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«Der da oben hat mir den Sieg garantiert»

«Der da oben hat mir den Sieg garantiert»

09.12.2009 - Beim Gespräch in seinem Hotelzimmer in Bern zeigt sich Kevin Johnson als nach Gürteln gieriger Boxer, aber auch als reuiger Täter und fürsorglicher Vater. Vor allem aber ist er siegessicher.


Interview: Claudia Blasimann

Der Bund: Kevin Johnson, wieso tragen Sie immer eine Sonnenbrille?

Kevin Johnson: Ich will meine Augen vor den schädigenden Strahlen schützen. Denn als Kämpfer brauche ich gute Augen. Und ich sehe auch viel besser aus damit. Ausserdem will ich nicht, dass die Leute sehen, wo ich hinschaue.

Sie unterscheiden sich nicht nur im Kleidungsstil von Ihrem Gegner Witali Klitschko, sondern haben angeblich auch Ihren Boxstil geändert. Wie konkret?

Mein Trainer hat mehr zu meinem Repertoire hinzugefügt. Wir haben es aufgewertet, sodass ich mehr rausholen kann. Das hier ist die Major League, nicht die Minor League, das Allstar-Game, nicht nur ein Playoff-Spiel. Ich muss das Beste auspacken.

Viele sagen aber, der WM-Kampf komme zu früh für Sie.

Seit über 100 Jahren versuchen die Leute, Boxen vorauszusagen, und lagen nie richtig. Die einzige Person, die das kann, ist der Kämpfer selbst. Die Leute wissen nichts. Warum also sollte ich auf sie hören?

Warum denken Sie, dass Sie als klarer Underdog gelten?

Wegen dem, was Witali Klitschko erreicht hat. Wäre Wladimir der Gegner, würden sie das nicht sagen. Wladimir wurde schon von Amerikanern bezwungen. Witali dagegen hat einige bezwungen, und ging noch nie K. o. Die letzten Amerikaner, die gegen Witali verloren haben, haben uns schlecht aussehen lassen. Die Hälfte von denen war fett und ausser Form. Ich bin immer noch gleich schwer wie bei meinem ersten Kampf. Ich wurde geschaffen, um ihn zu schlagen.

Neben Ihrer Rolle im Ring haben Sie noch eine als Vater. Sie selber sind aber ohne Vater bei Mutter und Grossmutter aufgewachsen. Ist dies für Sie schwierig?

Es ist nicht schwierig, aber eine Herausforderung und jeden Tag eine Überraschung. Meine Mutter und meine Grossmutter taten alles, was eine richtige Familie für ein Kind tut. Ich wurde korrekt erzogen. Wenn man das gespeichert hat, dann weiss man automatisch, wie man selber als Elternteil sein muss.

Gibt es auch Situationen, in denen Sie keine Antwort haben?

Ja, dann rufe ich meine Geschwister oder meine Mutter an. Ich habe keine Angst, Fragen zu stellen. Bei einem Kind kann man sich nicht zu viele Fehler erlauben. Besser ist, ich stelle die Fragen jetzt und bin mir sicher, als später zu merken, dass ich Fehler gemacht habe.

Sie haben in Ihrem Leben Fehler gemacht, sassen wegen Körperverletzung für 18 Monate im Gefängnis. Wie blicken Sie darauf zurück?

Das war ein sehr dummer Fehler, und ich wünschte, ich hätte ihn nicht gemacht. Oder nein, ich kann nicht sagen, es war ein Fehler, denn ich wusste, was ich machte. Es war eine sehr dumme Tat. Und es kostete mich zwei Jahre im Boxen. Hätte ich dies nicht getan, wäre ich schon vor zwei Jahren Schwergewichts-Weltmeister geworden.

Einmal sagten Sie, Sie wollten den Titel für Ihre zehnjährige Tochter Fatimah, ein anderes Mal, Sie würden den Sieg Ihrem verstorbenen Trainer Dave Horn widmen. Für wen kämpfen Sie denn nun am Samstag?

Wenn ich den Titel gewinne, gebe ich ihn meiner Tochter. Mir ist er egal. Amerika will den Titel. Ich will den Sieg, den der durchschnittliche Amerikaner nicht holen kann. Und mein Trainer hätte ihn sicher auch mehr geschätzt.

Und was wollen Sie selber?

Den Sieg. Mir ist der Gürtel egal. Wenn ich diesen gewonnen habe, ziehe ich los und hole mir auch alle anderen Gürtel dieser Welt (zählt alle möglichen auf). Da ist dieser eine nicht wichtig. Ich bin schon am Gipfel angelangt. Schwergewichts-Weltmeister zu sein, ist das höchste Ziel. Aber wenn ich das bin, bin ich noch nicht glücklich. Ich will mehr. Ich will alle Titel, die es zu gewinnen gibt. Ich will sie einfach, weil ich gierig bin.

Haben Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, was passieren wird, falls Sie verlieren?

Nein, denn ich werde gewinnen. Es wurde mir garantiert.

Von wem denn?

Von dem da oben. © Der Bund




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