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Die grosse Show: Klitschko dominiert in Bern

Die grosse Show

Witali Klitschko dominiert in Bern Kevin Johnson über zwölf Runden klar und bleibt WBC-Weltmeister im Schwergewicht. Der Herausforderer bleibt weit unter dem, was er angekündigt hat. Von Remo Geisser / NZZ am Sonntag

12.12.2009 - «Ich garantiere K. o.», sagt der Weltmeister Witali Klitschko vor dem Kampf über Lautsprecher. Die 17 000 Zuschauer nehmen ihn beim Wort, treiben ihn mit rhythmischem Klatschen und Sprechchören an – aber der Gegner fällt nicht. Nach zwölf Runden, die er von A bis Z dominiert hat, darf sich Klitschko trotzdem vom Publikum feiern lassen: Er hat seinen WMC-Titel im Schwergewicht hoch überlegen verteidigt.

Ansagen sind oft schwer einzuschätzen, besonders im Boxen. Auch Kevin Johnson hatte vor dem Fight einiges versprochen. Er werde Klitschko K. o. schlagen und dessen Karriere beenden – weil Gott das so entschieden habe. Was das Publikum dann aber zu sehen bekam, war ein inferiorer Herausforderer, der meist in der Rückwärtsbewegung war und nur sehr sporadisch einen Treffer landete. Vor allem zu Beginn des Kampfes wirkte er, als wolle er sich dem Fight überhaupt nicht stellen. Hätte Klitschko dort konsequent die Entscheidung gesucht, so hätte der Ukrainer seine K. o.-Garantie wohl einlösen können.

Die grosse Show wurde dem Publikum aber schon vor der ersten Runde geboten, als der Coach des Herausforderers mit der Geste des Halsabschneidens in den Ring stieg und der Ringsprecher Michael Buffer den Titelkampf mit dem Satz lancierte, an dem er die weltweiten Rechte hält: «Let's get ready to rumble.» Für ein einziges Lied stellte Jan Delay seine Band samt Bläsersatz und Chorsängerinnen in den Ring und heizte die Stimmung ein. Zuvor war auf Videowänden zu sehen, wie Witali Klitschko sein altes Boxgym in Kiew besuchte und erzählte, hier habe er barfuss trainiert. Als der Mann mit dem Kampfnamen Dr. Eisenfaust dann endlich leibhaftig im Ring stand, wurde er frenetisch begrüsst – der Titelverteidiger konnte auch in Bern auf ein Heimspiel setzen.

Kevin Johnson hingegen zog durch sein Verhalten bald den Unmut der Zuschauer auf sich. Weil er über weite Strecken den Kampf verweigerte und Klitschko mit allerhand Faxen zu provozieren versuchte, wurde der US-Amerikaner immer wieder lautstark ausgebuht. Das schien ihn aber eher anzustacheln, und in der letzten Runde zeigte er immer wieder auf sein Kinn, das der Weltmeister doch treffen solle. Dieser schwang zwar die Fäuste, doch den ganz schweren Treffer konnte er nie landen. War nach dem letzten Fight Klitschkos gegen den US-Amerikaner Cristobal Arreola noch geschrieben worden, der WBC-Weltmeister sei mit 38 Jahren in der Form seines Lebens, so wirkte er in Bern trotz der frappanten Überlegenheit nicht mehr ganz so unwiderstehlich. Klitschko fehlte oft das Tempo und die allerletzte Konsequenz.

Johnson reist mit knapp einer Million Euro als Schmerzensgeld zurück in die USA – und mit der kleinen Auszeichnung, als einer der wenigen Gegner Klitschkos 12 Runden lang stehen geblieben zu sein. Trotzdem stellt sich die Frage, wohin sich das Schwergewichtsboxen in den USA entwickelt. Zwei der drei bestklassierten US-Faustkämpfer hat Klitschko nun hintereinander ausgeboxt, der dritte wird seinem Bruder Wladimir vorgesetzt. Sollte auch dieser Kampf nach den Plänen der Ukrainer verlaufen, so muss sich die US-Boxszene einmal mehr eine neue grosse Hoffnung suchen.
 



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