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Jean-Noël Joos kalt erwischt


"Sonnyboy" Jean-Noël Joos (l.) verging das Lachen nach der spektakulären K.o.-Niederlage in der ersten Runde gegen den Ukrainer Vladimir Borovsky


Bericht von Jack Schmidli

22.11.2009 - Jean-Noël Joos im Schockzustand! Nach nur 45 Sekunden der ersten Runde zählte Ringrichter Fabian Guggenheim gestern Abend am gut besuchten Box-Meeting in St. Gallen den Bündner Sonnyboy aus. Der Einheimische verlor erstmals in seiner Karriere, nachdem er von seinem ukrainischen Gegner Vladimir Borovsky nach einer sehenswerten Doublette zum Kinn und anschliessendem chirugisch präzis geschlagenem Leberhaken ausgeknockt wurde. Besser erging es im zweiten Profikampf der Bernerin Anjya Seki. Sie besiegte ihre ungarische Gegnerin Zsofia Bedo in einem unspektakulären Kampf einstimmig nach Punkten. Bei den Amateuren kam es beinahe zu einer faustdicken Überraschung: Schweizermeister Seid Dzemaili geriet gegen den Winterthurer Benjamin Popaj mehrmals in arge Schwierigkeiten und siegte dank einem höchst umstrittenen Urteil des Kampfgerichts knapp nach Punkten.

Es war nicht der Abend des Publikumslieblings Jean-Noël Joos. In seinem erst zehnten Kampf als professioneller Fighter arrangierte das Management des Bündners ein Duell gegen den erfahrenen Ukrainer Vladimir Borovsky. Der Osteuropäer verlor in seiner langen Karriere (Borovsky stieg erstmals am 28. November 1998 in den Ring) zwar 37 seiner 59 Kämpfe, stand aber gegen erfahrene Boxer wie Roberto Belge (zweimal) und Yves Studer im Ring und verlor diese Kämpfe jeweils nach Punkten, den zweiten Kampf gegen Belge nur durch Mehrheitsentscheid des Kampfgerichts.

Voller Zuversicht, mit Sombrerohut auf dem Haupt und begleitet von mexikanischer Volksmusik stieg der Angriffsboxer Joos in den Ring. Nach dem Gongschlag erfolgte das übliche Abtasten und das Publikum stellte sich bereits auf ein unterhaltsames Duell ein, als nach wenigen Sekunden im ersten Durchgang eine Doublette des erfahrenen Ringfuchses Borovsky zum Kinn von Joos, gefolgt von einem Leberhaken, für Totenstille in der alten Kreuzbleichehalle sorgte. Der Mexikofreund lag nach 45 Sekunden auf den Brettern, machte keine Anstalten, sich rechtzeitig wieder zu erheben und wurde von Ringrichter Fabian Guggenheim ausgezählt. Die Enttäuschung des Verlierers war unübersehbar und Joos konnte kaum glauben, was ihm, dem erfolgsverwöhnten Haudegen, geschehen war. Schon manch Grosser wurde von einem Leberhaken kalt erwischt und Jean-Noël braucht sich deswegen nicht zu schämen. Er wird gut daran tun, die Niederlage in einem Revanchekampf auszumerzen.


Anjya Seki (r.) siegte aus Sicht des Kampfgerichts klar gegen die Ungarin Zsofia Bedo und gewann nach ihrer brutalen TKO-Niederlage vom 22. Mai gegen Nicole Haustein ihr Selbstvertrauen zurück

Aniya Seki, betreut von der Boxing Kings-Trainerlegende Bruno Arati, bestritt gestern Abend ihren dritten Profikampf. Nach einem Unentschieden und einer brutalen 1.-Runden-Niederlage im Mai dieses Jahres in Bern, war es höchste Zeit, den ersten Sieg einzufahren. Nach furiosem Start nahm die zierliche Bernerin ab dem zweiten Durchgang gegen die Ungarin Zsofia Bedo etwas Tempo aus dem Kampf. Das Duell wogte in der Folge hin und her. Aniya brachte allerdings während der gesamten Kampfdauer mehr Hände ins Ziel und gewann schliesslich den engagierten, aber wenig spektakulären Kampf einstimmig und verdient nach Punkten. 


Schweizermeister Seid Dzemaili (r.) war gegen den Winterthurer Benjamin Popaj mehrmals in höchster Gefahr, gewann aber gegen den taktisch gut eingestellten Puncher knapp (und höchst umstritten) nach Punkten

Schweizermeister Seid Dzemaili (BC Dübendorf) hat Grosses vor. Der Schwergewichtler aus Dübendorf trainiert siebenmal pro Woche hart und träumt von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen in London. Zudem hat er sich das Ziel gesetzt, in zwei bis drei Jahren als professioneller Boxer in den Ring zu steigen. Nach dem gestrigen Kampf gegen Benjamin Popaj (BU Winterthur) muss allerdins konstatiert werden, dass der grossgewachsene Linksausleger noch einige wesentliche Entwicklungsschritte zu durchlaufen hat, will er sich für höhere Aufgaben empfehlen. Der erst 19-jährige Migrant entging gegen Popaj nämlich um Haaresbreite einer blamablen Niederlage. Gegen den äussert hart schlagenden und ausgesottenen Fighter aus Winterthur fand Dzemaili kein Rezept und musste nach zwei Niederschlägen von Ringrichter Roger Haug angezählt werden. Trotzdem reichte es ihm zum Sieg; sehr zum Missfallen vieler Zuschauer. Selbst sein Trainer, Richi Marti, beschwerte sich lautstark über den Sieg seines Schützlings, ein Verhalten, das einzigartig ist und dem Selbstvertrauen des Boxers wohl kaum dienen kann.

Sie lieferten sich ein unterhaltsames Duell: Urhan Zuka (l.) und Michel Büetiger (Bild links). Hakobian Andranik (r.) gewann den auf tiefem Niveau ausgetragenen Kampf durch Disqualifikation seines Gegners Gdjier Musa (Bild rechts)

Von den weiteren Amateurkämpfen wussten die Duelle zwischen Zuka Urhan (BC Luzern) gegen Michel Büetiger (BC Solothurn) und Fatih Birgül (SR St. Gallen) gegen Toni Cerundolo (BC Brugg) zu gefallen. An Dramatik kaum zu überbieten war zudem die Begegnung zwischen Alban Veselay (BC Schaffhausen) und Leutrin Musa (BU Winterthur). Lokalmetador Besir Vejseli, der auf gutem Wege war, den Kampf gegen Christian Morini zu gewinnen verlor wegen der konsequenten, aber korrekten Kampfleitung durch Fabian Guggenheim die Nerven und musste schliesslich disqualifiziert werden. 
 

Der Sombrero, das Markenzeichen von "Sonnyboy" Jean-Noël Joos, brachte gestern Abend leider kein Glück (Bild oben links). "Sorry, aber ich musste die sich mir bietende Chance einfach nutzen", schien Vladimir Boroski nach seinem 1.-Runden-K.o.-Sieg fast entschuldigend zu Ringrichter Fabian Guggenheim zu sagen (Bild oben rechts). Ein Präsident wie er im Buch steht: Der freudestrahlende Andreas Anderegg mit seiner Gemahlin Irma (Bild unten links). Für Nachwuchs ist gesorgt: Aldo Homberger instruiert eine angehende Zeitnehmerin 
 

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