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KO-Niederlage in Basel: ein bitterer Tag für Arnold Gjergjaj

Ueli E. Adam (Bericht und Fotos), 10.12.2017

Im ausverkauften Meeting im Grand Casino Basel kam es zum Drama: Die Hoffnungen von Arnold Gjergjaj, seine Karriere nach langer Verletzungspause mit einem soliden Kampf neu zu lancieren, wurden brutal zerstört. Ein schlagstarker Ire besiegte ihn entscheidend.

Das begeisterte Publikum, das vor dem Hauptkampf sehr gute Kämpfe gesehen hatte, war sichtlich schockiert. Betrüblich, denn der Veranstalter Arnold Box-Fit hatte ein erstklassiges Meeting organisiert. Vier Profi-Kämpfe und zwei Vorkämpfe der Amateure waren sehr gut besetzt und boten den Boxfreunden sehenswerten Sport.

Die Kämpfe der Profis:

6x3 Runden: Davit Ribakoni, 87 kg, Georgien vs. Labinot Xhoxhaj, 93 kg, Schweiz

Der Georgier, 39 Kämpfe, 16-18-5, hatte gegen Xhoxhaj (Bild unten links) von Beginn weg keine Chance. Der Schweizer, der seine ersten 5 Profikämpfe mit vier vorzeitigen Siegen gewinnen konnte, ist eine erfreuliche Entdeckung im Profigeschäft. Mit harten und präzisen Schlägen dominierte er den Kampf von Beginn weg und nach 2.54 in der vierten Runde kam für Ribakoni mit einem TKO das vorzeitige Aus. Auf die nächsten Kämpfe von Labinot Xhoxhaj darf man sich freuen.

6x3 Runden: Constantin Pancrat, 73 kg, Italien, vs. Fabian Hartmann, 73 kg, Schweiz

Fabian Hartmann (5-1-0, links im Bild) wird mit jedem Kampf besser. Das bewies er gegen einen Gegner aus Italien, der ebenfalls vorwärts kommen möchte und deshalb überzeugen konnte. Pancrat aus Parma ist auch noch relativ neu im Profigeschäft (6-7-0) und musste sich gegen gute Gegner bewähren.

Fabian Hartmann bekam den Siegeswillen des Italieners durchaus zu spüren, verlor aber nie die Kontrolle über den Kampf. Vielleicht zu sehr auf ein vorzeitiges Ende fokussiert, geht er Risiken ein, die gegen einen Top-Gegner gefährlich sein könnten. Mit einem klaren Sieg nach Punkten blieb Hartmann auch in seinem 7. Kampf siegreich. So sahen es die Punktrichter: Beat Hausammann 56-58, Domenico Gottardi 56-58, Armin Bracher 55-59

8x3 Runden: Mykola Vovk, 72 kg, Polen, vs. Faton Vukshinaj, 72 kg, Schweiz

Ein absoluter Spitzenkampf: Faton Vukshinaj (rechts im Bild), der bereits in seinen ersten 4 Profikämpfen (4-0-0) mit einer KO-Quote von 75 % beeindrucken konnte, blieb seinem Ruf nichts schuldig. Aber sein Gegner aus Polen war ebenfalls mit einer guten Bilanz angereist: Vovk, 12 Siege, 2 Niederlagen, hatte 8 Kämpfe vorzeitig gewinnen können. Es war also ein Gegner auf Augenhöhe, mit einer beachtlichen Schlagstärke. Vukshinaj liess sich aber nicht beeindrucken. Mit technisch erstklassigem Boxen und variablen Schlägen setzte er Vovk unter Druck.



Die Dynamik und die Schlagstärke des Baslers waren eindeutig Sonderklasse. Dieser Souveränität musste auch der sieggewohnte Pole Tribut zollen. Nach einem Kampf, der das Publikum von den Sitzen riss, kam für Vovk nach 2 Minuten in der achten Runde das Ende. Vukshinaj siegte mit einem TKO und beendete auch seinen fünften Profikampf vorzeitig.

