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In Memoriam Ernst Chervet

Ueli E. Adam, 24.10.2017

Am 5. Oktober 2016 ist Ernst Chervet gestorben. Er hat einen Nachruf verdient. Nach einem teilweise nicht immer leichten Leben ist er von den Beschwerden des Alters erlöst worden.

Geboren am 27. 9.1940, war er der erste der erfolgreichen Chervet-Brüder, die im Boxen für Furore sorgten. Der junge Charly Bühler warb in den Berner Zeitungen für ein Schüler Training. Die Werbung war erfolgreich. Am schulfreien Mittwoch-Nachmittag wurden die jungen Berner mit einer soliden Grundausbildung in die Kunst des „noble art of self-defense“ eingeführt. Das war die boxerische Geburtsstunde eines ganz Grossen des schweizerischen Boxsports.

Trainer Bühler erkannte nach kurzer Zeit das Potenzial des Knaben und nahm ihn aus der Gruppe der weniger talentierten Schüler, mit dem Ziel, etwas aus ihm zu machen. Das gelang. Bereits 1959 holte er sich den ersten Schweizermeister-Titel im Federgewicht. In der Folge bestätigte er 1960, 1961 und 1963 souverän den Titel. An der Olympiade in Rom 1960 besiegte er den Chilenen Diaz und den Mexikaner Zaldivar, den späteren Profi-Federgewichts-Weltmeister, bevor er im Viertelfinal gegen den amtierenden Europameister aus Polen, Adamski, knapp nach Punkten verlor.

Damit hatte Ernst Chervet schweizerische Boxgeschichte geschrieben. Der Ruhm blieb nicht ohne Folgen. Er war in Bern ein gefeierter Mann, zog um die Häuser und wurde von unseriösen Freunden schlecht beraten, mit fatalen Folgen. Trainingsfleiss und Disziplin blieben auf der Strecke und Bühler setzte nicht mehr auf ihn. Schade. Ernst Chervet hätte das Zeug zum Weltmeister gehabt. Sein grosses Talent liess Perspektiven erahnen, die zu grossen Hoffnungen Anlass gaben. Chervet war technisch perfekt, mit enormen  Puncher-Qualitäten, absolut furchtlos, von Gegnern gefürchtet. Seine echten Freunde sind ihm glücklicherweise treu geblieben. Noch heute haben wir ein Leuchten in den Augen, wenn wir an ihn denken. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

 




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