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Osterboxen in Palézieux: Faire Fights in familiärer Umgebung

Gérald Kurth, 16.04.2017

Das traditionelle Boxmeeting am Ostersamstag des BC Châtel-St.-Denis war einmal mehr ein voller Erfolg: Ungefähr 400 Boxbegeisterte, davon die Mehrheit Einheimische, füllten die Salle polyvalente in Palézieux einmal mehr bis auf den letzten Platz. Der übliche Grossaufmarsch ist Beleg für die Verbundenheit der Region mit dem Boxklub. Das Publikum honoriert zurecht die grosse Arbeit, die Präsident François Gilliand und sein Team vom BC Châtel-St-Denis seit vielen Jahren unspektakulär, aber beharrlich leisten.

Treue Sponsoren sind ein weiterer Ausdruck des lokalen Zusammenhalts im Grenzgebiet von Freiburg und Waadt. Das Zusammenspiel dieser Faktoren ermöglicht so auch abseits der grossen Städte am Genfersee eine Kampfschau, die ganz bewusst eine familiäre Atmosphäre kultiviert. Die Leute kommen deshalb auch, wenn die rein sportliche Qualität der Darbietungen schwankt und –  schon seit Jahren - kein Profikampf auf dem Programm steht.

Das Publikum kommt auch in den Pausen auf seine Rechnung, zumeist mit Amuse-bouches aus anderen Kampsportarten. Diesmal führte Romain Althaus das Publikum in den Umgang mit dem Nunchaku ein. Der Einsatz des mittlerweile zum Kampfsportgerät mutierten japanischen Dreschflegels erfordert ein Höchstmass an Koordination und Konzentration. Entsprechend begeistert waren die Zuschauer über die spektakuläre Demonstration der mit einer Kette verbundenen Schlagstöcke, die Althaus in Höchstgeschwindigkeit und mit ballettgleicher Eleganz ablieferte.

Daneben wurde aber auch noch fleissig geboxt. Von zehn Fights gingen allerdings drei wegen Aufgabe nicht über die Distanz. Die Glanzlichter setzten diesmal zwei Gastboxer des Boxing Club Martigny, beide gegen Kämpfer des Boxe Club Locarno. In diesen Fights war alles drin, was Amateurboxen attraktiv macht: Technik, Präzision, Schnelligkeit, aber auch Variabilität, Distanzgefühl und nicht zuletzt – Fairness.

Elite (bis 60 kg)

Julien Baillifard (BC Martigny) vs. Luca Serano (Boxe Club Locarno)

Baillifard ist ein mittlerweile erfahrener Eliteboxer, der sich konsequent weiter entwickelt hat: Für sein Limit hat er immer schon hart geschlagen. Nun hat er auch mental und technisch zugelegt. Er setzte seinen leichtfüssigen Gegner aus dem Tessin sofort unter Druck, ohne allerdings die Brechstange auszupacken. Vielmehr trieb er ihn kontrolliert vor sich her, um ihn in regelmässigem Rhythmus mit sauberen Kombinationen zu beeindrucken. Der körperliche unterlegene Serano konnte sich Baillifards Schlägen jedoch ebenso oft entziehen und musste keine schweren Treffer einstecken.

Mit zunehmender Kampfdauer erzielte zwar der kräftige Baillifard zunehmend Wirkung im Ziel. Serano wehrte sich aber auch im offenen Schlagabtausch in der letzten Runde beherzt und hatte immer wieder einzelne Hände im Ziel. Den klaren Punktsieg (3:0 Richterstimmen) des strategisch beeindruckenden Baillifards konnte er trotzdem nicht verhindern. In diesem Kampf präsentierten sich zwei technisch überdurchschnittliche und gleichzeitig faire Boxer, eine Freude für jeden unvoreingenommenen Zuschauer. Zurecht überreichte Coach und Veranstalter Gilliand dem Gast aus dem Wallis zum Abschluss die Auszeichnung für den besten Fight des Abends.

Jugend (bis 60 kg)

Tomas Gabriel (BC Martigny) vs. Pedro Augusto Gonçalves (Boxe Club Locarno)

Auch dieser Kampf war stellenweise eine Offenbarung, in erster Linie dank dem Junioren aus dem Unterwallis: Es war beeindruckend, wie abgeklärt Tomas gegen den keineswegs schwachen Tessiner Gonçalves auftrat. Obwohl einen halben Kopf kleiner, arbeitete sich Tomas immer wieder konsequent an Gonçalves heran und schlug variable Zweierkombinationen, meist zu Kopf und Körper. Da waren harte und platzierte Kopf- und Körperhaken drin, die konsequentes Ergebnis von instinktiven Bewegungsabläufen waren. Ging Gonçalves unbeeindruckt nach vorne, liess sich Tomas auch mal zurückfallen, um dann aus der Rückwärtsbewegung ebenso präzise einzelne Hände abzufeuern. Der deutliche Punktesieg war die logische Konsequenz von Tomas’ beeindruckendem Auftritt. Entwickelt sich der Junior aus Martigny in diesem Tempo weiter, dann hat er das Potenzial zu einer grossen Amateurkarriere. Tomas bringt alles mit, was dafür nötig ist: Technik, Abgeklärtheit, Rhythmusgefühl und Bewegungsintelligenz.

Fazit:

Dem BC Châtel-St.-Denis gebührt ein grosses Kompliment für die erneut reibungslose Durchführung eines stimmigen Anlassen, dem BC Martigny für die beiden beeindruckenden Auftritte der Kämpfer aus seinen Reihen.

Traducition suivra




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