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Kultur im Ring – Profiboxen in Bern

01.07.2017, Ueli E. Adam - Im Vorfeld zu dem aussergewöhnlichen Profimeeting in Bern hat der Veranstalter eine interessante Erkenntnis publiziert: „ Boxen hat Kultur und einen starken Unterhaltungswert. Dadurch kann es, richtig umgesetzt, über alle Gesellschaftsschichten hinweg faszinieren“. Promoter Leander Strupler hat mit seiner Kommunikationsagentur LS Créative im Kultur-Casino in Bern diesen Leitsatz erstklassig umgesetzt. Das Crossover-Event „Kultur im Ring“ konnte sich nach der Premiere im letzten Jahr (in Zusammenarbeit mit dem Stadttheater Bern) klar bestätigen. Neben attraktiven Profikämpfen sorgte ein Weltstar für den kulturellen Aspekt: die Körperkünstlerin Nina Burri riss das Publikum mit unglaublichen Aktionen zu Begeisterungsstürmen hin. Das wissen auch die Amerikaner: Burri ist als Attraktion in den grossen Casinos von Vegas gebucht.

 

Die Kämpfe der Profis

Luka Pupek 11-0-0 (74 kg) Kroatien vs. Robizoni Omsarshvili 25-16-3 (71 kg) Georgien

Luka Pupek vs. Robizoni Omsarshvili

Die Kroaten hatten mit Luka Pupek einen Mann gemeldet, dem ganz grosse Klasse und erstklassige Perspektiven zugeschrieben werden. Pupek, hatte seine ersten 10 Profikämpfe alle gewonnen und wollte auch den 11. Kampf seiner Karriere zu seinen Gunsten entscheiden. Bereits in der ersten Runde schien sich aber etwas ganz anderes abzuzeichnen. Der routinierte Georgier Omsarshvili dominierte den Kroaten klar und Pupek wurde mit harten und klaren Treffern entzaubert. Auch in der zweiten Runde fand der Kroate absolut kein Rezept, um den souveränen Georgier aus der Fassung zu bringen. Pupek musste weiterhin nehmen und konnte nur wenig austeilen. Dafür sorgte der Georgier kurz vor Ende der zweiten Runde für unerwartete Verblüffung. Er signalisierte eine gravierende Verletzung im Bereich der Führungshand und konnte nicht mehr weiterkämpfen. Das Resultat war logisch: Sieger durch TKO Luka Pupek. Dieser Kampf lässt immerhin Fragen offen: war es wirklich eine Verletzung, war es die für die nächsten Runden vielleicht fehlende Kondition oder hatten die Kroaten dafür gesorgt, dass ihr junger Schützling weiterhin ungeschlagen bleibt? Die Franzosen sagen es so: „honi soit qui mal y pense“ – oder auf deutsch: „ein Schlingel, wer Böses denkt“

 

Ramadan Hiseni 8-0-0 (74 kg) Schweiz vs. Jacob Maganga 9-5-5 (71 kg) Tanzania


Ramadan Hisani vs. Jacob Manganga

Für einen ersten Höhepunkt sorgte der ungeschlagene Neo-Profi aus Dübendorf. Der 20-jährige Ramadan Hiseni liess ein Talent aufblitzen, das für eine interessante Zukunft ausschlaggebend sein wird. Mit einem variablen Schlagrepertoire, erstklassiger Beinarbeit und absoluter Coolness setzte er den Mann aus Tansania unter Druck und ein vorzeitiges Ende schien sich abzuzeichnen. Aber auch in diesem auf 10 Runden angesetzten Kampf sollte sich zeigen, dass erst am Ende abgerechnet wird. Maganga ist einer jener Boxer, die schwer zu boxen sind. Mit wechselnder Auslage und sicherem Ringinstinkt kämpfte er sich trotz Niederschlag in der 10. Runde über die volle Distanz und verlor mit 3:0 Richterstimmen nach Punkten. Das Urteil:

Beat Hausammann 99-89; Thomas Zimmermann 100-89; Domenico Gottardi 99-90

 

Vahram Khudeda 3-0-0 (73 kg) Schweiz vs. Miroslav Tustic 1-4-0 (73 kg) Kroatien


Miroslav Tustic vs. Vahram Khudeda

Der Journeyman aus Kroatien stellte sich durchaus mutig dem Kampf, aber Vahram Khudeda liess ihm keine Chance. Tustic musste in der zweiten Runde mit einem TKO aus dem Kampf genommen werden. Bemerkenswert ist die Arbeit von Khudeda: sauber vorbereitet, nicht überhastet und mit variablen und präzisen Schlägen klarer Dominator des Kampfes.

