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Schweizermeisterschaften in St. Gallen

  Ueli E. Adam, 27.11.2017

77 Athletinnen und Athleten hatten sich zum wichtigsten Termin des Jahres im olympischen Boxen eingeschrieben. 26 Boxerinnen und 49 Boxer kämpften um die Titel. Ausscheidungen, Halbfinals und Finalkämpfe waren interessant und aufschlussreich. Das Positive überwiegt und der für die Durchführung der Finalkämpfe zuständige Verein, BC Sportring St. Gallen, hat den Anlass sehr gut organisiert.

Stehend v.l.n.r.: René Schlachter (Meisterschaftschef), Andreas Anderegg (Präsident SwissBoxing), Sophia Schmid (BC SR Zürich), Hansen Ewene (BC Winterthur), Egzon Maliqaj (BS Gebenstorf), Rishi Arulsothy (BS Gebenstorf), Lazar Kostic (SR St. Gallen), Benoôt Huber (BC d'Octodure), Angel "Floyd" Roque (BC Zürich) und Jack Schmidli (TK-Präsident). Kniend v.l.n.r.: Marina Binggeli (BC Bern), Stefanie Hungerbühler (Riverside Basel), Sandra Brügger (BT Basel), Nadia Barriga (BT Basel), Anaïs Vintalas (Cercle des Sports Genève). Auf dem Bild fehlt Arber Ibishi (BC Nyon).

Schweizermeisterinnen und Schweizermeister auf einen Blick:

Frauen bis 54 kg: Nadia BARRIGA, Boxteam Basel, Titelverteidigerin

Frauen bis 57 kg: Sandra BRÜGGER, Boxteam Basel, Titelverteidigerin

Frauen bis 60 kg: Stefanie HUNGERBÜHLER, BC Riverside Basel, neu

Frauen  bis 64 kg: Marina BINGGELI, BC Bern, neu

Frauen bis 69 kg: Anaïs VINTALAS, Cercle des Sports Genève, neu

Frauen  bis 75 kg: Sophia SCHMID, BC Sport Ring Zürich, neu

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Männer bis 60 kg: Arber IBISHI, BC Nyon, neu

Männer bis 64 kg: Attila VARGA, NAB Frenkendorf, neu

Männer bis 69 kg: Egzon MALIQAJ, BS Gebenstorf, Titelverteidiger

Männer bis 75 kg: Angel ROQUE, BC Zürich, neu

Männer bis 81 kg: Lazar KOSTIC, SR St. Gallen, neu

Männer bis 91 kg: Benoït HUBER, BC d’Octodure, Martigny, Titelverteidiger

Männer + 91 kg: Hansen EWENE, BC Winterthur, neu
 

Mit Medaille, aber ohne Titel-Gurt, da direkt für Final qualifiziert:

Männer bis 56 Kg. Rishi ARULSOTHY, BS Gebenstorf, neu

Mannschaftsmeister Box-Team Basel
Stehend v.l.n.r.: Andreas Anderegg, Patrick Wiederkehr (Trainer), Aline Seiberth, Sarh-Joy Iris Rae, Rea Vrahasotakis, Tina Asmussen und René Schlachter. Kniend v.l.n.r.: Jack Schmidli, Nadia Barriga, Anna Julia Jenni und Sandra Brügger.

Die Finalkämpfe

Elite Herren bis 56 kg: Florio Alexandre, Lausanne BI vs. Rishi Arulsothy, BS Gebenstorf

Die beiden direkt für den Final qualifizierten Boxer kämpften um die Goldmedaille, konnten aber mangels Qualifikationsgegnern keinen Titel-Gurt erkämpfen. Sie zeigten aber ein sehr animiertes Gefecht und liessen nichts anbrennen. Der Mann aus Gebenstorf dominierte den Kampf mit sehr guten Angriffen und siegte mit 4:1 Richterstimmen.

Elite Frauen bis 54 kg: Emma Payne, BR Zürichsee vs. Nadia Barriga, Boxteam Basel (links im Bild)



Emma Payne beeindruckte mit einer erstklassigen Leistung. Sie forderte der als Favoritin gestarteten Vorjahresmeisterin alles ab. Barriga, die 2011 auch den Titel einer bolivianischen Meisterin erkämpft hatte, musste sich gewaltig ins Zeug legen, um Payne zu besiegen. Mit ihrem technisch sehr guten Boxen konnte Barriga den Kampf ganz knapp mit 3:2 Richterstimmen für sich entscheiden.

Elite Herren bis 60 kg: Gabriel Santana-Barreto, Boxen zur Bildung Bern vs. Arber Isishi, BC Nyon (rechts im Bild)



Für einen ersten Höhepunkt sorgten zwei Kämpfer, die im Frühjahr bereits in Martigny für Aufsehen gesorgt hatten. Mit grosser Intensität, Schnelligkeit und sehr guten technischen Ansätzen schenkten sie sich nichts. Wie in Martigny siegte auch im Kampf um den Titel ein völlig entfesselter Ibishi. Diesmal aber war das Verdikt eindeutig: Ibishi holte den Titel mit 5:0 Richterstimmen.

