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Davide Faraci landet Knockout-Sieg – SBT besiegt Auswahl aus Rom

Ueli E. Adam, 09.04.2018

BF Boxing Promotion ist ein Name, den man sich merken muss. Mit der Affiche BF Boxing Day hat der Veranstalter in Uster ein  klares Zeichen gesetzt: die Boxfreunde durften ein attraktives Meeting mit Zukunftspotenzial erleben. Das Swiss-Boxing-Team kämpfte gegen eine qualitativ sehr gute Staffel aus Rom und drei Profikämpfe rundeten das Programm ab. Freundliche Kritik sei trotzdem angemerkt: mit zahlreichen Amateurkämpfen im Vorfeld war das Programm zumindest für die Funktionäre überladen und auch das Publikum wird Endlos-Angebote nicht goutieren. Eine bessere Ablaufstruktur ist ebenfalls wünschenswert und dafür könnte man unnötige Lichtshows einfach streichen.

Swiss Boxing Team

Die besten Athleten im olympischen Boxen werden für das Swiss Boxing Team selektioniert. In Uster trafen die Kader-Mitglieder auf eine sehr gute Auswahl aus Rom.

Die Kämpfe im Überblick

Elite Schwer: Angelo Gentile, (91,5 kg) Swiss Boxing Team vs. Daniele Fruci, (91,4 kg) Italien

Gentile (Bild unten rechts) wird mit jedem Kampf reifer. Mit seiner Physis dominiert er viele Gegner, muss aber technisch noch besser werden. Der Italiener wurde ab der zweiten Runde stärker, weil der sich auf die körperliche Überlegenheit des Schweizers  einstellen konnte. Der Sieg war Gentile aber nicht zu nehmen, er siegte mit 3:0 Richterstimmen.

Elite Welter: Attila Varga, (68, 9 kg) Swiss Boxing Team vs. Alessio Mastonuncio, (70,3 kg), Italien

Varga (Bild unten rechts) ist ein Klasse-Mann mit guten boxerischen Qualitäten. Er kämpfte beeindruckend gegen einen starken Italiener, der vielleicht eine Hand mehr im Spiel hatte. Sieger mit 3:0 Richterstimmen wurde Alessio Mastonuncio, Italien.

Elite Bantam: Rishi Arulsothy, (55,6 kg) Swiss Boxing Team, vs. Antonio Menillo (58,4 kg), Italien

Ein schweres Los für den Publikumsliebling und Schweizermeister aus Gebenstorf: sein Gegner, italienischer Vizemeister Menillo (Bild unten links), beeindruckte mit technischem Können und exzellenter Beinarbeit. Trotz der Klasse des Gebenstorfers behielt der Italiener mit Speed und Uebersicht die Oberhand.Sieger mit 3:0 Richterstimmen: Menillo, Italien

Elite Leicht: Gabriel Barreto, (60,0 kg) Swiss Boxing Team vs. Eric Wowks, (60,3 kg), Italien

Trotz dem Verdikt von 1:2 gab es am Sieg von Barreto (Bild unten links) nichts zu rütteln. Der Italiener, offenbar gewarnt, setzte zu sehr auf Beobachtung und zu wenig auf Angriff. Das wurde vom Kampfgericht berücksichtigt. Barreto kämpfte mit gutem Auge und hat den Sieg verdient.

Elite H.Schwer: Thomas Halfinger, (79,6 kg) BC Singen vs. Gabriele Granaldi, (81,7 Kg), Italien

Halfinger  liess sich durch die Attacken von Granaldi nicht beeindrucken. Mit sauberem Boxen konterte er den Italiener, der angezählt werden musste, überzeugend aus. Das ergab ein klares Resultat: Sieg mit 3:0 Richterstimmen für Halfinger.

Eilte H.Welter: Horia Trif, (64 kg) Swiss Boxing Team vs. Andrea Scarda (65,6 kg), Italien

Der Zürcher Trif gehört zu den aussergewöhnlichen Talenten der Schweiz. Aber sein Kampf gegen Scarda hat gezeigt, dass er noch viel lernen muss. Insbesondere: dass wilde Angriffe nicht immer das richtige Rezept sind. Mit wenig präzisen Treffern verspielte er den Sieg, gegen einen Italiener, der sich gut auf die Angriffswellen des Schweizers einstellen konnte. Das Resultat fiel dementsprechend aus: Unentschieden.

Im Aufgebot des Swiss Boxing Teams, aber nicht gewertet: Andri Beiner, BTO, vs. Giorgi Zyba, Italien.

Die Kämpfer massen sich lediglich in einer Exhibition, da Trainerin Christina Nigg einen Ernstkampf zu Recht ablehnte. Der Italiener war mit 4 kg Übergewicht angetreten: ein No-Go und ein Risiko für den jungen Hoffnungsträger aus Thun.