 

Davide Faraci 5-0-0 (81 kg) Schweiz vs. Mustapha Jobi 4-1-0 (80 kg) Gambia/Island


Davice Faraci vs. Mustapha Jobi

Der ungeschlagene Gambier, in Island wohnhaft, beeindruckte durch eine perfekte Physis. Faraci liess sich nicht beeindrucken und schickte Jobi in der ersten Runde mit einem präzisen Schlag auf den Ringboden. Jobi wurde zwar angezählt, konnte aber die zweite Runde sogar knapp für sich gestalten. Trotzdem kam Faraci nie ernsthaft in Gefahr und punktete mit präzisem Boxen. In dem auf sechs Runden angesetzten Kampf kam es in der letzten Runde zu einem dramatischen Ausgang: Faraci erwischte den Gambier mit einer Schlagserie in der Ringecke. Nach dem dritten Schlag der Serie wurde Jobi schwer getroffen und verlor mit einem schlimmen KO kurzfristig das Bewusstsein. Sieger durch KO Davide Faraci.

 

Viviane Obenauf 11-3-0 (60 kg) Schweiz vs. Consolata Musanga 5-2-3 (62 kg) Kenya


Consolata Musanga vs. Viviane Obenauf

Die Oberländerin war fest entschlossen, ihr Palmarès mit einem weiteren Sieg aufzuwerten. Nachdem sie erst vor einer Woche kurzfristig für einen Kampf gegen die Polin Ewa Brodnicka eingesprungen war und diesen wahrscheinlich gewonnen, aber mit einem vermutlichen Heimurteil von 2:1 für Brodnicka verloren hatte, durfte man auf ihren Auftritt im Kultur-Casino in Bern gespannt sein. Obenauf erledigte die Arbeit routiniert und dominierte Musanga, die als afrikanische Meisterin angetreten war. Dem Kampf fehlte zwar das spektakuläre Element, zeigte aber, dass Obenauf taktisch und technisch klar erkennbare Fortschritte macht. Dies dürfte auch auf das strenge Training durch Gabor Vetö zurückzuführen sein – eine Entwicklung die vielversprechend ist. Für Spektakel wird das Golden Girl auch in Zukunft sorgen.

 

Bruno Tavares 10-1-1 (79 kg) Schweiz vs. Mirzet Bajrektarevic 18-4-0 (78 kg) Kroatien


Bruno Tavares vs. Mirzet Bajrektarevic

Der in Fribourg lebende Mann aus Portugal gehört zu den Schweizer Profis mit attraktivem Potenzial. Der ungeschlagene Tavares wollte auch seinen 11. Profikampf zu seinen Gunsten entscheiden. In der ersten Runde schätzt er den routinierten Kroaten mit sorgfältigem Abtasten ein und erhöht ab der zweiten Runde die Kadenz. Mit sauberen Schlägen versucht Tavares den Kampf zu seinen Gunsten zu entscheiden. Leider sieht das seine Ecke nicht so: mit ständigen Zurufen wird Tavares unter Druck gesetzt und versucht, den Vorgaben gerecht zu werden. Ein fataler Entscheid. Der routinierte Kroate kann den Kampf genau lesen und schickt Tavares in der dritten von 8 angesetzten Runden mit einem bösen KO auf die Bretter.

 

Kommentar:

Promoter Leander Strupler hat mit seiner LS Créative bewiesen, dass es bei uns keine GBA braucht, um Boxen in der Schweiz realisieren zu können. Der deutsche Verband mag ja günstige Konditionen anbieten – aber nur für jene, die nicht rechtzeitig ein solides Budget berechnen können.


Albi Saner mit Promoter Leander Strupler

Die beiden KO-Niederlagen müssen ebenfalls zu denken geben. Im Fall des Isländers wäre eine sofortige Einweisung in ein Spital mit neurologischer Untersuchung wahrscheinlich nötig gewesen.

Im Fall von Tavares ist er Siegfimmel des Teams zu kritisieren. Tavares muss man nicht antreiben. Er ist von sich aus angriffig genug. Dumme Sprüche führen nur ins Verderben.

 

Das letzte Wort: ein tolles Meeting, mehrheitlich ausgeglichene Paarungen und ein begeistertes Publikum in einem wunderbaren Saal.




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