Elite Frauen bis 57 kg: Nicole Von Känel, BT Thun Oberland vs. Sandra Brügger, Boxteam Basel (rechts im Bild)



Es ist für jede Boxerin schwer, gegen eine Ausnahmekönnerin wie Sandra Brügger antreten zu müssen. Von Känel hat diese Aufgabe aber mit Bravour gemeistert. Die Schweizermeisterin 2014 hat unter der Leitung von Christina Nigg grosse Fortschritte gemacht und konnte Brügger mit gutem Boxen durchaus auf die Probe stellen. Trotzdem war das Verdikt klar: die Vorjahresmeisterin holte sich mit 5:0 Richterstimmen den Titel.

Elite Herren bis 64 kg: Attila Varga, NAB Frenkendorf vs. Matteo Celeschi, BC Villars-s-Glâne (rechts im Bild)



Für einen weiteren Höhepunkt sorgte Attila Varga. Der erst 19-jährige Ausnahmekönner aus Frenkendorf zündete ein Feuerwerk, dem auch gestandene Boxer wie Celeschi nicht viel entgegen zu setzen haben. Obschon Celeschi durchaus aktiv, mit sehr guter Deckungsarbeit, zunächst das Schlimmste verhindern konnte und in der dritten Runde alles in die Waagschale warf, um zu punkten, reichte es gegen Varga nicht. Dieser holte sich den Titel mit klaren 5:0 Richterstimmen.

Elite Frauen bis 60 kg: Tina Asmussen, Boxteam Basel vs. Stefanie Hungerbühler, Riverside Basel (rechts im Bild)



Die immer stärker werdende Hungerbühler sorgte für eine Überraschung. Sie entthronte die Vorjahresmeisterin mit einem Angriffsboxen, das Asmussen zu Beginn der Begegnung etwas aus dem Konzept zu bringen schien. Tina Asmussen überzeugt immer mit boxerischer Klasse. Diesmal zögerte sie wahrscheinlich zu lange, um der Gegnerin entscheidend Paroli zu bieten. Neue Titelträgerin mit 4:1 Richterstimmen: Stefanie Hungerbühler.

Elite Herren bis 69 kg: Egzon Maliqaj, BS Gebenstorf vs. Leopold Schwarzwald, BC Zürich (links im Bild)



Egzon Maliqaj gehört zu den wenigen echten Vorzeigeboxern der Schweiz. Der mehrfache Titelträger war auch diesmal entschlossen, den Final mit einem Sieg zu krönen. Dabei traf er auf einen Gegner, dem eine gute Zukunft prognostiziert werden darf. Der 20-jährige Shooting-Star des BC Zürich ging von Beginn weg resolut zur Sache. Gegen den erstklassigen Maliqaj hatte er jedoch keine Chance. Der Gebenstorfer setzte seine Treffer hart und punktgenau und bereits in der ersten Runde musste der Zürcher kapitulieren. Entscheidend angeschlagen und angezählt drohte die Gefahr eines bösen KO. Ein grosses Kompliment geht deshalb an die Betreuer in der Ecke, die das Handtuch zur Aufgabe warfen. Weniger gut die Reaktion des Jungspunds: er beschwerte sich ungebührlich in seiner Ecke. Er muss noch viel lernen. Zum Beispiel Anstand und wie verheerend die Folgen eines schweren KO’s für die Zukunft eines Kämpfers sein können.

Elite Frauen bis 64 kg: Marina Binggeli, BC Bern vs. Rea Vrahasotakis, Boxteam Basel (rechts im Bild)



Die Kämpferin aus Basel wollte es wissen: mit gutem Punch versuchte sie die Bernerin  zu beeindrucken. Binggeli setzte aber konsequent ihre langen Rechten ein und dominierte den Kampf ab Mitte der zweiten Runde. Zwar bescheinigt das Resultat der Richter die guten Ansätze der Baslerin. Aber mit 3:2 Richterstimmen holte sich Marina Binggeli den Titel.

Elite Herren bis 75 kg: Angel Roque, BC Zürich vs. Benjamin Roger Claude, BC Versoix (links im Bild)



Der am 7. Oktober in einem Kampf in Locarno ausgeknockte Vorjahresmeister war ganz offensichtlich nicht auf der Höhe seines früheren Könnens. Natürlich war es nicht leicht, sich gegen einen Mann durchzusetzen, dessen Karriere nach einigen Wechselbädern steil nach oben zeigt. Roque wusste um die starke Schlaghand von Claude und beeindruckte mit einer Kampfübersicht, die ihm früher abging.

Aber ein gereifter Roque wird mit seinem Punch jeden Gegner beeindrucken. So auch diesmal: er liess dem Vorjahresmeister keine Chance. Claude musste nach harten Treffern in der zweiten Runde mit dem Verdikt RSC-H aus dem Kampf genommen werden. Die KO-Niederlagen in rascher Reihenfolge erfordern Sanktionen. Diese sind erfolgt: Claude wird für ein Jahr mit einer Kampfsperre belegt.