8x3 Runden: Sean Turner, 115 kg, Irland, vs. Arnold Gjergjaj, 103 kg, Schweiz

Die Vorzeichen für das Comeback von Arnold "The Cobra" Gjergjaj (30 -1-0, rechts im Bild) schienen günstig: ein neuer Trainer (Liesen Guzman, Kuba) und ein optimales Kampfgewicht sollten es richten. Diese positiven Signale wurden im Ring leider nicht bestätigt. Von Beginn weg dominierte Sean Turner (11-1-0) mit beeindruckenden Schlagserien den Kampf. Nachdem die erste Runde auf den Punktezetteln für Arnold bereits verloren war, kam es in der 2. Runde zum Eklat: Gjergjaj musste ein erstes Mal zu Boden und angezählt werden. Von diesem Knock-Down hat sich der Basler nicht erholt. Bis auf die sechste Runde, die mit einer 10 für Arnold gepunktet werden konnte, gingen alle Runden an den Iren. In der achten Runde kam es knüppeldick: mit einem vernichtenden Schlaghagel wurde Gjergjaj auf die Bretter geschickt und mit einem verheerenden KO ausgezählt. Stille im Saal: das Publikum war geschockt und konsterniert.



Auch für Boxkenner war die Dramatik schwer einzuordnen. Anstatt mit seiner überlegenen Reichweite und langen Geraden den Iren in Schach zu halten, liess sich Arnold einen Infight diktieren, in dem er seine Qualitäten gar nicht ausspielen konnte. Mehrere Aspekte waren für die Niederlage mitverantwortlich: die Ecke von Gjergjaj liess jede Kampfstrategie vermissen. Anstatt klaren Anweisungen wurden von emotionalen Betreuern wirre Mutmacher in den Ring geschrien. Und wahrscheinlich hat die Crew um Arnold Gjergjaj auch gar nicht richtig mitbekommen, wer da als Gegner engagiert wurde. Turner wird nämlich von Peter Taylor, dem Vater von Weltmeisterin Katie Taylor, betreut und trainiert. Taylor besitzt nicht nur Erfahrung, sondern auch Fachwissen. Er hatte offensichtlich erwartet, dass Arnold mit langen Geraden kämpfen würde. Deshalb hat er Turner eine sogenannte Kreuzdeckung verordnet.



Die gekreuzten Arme vor dem Kopf sollten verhindern, dass die zerstörerischen Schläge der Kobra durch die Deckung ihr Ziel finden könnten. Das Matchmaking lässt Fragen offen: nach einer derart langen Ringpause hätten mögliche Gegner sorgfältiger ausgewählt werden müssen. Dabei hätten es überhaupt nicht inferiore Gegner sein müssen, aber jedenfalls keine Puncher wie Turner. Ein bis zwei Siege hätten Arnold Gjergjaj wieder das nötige Selbstvertrauen vermitteln können.

Celso Amando das Neves v Robert Arpaz Davide Decio v Thomas Odermatt

Das letzte Wort: wer ein Herz für die einheimischen Boxer hat, darf traurig sein. Aber das Positive wollen wir nicht vergessen. Für alle Kämpfe wurden gute Gegner verpflichtet und die Stimmung im Saal war dank den Leistungen der Boxer optimal. Dazu dürfen auch die Vorkämpfe der Amateure gezählt werden. Thomas Odermatt (BC Luzern) gegen Davide Decio (NAB/Italien) und Robert Arpaz (BC Sissach) gegen Celso das Neves (NAB) zeigten erstklassiges Boxen. Da waren Boxer am Werk, die keine Langeweile aufkommen liessen. Alle vier Boxer haben ein grosses Kompliment verdient.

Nach dem Kampf war es sowohl für das Management als auch für Gjergjaj  schwer, über weitere Karrierepläne zu berichten. Am besten wird wohl sein, eine Ruhepause einzuschalten und mögliche Angebote abzuwarten. Diese werden nämlich mit Sicherheit eintreffen.

 

 

 




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