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Aniya Seki überzeugt im Titelkampf um den WBC Silver Belt im Super Bantam

11.12.2016, Ueli E. Adam - Die Organisatoren um den Box-Club Bern haben ein Kompliment verdient. Im alten Tramdepot im Burgernziel in Bern haben sie eine Veranstaltung mit echtem Boxing-Spirit präsentiert. Life-Musik rundete den Abend ab und ein ganz besonderes meteorologisches Phänomen sorgte für nostalgische Stimmung. Weil vor der Tür Minusgrade herrschten und es in der Halle nur sehr langsam wärmer wurde, wabberte ein leichter, feuchter Nebel über dem Ring – genau so, wie früher im Madison Square Garden, als sich Joe Walcott mit Rocky Marciano duellierte und die Raucher für die Nebelwolken sorgten. Die vielen wetterharten Zuschauer wussten die ganz spezielle Atmosphäre jedenfalls zu geniessen und der Titelkampf von Aniya Seki darf als bemerkenswerter Erfolg gewertet werden.

 

Aniya Seki, Schweiz (35 Kämpfe 30-3-2), vs. Alexandra Lazar, Ungarn, (11 Kämpfe 9-2-0)

Die Bernerin hatte den WBC Silver Belt bereits im September 2015 mit einem KO-Sieg über die Ungarin Alexandra Vlaik erobert. Nachdem sie verletzungsbedingt pausieren musste, verteidigte sie den Gürtel in Bern mit einer brillanten Leistung. Von Trainer Bruno Arati sehr gut eingestellt, dominierte sie die WBC-Junioren-WM Alexandra Lazar von Beginn weg mit schnellen Händen und harten Treffern. Ab der sechsten Runde zeichnete sich das Verdikt ab: Lazar kam immer mehr in Bedrängnis und musste nach 1.45 in der 9. Runde mit einem TKO aus dem Kampf genommen werden. Aniya Seki hat mir ihrer starken Leistung ein erfreuliches Zeichen gesetzt. Das begeisterte Publikum wusste das mit Szeneapplaus zu schätzen.

 

Zino Meuli, Schweiz, (3 Kämpfe 3-0-0) vs. Gergo Vari, Ungarn, (34 Kämpfe 18-15-1)

In seinem vierten Profikampf traf der Ostschweizer auf einen routinierten Journeyman, der seinen letzten Gegner durch KO besiegt hatte. Meuli hat die Vorgaben seines Coachs René Engler mit einem spektakulären Start ins Profigeschäft mit drei KO-Siegen beeindruckend

umgesetzt. Im Kampf in Bern musste er aber über die sechs angesetzten Runden gehen, um schliesslich mit einem klaren Resultat von 60:52, 60.52, 60.54 nach Punkten zu gewinnen. Meuli erklärte die verhaltene Performance mit einer Rippenverletzung, die ihm Gergo Vari mit einem harten Haken in der ersten Runde zugefügt habe. Er konnte aus diesem Grund keine Serien schlagen.

 

Vahram Khudeda, Schweiz, (Debut Profi) vs. Daniel Botlik, Ungarn, (47 Kämpfe 7-37-3)

Etwas überheblich hat Khudeda vor dem Kampf anscheinend die Gegnerwahl kritisiert. Der nicht beeindruckende Kampfrekord des Ungarn mag dafür verantwortlich sein, umso mehr als Botlik im September von Zino Meuli ausgeknockt worden ist. Aber Khudeda lag richtig! Es ist unverantwortlich, wie Veranstalter absolut inferiore Gegner verpflichten, nur um einen schönen Kampfrekord aufzubauen. Botlik war physisch, psychisch und technisch in jeder Beziehung unterlegen und musste mit einem neuerlichen KO nach 1.15 in der zweiten Runde aus dem Kampf genommen werden, nachdem ihn Khudeda zunächst sichtbar geschont hatte!

 

Die Vorkämpfe der Amateure

Mit einem sehr gut ausgewählten Tableau konnten die Veranstalter im olympischen Boxen aufwarten. Die angesetzten Kämpfe überzeugten mehrheitlich mit einem guten technischen Niveau. Den spektakulärsten Kampf lieferten sich Ahmet Aziz Yazen (Boxen zur Bildung) und die grosse Walliser-Hoffnung Jimmy Guida (Boxing Club Martigny). Ebenfalls zu gefallen wussten auch Rostam Hamidi (Box Club Bern) und Julien Baillifard (Boxing Club Martigny). Natürlich wäre auch eine detaillierte Würdigung der anderen Kämpfe angebracht, aber die Tatsache, dass einmal mehr zu viele Vorkämpfe auf dem Programm standen, lässt eine ausführliche Reportage nicht zu.

 

Kommentar: Viele Boxer bringen viele Zuschauer, weil Angehörige und Freunde das Geschehen im Ring verfolgen wollen. Bei einem Titelkampf sind aber zu viele Vorkämpfe nicht angebracht. Sporadische, aber zahlende Zuschauer sind keine Insider. Sie verlieren die Übersicht und oft auch die Motivation, wenn sie mit einem Programm gelangweilt werden, das sie nicht wirklich einordnen können.

Resultate der Amateurkämpfe




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