Elite Frauen bis 69 kg: Siham Lahbachi, BC Locarno vs. Anaïs Vintalas, Cercle des Sports Genève (rechts im Bild)



Das animierte Frauengefecht wusste zu gefallen. Die Locarnesi waren mit Titelaspirationen angereist, die dank der Qualitäten von Lahbachi durchaus verständlich sind. Die Genferin gab aber das Heft nicht aus der Hand und holte sich den Titel mit 4.1 Richterstimmen.

Elite Herren bis 81 kg: Lazar Kostic, Sport Ring St. Gallen vs. Roy Ecknauer, BC Arbon (rechts im Bild)



Ein Kampf, der das Publikum mitgerissen hat. Die Lokalmatadore waren fest entschlossen, den Titel zu holen. Dabei kämpften sie mit unterschiedlichen Waffen. Der St. Galler verliess sich auf seine überlegene Reichweite und der Thurgauer, mit solider Deckung, auf seinen Punch. Das etwas zu lockere Vernachlässigen der Deckung hätte Kostic durchaus gefährlich werden können. Jedenfalls zeigte Ecknauer, 20-jährig, 20 Kämpfe, ein sehr gutes Potenzial. Kostic holte sich aber mit 4:1 Richterstimmen den Titel.

Elite Frauen bis 75 kg: Cornelia Schmidt, BC Martigny vs. Sophia Schmid, BC SR Zürich (links im Bild)



Die erfahrene Walliserin war fest entschlossen, den Titel zu holen. Es reichte nicht. Sophia Schmid dominierte den Kampf mehrheitlich mit langen Geraden, gegen die Schmidt kein Rezept fand.

Die Technik von Schmidt ist verbesserungsbedürftig. Hätte sie beispielsweise die langen Hände der Zürcherin mit Esquive unterlaufen und mit kurzen Haken zugeschlagen, wäre ein anderes Verdikt möglich gewesen. Sophia Schmid holt sich mit 4:1 Richterstimmen den Titel.

Elite Herren bis 91 kg: Benoït Huber, BC d’Octodure Martigny vs. Mirco Moscara BC SR St. Gallen (rechts im Bild)



Für ein absolutes Glanzlicht sorgte einmal mehr der Meister aus dem Wallis. Mit harten und absolut punktgenauen Treffern liess er dem starken Moscara keine Chance. Dabei ist sofort anzufügen, dass dieser Moscara ein Mann ist, der noch für Überraschungen sorgen wird. Der 22-jährige St. Galler hat vor der Niederlage gegen den Vorjahrsmeister alle Kämpfe gewonnen und besitzt nicht nur gefährliche Schlagkraft, sondern auch ein Einsteckvermögen, gegen das nur schwer zu gewinnen ist. Ganz klar aber das Verdikt im Titelkampf: Benoït Huber besiegt den St. Galler mit vernichtenden Schlägen und Moscara muss in der 2. Runde mit einem RSC-H aus dem Kampf genommen werden.

Elite Herren über 91 kg: Collins Omondi Ojal, BC Glattbrugg vs. Hansen Ewene, BC Winterthur (rechts im Bild)



Die schweren Männer suchten mit unglaublichen Schlägen den vorzeitigen Sieg. Ohne Rücksicht auf Verluste kämpften sie im Infight um den Titel. Selbst für das abgeklärte Publikum sorgten die harten Treffer auf beiden Seiten für Unruhe. Bezeichnend dazu die Kommentare aus der ersten Reihe: „denen möchte ich in der Nacht nicht begegnen!“ Das soll die Leistung der beiden Boxer nicht schmälern, aber vor allem der grossgewachsene Ojal täte gut daran, zu lernen, wie man mit langen Händen zum Erfolg kommt. Wie der Kampf, so das Resultat: Ewene holte sich mit 3.2 Richterstimmen den Titel.

Kommentar: Swiss-Boxing Präsident Andreas Anderegg durfte den Damen des Box-Teams-Basel die begehrte Trophäe des Mannschaftsmeisters überreichen. Der wiederholte Sieg in dieser Wertung ist bemerkenswert. Dass die Damen aufholen, haben auch die Verantwortlichen des Fernsehens SRF gewürdigt. Mit einem sehr guten Beitrag im Sportpanorama konnte eine breite Öffentlichkeit die Qualitäten des sauberen Boxsportes erkennen. Dafür danken die Boxfreunde ganz herzlich. Nach wie vor ist es wichtig, dass die Meister im kommenden Jahr Gelegenheit erhalten, ihr Können in den Ringen der Schweiz zu beweisen. Nur Athleten mit einem klaren Bekanntheitsgrad dürfen mit Publizität rechnen.  Bemerkenswert auch die Tatsache, dass fast alle Resultate des Punktrichter-Gremiums unbestritten blieben und von viel Fairness im Publikum zeugten.

Resultatübersicht

Portrait-Fotos folgen morgen

Traduction suivra




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