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Swiss Boxing Team deklassiert bosnische Auswahl

Gérald Kurth (Bericht), Fotos Michelle Guilfoyle 17.09.2017

Es war wieder einmal beste Werbung für den Boxsport, die den Fans im Thurgau geboten wurde. Die Coaches des BC Frauenfeld, Toma Engjell und Ernst Koller, hatten mit zahlreichen Helfern in der Konvikthalle die idealen Bedingungen für einen Vergleichskampf zwischen der Schweiz und Bosnien-Herzegowina geschaffen.  Es war dann auch ordentlich was los auf dem Frauenfelder Altstadthügel: Eingestimmt von Andreas Anderegg, einheimisches Urgestein und Präsident von SwissBoxing, gingen über 400 Zuschauer beim Länderkampf zwischen dem Swiss Boxing Team und der Auswahl aus Bosnien-Herzegovina begeistert mit. Zu Recht: Die beiden Teams boten ebenso herausragenden wie fairen Boxsport und holten sich von den temperamentvollen Thurgauer Fans immer wieder verdienten Szenenapplaus.

Über 400 begeisterte Zuschauerinnen und Zuschauer kamen zum Länderkampf nach Frauenfeld

Die insgesamt zehn Fights endeten mit 14:2 deutlich für ein hervorragend disponiertes Swiss Boxing Team (SBT). Viele Kämpfe waren allerdings enger, als es das klare Verdikt letztlich wiedergibt. Die Coaches der beiden Teams, Christina Nigg und Matthias Luchsinger (SBT) sowie Almedin Fetahović und Milenko Tomić (BiH), hatten Kampfpaarungen zusammengestellt, die fast ausnahmslos von überdurchschnittlicher Qualität waren. Und doch müssen die Leistungen mehrerer Athletinnen und Athletinnen im Rahmen des Länderkampfs besonders hervorgehoben werden. Auf Schweizer Seite gebührt ein entsprechendes Kränzchen Tiago Pugno, Nicole von Känel, Angel Roque (Elite) und Andri Beiner (Jugend), auf bosnischer Seite Adem Fetahovic und Alen Rahimic (Elite).

Bantam (56 kg)

Tiago Pugno (SBT) – Alen Rahimić (BiH)

Der beste Kampf des Abends: Pugno (auf dem Bild rechts), beheimatet beim Tessiner BC Riazzino, legte los wie die Feuerwehr. Sein bosnischer Gegner blieb ihm aber nichts schuldig – im Gegenteil: Beide Kämpfer schlugen pausenlos. Und doch: Gingen sie in den Abschluss, waren sie zumeist solide vorbereitet. Pugno war ebenso gut zu Fuss wie Rahimić, beide bewiesen ein ausgezeichnetes Auge, und so wogte der Kampf während drei Runden ausgeglichen hin und her.



Obwohl Rahimić insgesamt wohl mehr punktete – vor allem mit seinen immer wieder chirurgisch präzis aufs Kinn gezogenen Uppercuts – vermochte Pugno die Punktrichter mit mehreren sensationellen Schlagserien zu beeindrucken. Bei aller Intensität und unbedingtem Kampfwillen war die Partie zu keinem Zeitpunkt unfair. Es war eine Freude, diesen beiden Kämpfern zuzusehen, die ihr hohes Tempo, aber auch ihre feine Technik fast bis ans Ende durchhalten konnten. Erst in den letzten Sekunden der dritten Runde zollten sie ihrem Wahnsinnstempo Tribut. Der Kampf endete mit 2:1 Richterstimmen für Pugno - ein Resultat, das ebenso gut auch umgekehrt hätte lauten können.

Leicht (57 kg)

Nicole von Känel (SBT) – Ruza Zakić (BiH)

Die für das Thuner BTO startende von Känel ist zu einer erfahrenen Kämpferin gereift, die ihren Gegnerinnen konsequent nachsteigt und scheinbar mühelos wegdrückt. Auch ihre bosnische Kontrahentin Zakić war bald einmal chancenlos. Von Känel war nicht nur einen Kopf grösser als Zakić, sondern deckte sie konsequent mit langen Händen ein. Das wurde der Bosnierin schnell zu viel: Ohnehin benachteiligt punkto Reichweite, ging sie vermehrt Kopf voran in die Gegnerin hinein, um sich so den Schlägen zu entziehen. Es war absehbar, dass die entsprechenden Verwarnungen in der Summe irgendwann zur Disqualifikation führen würden. Und so war es denn auch: Am Ende der zweiten Runde wurde der Kampf abgebrochen. Ein weiterer Sieg für von Känel, die mit ihrer unaufgeregten Art und Stilsicherheit mittlerweile auch technisch bessere Gegnerinnen kontrollieren und niederringen kann.

