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Box Club Sissach mit 50-jährigem Jubiläum – eine Feier der besonderen Art

Ueli E. Adam, 16.10.2017 (Text und Fotos)

1967 gründeten initiative Boxfreunde den Box Club Sissach. Der Club hat in den 50 Jahren seines Bestehens die schweizerische  Boxgeschichte mitgeprägt. Trotz relativ kleiner Mitgliederzahl holte Sissach Titel und grosse Anerkennung in der Szene. Auf der Website www.boxclubsissach.ch sind die interessanten Details zu finden. Die Feier zum 50-jährigen Jubiläum entsprach genau dem soliden Charakter des Vereins. Mit einem ausverkauften Meeting in der traditionellen Turnhalle von Sissach wurde würdig gefeiert. Präsident Daniel Häring und sein Club wurden von SwissBoxing-Präsident Andreas Anderegg (links im Bild) mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet. Daniel Häring bedankte sich mit einem interessanten und humorvollen Rückblick auf die Geschichte.


 

Die Jubiläumskämpfe auf einen Blick:

Trotz Absagen ist es dem mehrfachen Schweizermeister aus Sissach, Beat Ruckli, gelungen, ein interessantes Meeting mit 10 Kämpfen im olympischen Boxen zu präsentieren. Interessant dabei: viele junge Kämpfer, teilweise mit ihrem ersten Kampf, waren im Einsatz. Ein Profikampf mit Ismael Martinez rundete die Veranstaltung ab.

M-Y Korcan Capar 14-8 (70 kg) NAB Frenkendorf, vs. Ilyas Winterhalder 15-2 (69 kg) BR Baden

Für einen erfreulichen Auftakt sorgten die jungen Männer: mit Jahrgang 2001 und 1999 zeigten sie schon erstaunliche Reife. Das dynamische und teilweise auch technisch gute Boxen wusste zu gefallen. Winterhalder siegte mit 2:1 Richterstimmen und wurde als bester Boxer des Abends ausgezeichnet.

Corcan Capar vs. Ilyas Winterhalter Kevin Bossart vs. Valentin Bossard

M-E Kevin Bossart 2-1 (88 kg) BC Sissach, vs. Valentin Bossard 0-2 (88 kg) Boxing Kings Bern

Von Beginn weg kämpften die schweren Jungs mit harten Bandagen. Zunächst sah es nach einer schnellen Entscheidung zu Gunsten des Sissachers aus, aber der Mann aus Bern wurde ab der zweiten Runde besser. Dass er das Verdikt nicht kippen konnte, war absehbar. Kevin Bossart aus Sissach siegte mit 3:0 Richterstimmen, ein eher gut bewertetes Resultat.

W-E Rea Vrahasotakis 1-3 (63 kg) BT Basel, vs. Stefanie Hungerbühler 10-1 (63 kg) Riverside Basel

Stefanie Hungerbühler dominierte den Kampf klar. Rea Vrahasotakis schlug sich aber durchaus mutig und beachtenswert, obschon sie 3 x angezählt werden musste. Kritik, leider nicht sanktioniert: die gebrüllten Kommentare aus der Ecke; bereits nach 1 Minute der ersten Runde rief der Coach von Hungerbühler „ sie ma nümm“ in den Ring. Unnötig und schade: Hungerbühler siegte mit 3:0 Richterstimmen.

Rea Vrahasotakis vs. Stefanie Hungerbühler Fabian Hitz vs. Max Schwendimann

M-E Max Schwendimann 0-1 (69 kg) BC Basel vs. Fabian Hitz 1-0-1 (70 kg) BC Schaffhausen

Die beiden Kämpfer sorgten in der Halle sofort für Feststimmung. Sie warfen ihr ganzes, noch nicht ganz perfektes Können ohne Rücksicht auf Verluste in den Kampf. Dem Publikum hat das gefallen. Und die Jury entschied gerecht: Draw: also Unentschieden.

W-E Tanja Schlienger 11-9-1 (56 kg) BC Sissach, vs. Sarah-Joy Rae 19-19 (56 kg) BT Basel

Für einen ersten Höhepunkt des Abends sorgte Tanja Schlienger. Mit druckvollem Boxen schaffte sie es, die mehrfache Schweizermeisterin mit einer 2:1 Wertung zu schlagen. Die an und für sich sehr gut boxende Sarah-Joy Rae machte einfach zu wenig. Sie blieb zwar immer souverän, aber die zu zurückhaltende Art wusste die Jury nicht zu überzeugen. Tanja Schlienger hat nicht nur ausgezeichnet gekämpft, sie wurde auch mit dem Pokal für die beste Boxerin des Abends ausgezeichnet.

