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Kinigamazi bestätigt Ambitionen

Bericht von Ueli E. Adam

28.11.2009 - Mit einer glanzvollen Gala feierte der CP Carouge das 30-jährige Jubiläum des Vereins. In der ausverkauften Salle des Fêtes mit viel Prominenz am Ring sorgten ansprechende Kämpfe für den festlichen Rahmen. Dem aktuellen Trend entsprechend standen fünf Profikämpfe auf der Affiche und lediglich ein einziger Amateurkampf liess die Zeiten vermissen, als die Vereine noch mit soliden Amateur-Staffeln für Feststimmung sorgen konnten. Star des Abends war das Aushängeschild des CP Carouge: Patrick Kinigamazi besiegte im Leichtgewicht den Panamesen Danys Diaz über 10 Runden klar nach Punkten und bestätigte damit seine Ambitionen auf einen Titelkampf.


Manger Silvio Chanton (l.) und Trainer Giorgio Costatino haben eine Perle unter ihren Fittichen: Patrick Kinigamazi

Patrick Kinigamazi (CH), 58,5 kg vs. Danys Diaz (Panama) 59,5 kg

Nach seinem Sieg über den Amerikaner Mario Hayes in Deauville (13. 11.09) musste sich der in 12 Kämpfen ungeschlagene Genfer einer weiteren Herausforderung stellen, die Aufschluss über die weiteren Karriereziele geben sollte. Der Panamese Danys Diaz (19 Kämpfe, 12 (8 KO)-5-2), ein Puncher mit einem harten linken Haken, hatte bisher vornehmlich gegen starke Gegner wie Rafael Hernandez (Venezuela, WM WBA a.i.) und Cyril Thomas (France, Europameister mit WM-Titelchancen) verloren und stellte einen echten Prüfstein dar. In einem animierten Gefecht liess sich Kinigamazi indessen nicht beirren und baute Runde für Runde einen komfortablen Punktevorsprung auf. Ab der dritten Runde verschärfte der Rechtsausleger aus der Schweiz das Tempo und brachte seine Linke mehrmals wirkungsvoll ins Ziel. Mit ausgezeichneten Nehmerqualitäten konnte sich Diaz aber behaupten und verstand sogar, gegen Ende des Kampfes zuzulegen, ohne Kinigamazi allerdings in ernste Schwierigkeiten zu bringen. Kinigamazi hat schnelle Hände und schlägt variable Serien, ist aber vielleicht noch zu wenig präzis. Hier sind noch Verbesserungen möglich, die ihm Trainer Giorgio Costantino in solider Aufbauarbeit ohne Zweifel beibringen wird. Manager Silvio Chanton jedenfalls ist vom Potenzial seines Schützlings überzeugt. Zu Recht wie es scheint: das Verdikt gegen einen starken Gegner stimmt jedenfalls zuversichtlich. So sahen es die Punktrichter:

Claudine Pascale 99:91; Pierre-Alain Schneeberger 99/91; Thomas Zimmermann 99/92


Konnte nach schmerzhaften Niederlagen wieder überzeugen: Bertrand Bossel (l.) gegen den Bulgaren Fikret Remziev

Bertrand Bossel (CH), 54,9 kg vs. Fikret Remziev (Bulgarien) 54,2 kg

Einen schönen Erfolg konnte der Fribourger Bertrand Bossel (8-6-2) verbuchen. Nach einigen schmerzlichen Niederlagen gelang ihm ein Exploit, den viele nicht erwartet hatten und den seine Anhänger mit wohlverdientem Applaus quittierten. In einem auf 6 Runden angesetzten Kampf setzte er den Bulgaren Fikret Remziev (2-8-0) von Beginn weg unter Druck. Nach einer sehr guten dritten Runde schickte er den Bulgaren in der vierten Runde zweimal auf die Bretter und in der 5. Runde kam nach 2’40 das sich abzeichnende Aus: TKO-Sieg für Bertrand Bossel


Wusste gestern Abend nicht restlos zu überzeugen: Hamlet Petrosyan (l.) im Kampf gegen Moroseks Semjons

Hamlet Petrosyan (Armenien) 70,8 kg vs. Moroseks Semjons (Lettland) 70,5 kg

Der in Genf ansässige Armenier Hamlet Petrosyan (27 (10)-6-0) hatte im Februar seinen Titel als IBF-Intercontinental Champion überraschend an den Südafrikaner Vincent Vuma verloren. Mit einem Aufbaukampf wollte der 34-jährige Routinier wieder Tritt fassen. Das ist ihm zwar mit einem Punktsieg gegen den erst 23-jährigen Letten gelungen, konnte aber nicht restlos überzeugen. Moroseks Semjons (5 (2KO)-7-1) boxte unbekümmert und liess sich mit ausgezeichneter Deckungsarbeit von der Reputation des Genfers nicht beeindrucken. Die nächsten Kämpfe von Petrosyan werden Aufschluss über die weiteren Möglichkeiten des Schützlings von Silvio Chanton geben müssen. Das Verdikt:

