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Alle Tessiner Profis feiern Sieg in Ascona

03.12.2017, Gérald Kurth - Die über 600 Boxfans in den Palestre Nuove in Ascona waren hochzufrieden: Nach den einheimischen Amateuren hatten auch die drei Profis mit überzeugenden, wenn auch mehrheitliche kurzen Auftritten Siege eingefahren. Europameisterin Vissia Trovato musste zwar über die Runden, holte sich aber im Aufbaukampf gegen die hartnäckige Jasmina Nadj einen klaren Punktesieg. Routinier Riccardo Silva und Neo-Profi Marzio Franscella hingegen schienen insgeheim eine Wette abgeschlossen zu haben, wer seinen Fight gegen die serbischen Gegner schneller beendet: Silva knockte kurz entschlossen Mitte der ersten Runde Sasa Janjic aus, Franscella konnte hingegen „erst“ in der zweiten Runde nach Aufgabe von Nenad Djuric die Fäuste nach oben recken. Umso ausgelassener feierte er vor den zahlreichen Fans sein gelungenes Debüt als Profi.

Neben den sportlichen Highlights war der Kampfabend in Ascona aber auch aus anderen Gründen denkwürdig. Einmal mehr erzeugte die Squadra um Marco Franscella, Präsident des Boxe Club Ascona, ein betont familiäres Ambiente und lud das Publikum zu einer feinen Polenta ein. In dieser warmen Atmosphäre aufgehoben waren auch die bewegenden Abschiedsworte, mit denen Franscella seines hoffnungsvollen Elitekämpfers Giosuè Massaro gedachte. Dieser ist vor kurzem unter noch ungeklärten Umständen in Chile verstorben. Das Publikum erhob sich ebenso würdevoll zu einer Schweigeminute zu Massaros Ehren wie es bald darauf den Auftritt von Vissia Trovato genoss: Diese glänzte nämlich im Anschluss an ihren siegreichen Kampf auch als Rocksängerin und Frontfrau des Trio Lupo. Im Ring eine aggressive „Leonessa“, am Mikrofon eleganter und souliger Rock: Brava Vissia, eine Frau mit vielen Talenten!

Die Profikämpfe

Federgewicht
Vissia Trovato (CH/ITA) – Jasmina Nadj (SRB)

Bevor sich Vissia Trovato als Frontfrau des Trio Lupo das Mikrofon schnappte, musste die „Leonessa“ in ihrem Kerngeschäft über die Runden gehen: Die Serbin Jasmina Nadj erwies sich als zwar wenig schlagstarke, aber hartnäckige Gegnerin mit Nehmerqualitäten. Das hatte sie auch in ihren bisherigen Kämpfen mehrfach unter Beweis gestellt: Nicht einmal gegen die ungeschlagene Weltmeisterin Eva Wahlström war sie 2016 in Finnland k.o gegangen.

Trovato stieg gewohnt spritzig und aggressiv in den Kampf ein – sofort schlug sie einzelne Hände zum Körper oder liess blitzschnelle krachende Schwinger auf den Kopf der Gegnerin niederprasseln. Allerdings lud die fast einen Kopf grössere Nadj die Lokalmatadorin auch dazu ein, weil sie allzu löchrig deckte. In der dritten Runde jedoch konnte sie Trovatos gute Serie überraschend kontern und landete plötzlich einen Wirkungstreffer. Weil Nadj aber in diesem Augenblick nicht nachsetzte, erholte sich Trovato schnell und blieb bis ans Ende der sechs Runden im Vorwärtsgang. Nadj wagte sich im letzten Umgang zwar vermehrt nach vorn und ging in den offenen Schlagabtausch, vermochte aber infolge mangelnder Präzision und Druck den „lucky punch“ nicht mehr zu landen. Ein überzeugender Aufbaukampf der einheimischen Europameisterin, der von Thomas Walser unaufgeregt geleitet wurde.

Die Wertungen der Punktrichter:

Claudine Pascale (CH) (58:57, Trovato)
Paolo Bolognesi (CH) (59:55, Trovato)
Fabian Guggenheim (CH) (60:54, Trovato)

Weltergewicht
Riccardo Silva (CH) – Sasa Janjic (SRB)

Ein kurzer Auftritt des erfahrenen Silva – mit Ausrufezeichen: Die erste Runde war noch nicht einmal zur Hälfte verstrichen, als der Einheimische nach einer ersten druckvollen Kombination zu Janjics Kopf und Körper wieder angriff. Und mit einem perfekten rechten Haken genau auf die Schläfe fällte Silva seinen serbischen Gegner. Der kam zwar nochmal hoch, war aber noch so benommen, dass ihn Referee Thomas Walser zurecht aus dem Kampf nahm. Der etwas leichtsinnige Auftritt Janjics schmälert jedoch keineswegs die Tatsache, dass Silva seine Kämpfe mittlerweile so stilsicher gestaltet, dass er auch auf europäischem Niveau keinen Gegner zu scheuen braucht.

Supermittelgewicht
Marzio Franscella (CH) – Nenad Djuric (SRB)

Der einheimische Debütant und Sohn von Klubpräsident Marco Franscella war vor der beeindruckenden Kulisse und seinem ersten Kampf als Professional sichtlich nervös. Die Aufregung legte sich aber nach kurzem gegenseitigem Abtasten schnell: Franscella beantwortete die nicht mit letzter Konsequenz vorgetragenen Angriffe seines serbischen Gegners Djuric mit sauber geschlagenen Haken zu Kopf und Körper. Einer davon landete genau auf Djurics schon lädiertem Ellbogen und liess diesen zu Boden gehen. Der Gong rettete ihn zwar noch vor dem Knockout. Aber in der zweiten Runde war es soweit: Nach einer weiteren wirkungsvollen Serie Franscellas ging Djuric erneut zu Boden und zeigte seiner Ringecke an, dass er nicht weitermachen konnte. Dumm nur, dass er beim Anzählen durch Referee Fabian Guggenheim nicht mehr aufstand. Der Kampf musste deshalb mit KO statt TKO gewertet werden. Fazit: Ein kurzes, aber dennoch überzeugendes Debüt von Marzio Franscella. Sein Potenzial hat er in zahlreichen Elitekämpfen unterstrichen, die echte Standortbestimmung in einem Kampf über die Runden wird bald erfolgen.




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