Die Kämpfe der Profis

4x3 Runden: Egzon Maliqaj (71,1 kg) Schweiz, vs. Zdravko Popov, (70,9 kg), Bulgarien

In seinem ersten Profikampf präsentierte sich der mehrfache Amateur-Schweizermeister und Gewinner der Robert-Nicolet-Trophy, Egzon Maliqaj (Bild unten links) in bestechender Form. Das war durchaus auch nötig, denn sein Gegner, der ebenfalls seinen ersten Profikampf bestritt, war vor dem Kampf schwer einzuschätzen. Es ist immer ein risikoreiches Match-Making, wenn man für den eigenen Kämpfer einen Gegner wählt, der ohne Box-Rec.-Daten antritt. Der Rechtsausleger Popov wurde als mehrmaliger Amateur-Meister und Olympia-Qualifikant eingestuft, ohne dass diese Qualifikationen eindeutig überprüfbar waren. Egzon Maliqaj liess sich durch diese Unsicherheiten nicht beeindrucken. Er startete den Kampf mit erstklassigen Angriffen, die auch hinsichtlich der Präzision der Schläge nichts zu wünschen übrig liessen.



Bereits nach der ersten Runde war der Bulgare unter dem linken Auge stark gezeichnet und man musste annehmen, dass dies den Durchblick von Popov bald einschränken würde. Auch die zweite Runde ging klar an Maliqaj, der mit seinem hohen Tempo den Kampf klar dominierte. Ab der dritten Runde setzte sich Popov aber immer besser in Szene. Mit seiner harten und gefährlichen Linken versuchte er, den entscheidenden Schlag anzubringen. Das schien Maliqaj zunächst nicht zu beeindrucken, aber in der vierten Runde ergab sich eine ähnliche Situation, die vom Kampfgericht gegen den Schweizer gewertet wurde. Nach einem sehr guten Start musste sich Egzon Maliqaj, schwer enttäuscht, mit einem Unentschieden zufrieden geben. So urteilte das Kampfgericht:       Marcel Werder 38:38, Domenico Gottardi 38:38, Thomas Zimmermann 39:37

Zwei Richter sahen Maliqaj in den  beiden ersten Runden, Popov in den beiden nächsten Runden vorn.

Trotz der Enttäuschung darf Maliqaj zufrieden sein. Er hat den Einstand ins Profigeschäft gegen einen starken Gegner – und nicht gegen einen schwachen Journey-Man – bravourös bestanden.

8x3 Runden: Labinot Xhoxhaj (92,9 kg), Schweiz, vs. Jakub Synek (89,8 kg)

In seinem 8. Profikampf bewies Xhoxhaj (Bild unten links) seine Klasse. Er machte mit dem Tschechen Synek kurzen Prozess, obschon sich dieser als Profi mit Stehvermögen erwies. Dank präzisen und harten Schlägen schien sich bereits in der ersten Runde ein klarer Sieg von Xhoxhaj  abzuzeichnen.



Der schwer angeschlagene Synek blieb aber nach einem zerstörerischen Schlaghagel auf den Beinen und rettete sich in die zweite Runde. Nach einem präzisen Schlag von Xhoxhaj kam für Synek nach zwei Minuten schliesslich das Aus. Sieger durch TKO: Der Super-Profi aus Gebenstorf, der den Boxfreunden noch viel zu bieten  hat. Synek hat Qualität bewiesen: er ist nicht einfach zum Umfallen angereist.

10x3 Runden: Davide Faraci, (80,6 kg) Italien-Schweiz, vs. Emmanuel Feuzeu, (78,5 kg), Spanien

Der in Italien lizensierte Aargauer (Bild unten links), ursprünglich in Uster für einen WBC-Titelkampf vorgesehen, beschenkte sein Heimpublikum mit bestem Boxen. Im kurzfristig angesetzten Swing-Bout traf er auf einen routinierten Profi aus Spanien, der seit 2005 im Geschäft ist. Feuzeu präsentierte sich in Top-Form und konnte sich den präzisen Attacken von Faraci zunächst durch gute Defensivarbeit entziehen. Beeindruckend war auch, wie sorgfältig Faraci – der sich auf 10 Runden einstellte – den Kampf anging.

Schon bald war aber klar, wieso Faraci bald um den italienischen Meistertitel kämpfen wird. Selbst gute, aber mittelmässige Gegner haben gegen ihn keine Chance. Das musste auch Feuzeu erfahren. Nach einem harten Schlag musste er in der ersten Minute der dritten Runde zu Boden und wurde mit einem KO ausgezählt.

Das letzte Wort: Die Profis wurden vom Publikum begeistert gefeiert und Davide Faraci ist der Held einer ganzen Region. Zu Recht.

 

 




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