Claudine Pascale 60/54; Beat Hausammann 59/55; Thomas Zimmermann 60/54)


Guillaume Frenois (France) 59,5 kg vs. Jevgenij Kirillovs (Estland) 59,5 kg

Mit dem 26-jährigen Franzosen stieg ein Mann in den Ring, dem eine grosse Zukunft vorausgesagt wird. Guillaume Frenois, in 15 Kämpfen unbesiegt und als kommender Star von Canal+ im Gespräch, hatte sich zuletzt gegen den Favoriten der Gebrüder Acaries, Sofiane Takoucht, überzeugend durchgesetzt. In Carouge konnte er die in ihn gesetzten Erwartungen nur zum Teil erfüllen. Gegen den erst 20-jährigen Estländer Kirillovs (3-3-1) blieb er in dem auf sechs Runden angesetzten Kampf streckenweise blass und sein zwar eindeutiger Punktsieg konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass lediglich Routine für den Erfolg verantwortlich war. Der Youngster aus Riga hat eine alte Weisheit bestätigt: man kann im Ring nur so gut aussehen, wie es der Gegner zulässt. Das Verdikt:

Claudine Pascale 60/54; Pierre-Alain Schneeberger 60/54; Thomas Zimmermann 60/54


Hatte gegen Laurent Pisa immer eine Hand mehr im Spiel: Walid Abderrahmen (l.)

Walid Abderrahmen (Genf) 61,8 kg vs. Laurent Pisa (France) 62 kg

Der spektakuläre Puncher aus Genf bekam es mit einem Gegner zu tun, der sich nicht so leicht unterkriegen lassen wollte. Der aus Tunesien stammende Walid Abderrahmen (6-1-0) konnte mit einem guten Kampfrekord aufwarten und hat drei seiner Kämpfe vorzeitig gewonnen. Nach einer längeren Verletzungspause gab er im Oktober sein Comeback und liess nichts von seiner alten Kampfkraft vermissen. Mit diesem soliden Fundament ging er auch den Kampf gegen einen Eisenschädel aus Frankreich an, der keineswegs gewillt war, die Waffen zu strecken. Abderrahmen hatte aber immer eine Hand mehr im Spiel, wusste gut ein- und auszuteilen und hat mit intelligentem Boxen bewiesen, dass auch ein Puncher einen Kampf richtig lesen kann. So gelang ihm gegen den zähen Franzosen (4-1-0) ein wohlverdienter Sieg, den aber die Punktrichter recht unterschiedlich bewerteten.

Claudine Pascale 60/55; Pierre-Alain Schneeberger 59/55, Thomas Zimmermann 57/57

In einem guten Amateurvorkampf gewann David San Antonio (CP Carouge) gegen Daniel Egbide (BC Genève) mit einem klaren 3:0 Sieg nach Punkten.

 

 
   
Bild oben links: David San Antonio nach seinem Sieg über Daniel Egbide mit Ringrichter Beat Hausamann. Bild oben rechts: Der bekannte Fernseh- und Sportjournalist Bertrand Duboux posiert mit dem Franzosen Frenois für die Kamera. Bild unten links: Verbandsratsmitglied und Trainerausbildner Dominique Barcellona spricht zum Publikum. Bild unten links: Die Verantwortlichen des Clubs mit Geburtstagstorte

Kommentar:

Die Schweiz ist mehrsprachig, die Mentalitäten unterschiedlich. Wie belebend das sein kann, durfte man in Genf in schönster Form erleben. Peter Stucki, EBU-Vizepräsident und Präsident der Berufsboxkommission, gratulierte dem Club Pugilistiqe de Carouge zum 30-jährigen Jubiläum. SwissBoxing Präsident Andreas Anderegg war aus dem Thurgau angereist, um den Club mit einer Ansprache und einem Geschenk im Ring zu würdigen. EE-EU-Champion Yves Studer, als Ehrengast geladen, bewies in perfektem Französisch, dass Zweisprachigkeit nicht nur ein leeres Wort ist, während der legendäre Promoter Daniel Perroud ein Wiedersehen mit seinem ehemaligen Star Enrico Scacchia zu geniessen schien. Dominique Barcellona vom Cercle des Sports de Genève überbrachte mit einer schönen Skulptur freundnachbarliche Grüsse. Bertrand Duboux, der grosse Boxexperte aus der Westschweiz, führte als Ringsprecher kompetent durch den Abend und CP Carouge Präsident Philippe Rossel war mit seiner Mannschaft ein ausgezeichneter Gastgeber. Besten Dank CP Carouge!




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