nun hat er einen wichtigen Kampf verloren: Mit dem Aus seiner Reise nach Baku muss er auch seine Olympiahoffnungen bis auf weiteres begraben. Bereits im Februar 2015 wurde er für die Olympiaqualifikation 2016 nominiert. Für dieses Ziel hat er in den vergangenen Monaten sehr viel eingesetzt: Er hat seine Ernährung umgestellt, auf Freizeit verzichtet und seinen Alltag umgestellt. So hat er seinen Beruf als Polybauer an den Nagel gehängt, sich mit Polybau einen motivierten Sponsor gesucht und sich auch dank der Unterstützung seiner Freunde finanziert. So gewann er die Zeit für das sehr harte Training vor der Olympiade. Um sich jedoch endgültig für die olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro zu qualifizieren, hätte er an diesem Wochenende beim Qualifikationskampf in Baku (Aserbaidschan) ins Halbfinale kommen müssen. Aufgrund früherer Kämpfe mit vergleichbaren Gegnern war klar: Die Chancen standen gut – Khudeda rechnete mit seiner Qualifikation. Doch kurz vor der Abreise kam nun das Aus: Die Konflikte zwischen Aserbaidschan und Armenien, die seit Wochen immer wieder eskalieren, setzen das Sicherheitsrisiko für den 25-jährigen gebürtigen Armenier mit Schweizer Pass als zu hoch an.

Als Botschafter für Jugendliche sehr willkommen

Karin Gamma von Polybau.ch, der sich als Hauptsponsor für den jungen Polybauer einsetzt, bedauert den Entscheid sehr, versteht ihn aber auch: «Als wir hörten, dass es gefährlich ist für Vahram, haben wir beim EDA, der armenischen Botschaft in Genf und der Schweizer Botschaft in Baku nachgefragt, wie sie die Lage einschätzen. Uns wurde geraten, mit der Behörde von Aserbaidschan in Baku Kontakt aufzunehmen, damit sie seine Sicherheit gewährleisten. Wir haben auch geprüft, ob wir ihm Bodyguards zur Seite stellen könnten. Wir sind dann jedoch gemeinsam mit Vahram zum Schluss gekommen, dass das Risiko zu gross ist.» Nach wie vor setzt Polybau auf Vahram Khudeda als Botschafter für die Berufe rund um die Gebäudehülle, also Abdichter bzw. Flachdachbauer, Dachdecker, Fassadenbauer, Gerüstbauer und Storenmonteur: Das sind die fünf Berufe, in denen der Verein Polybau in Uzwil 900 Lernende pro Jahr ausbildet. Für Ende August ist ein Auftrit von Vahram Khudeda an der Berufsmeisterschaft der Polybauer geplant, ebenso diverse Einsätze an den grossen Berufsmessen in der Schweiz. Schulen können Vahram Khudeda zudem buchen, damit er die fünf Bauberufe vorstellt und von seinen Erfahrungen in der Baubranche berichtet. Karin Gamma: «Jugendliche können viel von Vahram Khudeda lernen. Er ist sehr zielorientiert und fokussiert; er hat Vorstellungen, was er machen will, wo er hin will und wie er dorthin kommt. Insofern sehe ich Vahram Khudeda als gutes Vorbild für den Nachwuchs.»

Schweizer Handwerk: Disziplin und Durchhaltewillen

Vahram Khudeda kam als neunjähriger Junge zusammen mit seinem Bruder und seiner Mutter von Armenien in die Schweiz. Die Familie floh vor dem Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Bergkarabach, welcher im Jahre 1988 neu ausbrach. Die erste Zeit in der Schweiz war nicht einfach für den jungen Khudeda. Ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, wurde er eingeschult und musste mehrere Wohnorts- und Schulwechsel durchmachen. Nichtsdestotrotz fühlte er sich rasch wohl in seiner neuen Heimat. Schon als kleiner Junge verfolgte Vahram Khudeda die Boxspektakel mit den grossen Stars im Fernseher. Mit 16 Jahren zog er zum ersten Mal Boxhandschuhe an. Mittlerweile gewann er drei Mal die Schweizermeisterschaften (2011, 2014 und 2015) im Weltergewicht. Die eindrückliche Statistik auf swissboxing.ch zeigt 55 Siege von insgesamt 79 Kämpfen.