Zeigte überzeugende Leistung: Andri Beiner (r.) Besiegte ihre Gegnerin vorzeitig: Nicole v. Känel

Halb-Welter (64 kg)

Andri Beiner (SBT) – Ivan Blazević (BiH)

Ein weiterer hochklassiger Kampf, mit einem magistral auftretenden Beiner. Der für das BTO startende Beiner brauchte eine knappe Runde, bis er die anfängliche auslagebedingte Neutralisierung beheben konnte und in die richtige Distanz zu seinem Gegner fand. Er machte sich sukzessive länger und stach gleichzeitig mit seinem Jab konsequenter zu. Seine perfekten Kombinationen schloss er ab, indem er sich Blazević schon vor dem ersten Konterschlag immer wieder lehrbuchmässig entzog. Dieser homöopathisch dosierte Offensivstil ist nicht nur enorm wirkungsvoll, sondern auch weitsichtig: Beiner nimmt im durchschnittlichen Kampfverlauf nur wenig Schläge. Boxen mit Köpfchen, das Beiner auch dazu verhilft, psychologisch immer mehr an Statur zu gewinnen. Er blockt hervorragend, leitet nach Angriffen sofort die Rückwärtsbewegung ein, kann aber auch dann fast beliebig mit präzisen Kontern punkten. Ein ausgezeichneter Auftritt gegen einen guten und fairen Gegner, der jedoch nichts an Beiners klarem und verdientem Sieg ändern konnte (3:0).

Einer der Besten des Abends: Adem Fetahovic (r.) Hat festen Platz im SBT: Claude Benjamin (l.)

Welter (69 kg)

Yves Kusongi (SBT) – Adem Fetahović (BiH)

Der Genfer Kusongi bekam einen Gegner vorgesetzt, gegen den er von Anfang an auf verlorenem Posten war, ohne dabei einen schlechten Kampf abzuliefern. Der 20jährige Bosnier Fetahović erwies sich jedoch als ausgebuffter und gleichzeitig technisch hervorragend geschulter Kämpfer. Der Sportstudent aus Sarajevo war unglaublich beweglich, wechselte permanent den Rhythmus, schlug ebenso lange Hände wie er sich nach blitzschnellen Kombinationen dem Schweizer sofort wieder entzog. Kusongi kam so über drei Runden kaum je in die richtige Distanz, um überhaupt einmal zu punkten. Allerdings begann Fetahović irgendwann in der zweiten Runde auch, das eine oder andere Mätzchen einzustreuen. Ein kleiner Wermutstropfen, denn: Der Bosnier ist ein so fabelhafter Kämpfer, dass er auf derartige Einlagen getrost verzichten könnte. Technisch einwandfrei, beweglich, trickreich, präzis und doch druckvoll. Von diesem Mann dürften wir wieder hören, wenn er sich als Profi versuchen sollte. Insgesamt eine eindrückliche Demonstration.

Mittel (75 kg)

Angel Roque (SBT) – Ali Jez (BiH)

Roque, in der Schweiz bekannt für sein mitunter flamboyantes Naturell, zeigte sich in Frauenfeld mal wieder von seiner besten Seite und gewann nach Aufgabe seines Gegners in der 2. Runde. Jez ging schon kurz vor Ende der 1. Runde nach einer knallharten Rechten des Zürchers zu Boden, konnte sich aber nach dem Anzählen in die Rundenpause retten. Er war aber sichtlich so beeindruckt, dass er Roque nichts mehr entgegen setzen konnte. Trainer Fetahovic handelte deshalb klug, als er der Verteidigungsunfähigkeit seines Schützlings zuvorkam und mit dem Handtuch winkte. Verdienter Sieger nach Aufgabe von Jez in der zweiten Runde: Angel Roque.

Vize-Präsident R. Stutz begrüsst die Zuschauer Hielt wie gewohnt eloquente Rede: A. Anderegg



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