Die Taktik von Tanja Schliener ging gegen die Favoritin auf: Rückwärtsgang einschalten und anschliessend wilde Angriffe lancieren. "The Wild Cat" wurde von der Jury zur besten Boxerin der Veranstalter erkoren

M-E Tunc Kizilyatak 0-2 (60 kg) Arnold Boxfit, vs. Mohebi Hafizullah 0-1 (58 kg), BC Basel

Die vor dem Kampf noch sieglosen Newcomer wollten es wissen: der erste Sieg musste her, koste es was es wolle! Und so kam es dann auch: es hat vor allem Ansehen gekostet. Die wüste Prügelei musste immer wieder unterbrochen werden und beide Boxer wurden mehrfach verwarnt. In der dritten Runde hatte Ringrichter Jörg Mangott genug. Beide Boxer wurden disqualifiziert und aus dem Kampf genommen.

M-E Marwan El Omami 3-2 (64 kg) BC Aarau vs. Thomas Odermatt 7-4 (64 kg), BC Luzern

Die beiden versuchten zunächst mit gutem Boxen den Sieg zu holen. Allerdings ging mit El Omami bald das Temperament durch. Zu stürmisch waren seine Angriffe, zu cool wurden sie von Odermatt abgewehrt. Das Verdikt fiel entsprechend aus: Odermatt Sieger mit 3:0 Richterstimmen.

Thomas Odermatt vs. Marwan El Omami Kurosh Karami vs. Marco A. Henriquez

M-E Marco A. Henriquez 1-0 (73 kg) BC Sissach vs. Kurosh Karami 0-4 (74 kg), BC Schaffhausen

Der Einheimische liess Karami keine Chance. Dieser boxte zwar mit einer starken Rechten, konnte damit Henriquez erschüttern, aber nicht bezwingen. Der Schaffhauser wollte zu viel und büsste dafür resultatmässig. Sieger mit 2:0 Richterstimmen Henriquez.

M-E Manuel Bertona 1-6 (68 kg) BU Winterthur vs. Joey Kuster 4-2 (68 kg), BC Schaffhausen

In einem animierten Gefecht behielt Kuster gegen den Rechtsausleger aus Winterthur immer leicht die Oberhand. Beiden Boxern ist ein grosser Kampfwille zu attestieren. Für Bertona reichte das nicht. Sieger mit 3:0 Richterstimmen Joey Kuster.

Der Einheimische Johann Suter (l.) musste sich von seinem "Quasi-Namensvetter" Gilles Sutter geschlagen geben

M-E Johann Suter 1-2 (90 kg), BC Sissach vs. Gilles Sutter 1-0 (90 kg) BC Basel

Der Sissacher sah von Kampfbeginn weg zunächst wie der sichere Sieger aus. Er trat mit viel Selbstvertrauen an und beeindruckte mit einer mächtigen Physis. Aber so ist Boxen: Gilles Sutter steckte die ersten Attacken cool weg und schlug dann zu: mit einem punktgenauen Schlag holte er sich den Sieg. Nach rund 2 Minuten in der ersten Runde musste Suter mit einem schweren KO-H aus dem Kampf genommen werden.

Der Profikampf

Ismael Martinez 1-4-0, Schweiz-Spanien vs. Sabri Ulas Goecmen 11-19-0, Deutschland

Der Deutsch-Türke, der fröhlich im Clown-Outfit in den Ring spaziert war, hatte ab dem ersten Gong nichts mehr zu lachen. Martinez dominierte den Kampf sofort und deckte den Deutschen mit einem Schlaghagel ein, der nicht zu überbieten war. Endlich wurde Martinez belohnt für seine Standhaftigkeit und entschädigt für die in Spanien oft unkorrekten Urteile. Martinez schlug Serien, die Wirkung zeigten und verlor selbst nie die Übersicht.  Dem Coach in der Ring Ecke des Deutschen wurde schnell klar, dass böses Verlieren angesagt war. In der dritten Runde war es dann soweit: Goecmen wurde mit einem TKO aus dem Kampf genommen. Wir dürfen uns auf die weiteren Kämpfe von Martinez freuen.

Ismael Martinez liess von der ersten Sekunde an nichts anbrennen und attackierte seinen deutschen Gegner vehement. Dessen Betreuer nahmen den Boxer in der Pause zur 3. Runde aus dem Kampf

Das letzte Wort: ein wunderbares Jubiläum, ein volles Haus und mehrheitlich ausgeglichene Paarungen begeisterten das Publikum. Die boxerische Qualität war bei den Newcomern noch nicht perfekt. Beispielsweise konnte in fast keinem Kampf Körpertreffer gezählt werden. Mit zu forschem Siegeswillen wird zu oft nur auf den Kopf fokussiert und variable Serien werden vernachlässigt. Das ist gut zu wissen, aber diese Details konnten den schönen Boxabend nicht trüben.  Der BC Sissach hat ein wichtiges Kapitel in seiner Vereinsgeschichte geschrieben. Wir gratulieren herzlich.

Resultate

 




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