Neben der Kunst des Boxens erlernte Vahram Khudeda ein solides Handwerk in der Schweiz. Als gelernter Polybauer der Fachrichtung Abdichten  ist er für die Wärmedämmung sowie die Abdichtung von Flachdächern verantwortlich. Sein Job ist es, dafür zu sorgen, dass die Hausbewohner auch während den stärksten Regenfällen noch trockene Füsse behalten. Zu seinen Lieblingstätigkeiten gehört das Verschweissen von Abdichtungen und Dampfbremsen. Dabei werden spezielle Bitumen-Schweissbahnen verwendet, um die Dächer absolut wasserundurchlässig zu machen. Das Boxen habe ihm in der Lehre und nun auch im Job viel geholfen, so Khudeda. Denn wie im Ring sei auch die Baustelle körperlich fordernd und es brauche viel Disziplin und Durchhaltewillen. Empfehlen würde er den Beruf vor allem Personen, die gerne unter freiem Himmel und im Team arbeiten.

 

Interview mit Vahram Khudeda

Weshalb haben Sie sich für den Beruf Polybauer entschieden und was gefällt Ihnen an diesem Beruf?
Ich bin Polybauer geworden, weil ich in jungen Jahren viele Berufe unter die Lupe genommen habe und mich das Abdichten auf dem Flachdach am meisten inspiriert hat. Die Herausforderungen, auf dem Dach zu arbeiten und auf das Wetter angewiesen zu sein, haben mir am meisten gefallen. Ich arbeite gerne draussen und bin auch gerne körperlich aktiv. Ausserdem gefällt mir, dass man in einem Team unterwegs ist und die Arbeit sehr abwechslungsreich ist. Am liebsten schweisse ich Dichtungen und Dampfbremsen zusammen.

Hat Ihnen das Boxen in der Lehre geholfen?
Das Boxen hat mir in der Lehre und auch im Leben durchaus viel gebracht. Als es auf der Baustelle mal etwas härter wurde oder wenn es zu Motivationsproblemen kam, konnte ich mich trotzdem durchbeissen. Denn durch das Boxen lernte ich, was Disziplin und Fleiss bedeutet.

Wem würden Sie den Beruf Polybauer empfehlen?
Ich würde es jedem empfehlen, welcher gerne draussen und im Team arbeitet. Auch wer gerne eine körperlich aktive Arbeit ausführt, ist hier richtig.

Worauf kommt es beim Boxen wirklich an?
Im Ring muss man sehr intelligent sein und zur selben Zeit auch schlagfertig. Natürlich muss man auch schnell reagieren. Es gibt da einen guten Spruch, welcher sagt, dass Boxen wie Schach sei. Und so sehe ich das auch. Man müsste eigentlich mal selbst in den Ring steigen und das Ganze aus dieser Sicht erleben.

Was war der Grund, wieso Sie nicht nach Baku reisen konnten?
Wegen der politischen Lage zwischen Armenien und Aserbaidschan besteht eine grosse Gefahr, wenn ich nach Aserbaidschan reisen würde – obwohl ich den Schweizer Pass besitze. Baku liegt ja in Aserbaidschan, und ich bin gebürtiger Armenier

Können Sie sich vorstellen, in Zukunft wieder als Polybauer zu arbeiten?
Ich kann mir sehr gut vorstellen, wieder als Polybauer zu arbeiten und mit dem Boxen natürlich auch weiterzumachen.

 

Poly-was? Was tut ein sogenannter Polybauer überhaupt?
Bei Polybau dreht sich alles darum, wie man das Innere eines Gebäudes möglichst effektiv gegen aussen abschirmt. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Energieeffizienz. Moderne Gebäude sind heutzutage richtige kleine Energiekraftwerke und können die Energiekosten im Vergleich zu konventionellen Gebäuden erheblich senken. Um diese stets komplexeren Herausforderungen zu meistern, braucht es Spezialisten für Abdichtungsarbeiten, Dachdecken, Fassadenbau, Gerüstbau und auch Sonnenschutz-Systeme.
    
Anforderungen
Mitbringen sollte man vor allem handwerkliches Geschick, technisches Verständnis, vernetztes Denken und eine exakte Arbeitsweise. Wegen den oftmals hohen Gebäuden und Gerüsten ist eine absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit von Nöten. Auch an selbstständigem Arbeiten im Freien und der Arbeit im Team sollte man Freude haben.

Gute Aus- und Weiterbildungschancen
Der Verein Polybau ist ein nationaler Bildungsdienstleiter für das Berufsfeld der Gebäudehülle und kümmert sich mittlerweile um 900 Lernende pro Jahr. Nach erfolgreichem Abschluss der Grundausbildung werden zahlreiche Spezialisierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten.
Die Baubranche befindet sich momentan im Umbruch. Die Digitalisierung, die Internationalisierung, die wachsende Komplexität der Bauprojekte und stets neue Materialien bieten schlauen Köpfen mit gutem Vorstellungsvermögen spannende Zukunftsaussichten in dieser gut bezahlten Branche.

Mehr Informationen unter
www.polybau.ch




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