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Eklat nach fragwürdigem Angebot

Die Verhandlungen sind gescheitert: Yves Studer wird nicht im Vorprogramm des WM-Fights in Bern boxen. Sein enttäuschter Manager, Daniel Hartmann, hat Witali Klitschko einen «giftigen» offenen Brief geschrieben.

 

21.10.2009 - Es prallen zwei Welten aufeinander – in der einen Ecke das mächtige Klitschko-Management, das Grossevents veranstaltet und für die Hauptdarsteller Börsen in Millionenhöhe generiert, in der anderen Ecke der umtriebige Daniel Hartmann, der die Berner Boxszene durch kleine, aber gut organisierte Anlässe wiederbelebt hat. Dazwischen fungierte der SC Bern quasi als Ringrichter. Gemäss Projektleiter Marcel Wisler hätte der SCB im Vorprogramm des Titelkampfs zwischen Witali Klitschko und Kevin Johnson gern lokale Boxer auftreten lassen. Allerdings sind die Verantwortlichen des Eishockeyklubs im Business Berufsboxen nicht zuhause und letztlich von den Managern der Klitschkos, Bernd Bönte sowie Tom Loeffler, abhängig. Und die haben kein Interesse an Kämpfen, welche den Gewinn schmälern. «Der Klitschko-Kampf erfährt durch Yves Studer keine Aufwertung», stellt Wisler zumindest aus internationaler Sicht zurecht fest.

 

Unter diesem Gesichtspunkt ist die Offerte zu verstehen, welche Wisler nach Absprache mit dem Klitschko-Management Hartmann unterbreiten konnte: Studer, der beste Schweizer Boxer, darf am 12. Dezember in der PostFinance-Arena antreten, wenn Hartmann den über 60'000 Franken teuren Kampf finanziert. «Das können wir uns nicht leisten, zumal wir keine Sponsoren finden, weil diese keine Gegenleistung bekämen», lautete die Antwort des Besitzers der Berner Boxing Kings. SCB-Marketingchef Wisler findet das Angebot nicht unmoralisch. «Man muss sich überlegen, was es wert ist, wenn Studer in diesem Umfeld mit einer Fernsehabdeckung in über 100 Ländern auftreten kann.» Peter Stucki, Präsident der Schweizer Berufsboxkommission und derzeit Vertreter des World Boxing Council für den WM-Fight in Bern, bezeichnet die Offerte hingegen als «lächerlich». Das Vorgehen der Klitschko-Manager sei international unüblich und «nicht die feine Art. Sie wissen, dass weltweit nur Witali Klitschko interessiert und nützen dies aus.» Die Sauerland Event GmbH, die in den letzten Jahren in der Schweiz drei Grossveranstaltungen durchgeführt hat, zahlten den Exponenten der Vorkämpfe jeweils faire Gagen.

 

Besuch von Marc Lüthi

 

Hartmann brach die Verhandlungen umgehend ab und liess sich auch von SCB-CEO Marc Lüthi, der ihn gestern Morgen besuchte, nicht mehr umstimmen. Am Mittag verfasste der Berner eine Pressemitteilung und einen offenen Brief an den WBC-Champion im Schwergewicht. «Herr Klitschko, Sie kommen zu uns in die Schweiz, in die Boxhauptstadt Bern. Das ganze Land hat sich gefreut. Auch ich. (...) Sie kommen jedoch zu uns, um Kasse zu machen und Steuern zu sparen. Und es reuen sie 0,6 Prozent Ihrer Börse, um Ihren Event zu einem einmaligen Schweizer Boxhappening zu machen. Schämen Sie sich», lautet die zentrale Botschaft.

 

Marcel Wisler vom SCB bedauert, dass es zum Eklat gekommen ist. Sie seien erst am Anfang der Verhandlungen gewesen. «Es ist eine Illusion, sie in fünf Tagen abzuschliessen.» In diesem Punkt pflichtet ihm Peter Stucki bei. Er habe zwar für Hartmanns Reaktion Verständnis, «aber er hat zu früh die Nerven verloren. Hätte er Ruhe bewahrt, wäre vielleicht noch eine Lösung gefunden worden.» Er sei schwer enttäuscht, sei es nicht gelungen, für den Schweizer Boxsport und für Yves Studer etwas Grosses zu realisieren, verteidigt sich Hartmann. «Moralisch gibt es bei mir eine Grenze, und die war überschritten.»

 

Zwei Events in zwei Wochen

 

Hartmann verschickte den offenen Brief nicht nur an Medien aus aller Welt, sondern auch an die Klitschko Management Group in Hamburg – mit der Bitte, ihn an den Weltmeister weiterzuleiten. Man darf gespannt sein, ob der Ukrainer an der Pressekonferenz vom Freitag auf die Vorwürfe reagiert. Es ist freilich anzunehmen, dass die Sache unter den Tisch gewischt wird. Denn letztlich wird der Protest aus der David-Ecke dem Auftritt des Goliaths in Boxhandschuhen keinen Abbruch zu tun. Vielleicht sind die Berner Boxfans am Schluss sogar die Gewinner der gescheiterten Verhandlungen. Denn Sie bekommen nun am 12. Dezember ein gigantisches Event mit Weltstar Witali Klitschko in der PostFinance-Arena – und exakt zwei Wochen später im Kursaal ein kleines, aber feines Boxmeeting mit Lokalmatador Yves Studer - © Newsnetz / Berner Zeitung - Adrian Ruch

 




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