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Interview mit Angelo Gallina



 «Die Boxerinnen bringen eine neue Duftnote rein»
Box-Promoter Angelo Gallina (42) über Boxernamen, die Degen-Brüder und die grösste Panne bei einer seiner Veranstaltungen

Interview: Andreas W. Schmid

Zum 16. Mal organisiert Angelo Gallina heute Abend die Box-Kultur-Veranstaltung «boxeo» (Kaserne Basel, 20.30 Uhr). Die BaZ hat dem Frauen-Box-Nationaltrainer zwölf Fragen gestellt – für jede Runde eines Faustkampfes eine.

BaZ: 1. Angelo Gallina, warum veranstalten Sie nicht einfach Boxabende, sondern präsentieren einen Mix aus Sport und Kultur?

Angelo Gallina: Mein Auftrag ist es, jedem Besucher von «boxeo» einen einzigartigen Anlass zu bieten, der später auch noch im Altersheim ein Gesprächsthema sein soll. Kultur gehört im Übrigen zum Boxen wie die Wurst zum Fussballmatch.

2. Der schönste Kampfname?

Da fällt mir unser Boxer Patrick Wiederkehr ein. Er ist Franzose und boxte bei seiner Premiere wie ein Feuerwerk. Sein weisses Leibchen war am Ende des Kampfes rotgefärbt. Seitdem nennen wir ihn Patrick «14 juillet» Wiederkehr.

3. Engagieren Sie sich so fürs Frauenboxen, weil Sie ein Don Giovanni sind?

Dass dem nicht so ist, kann ich statistisch belegen: 50 Prozent der von mir betreuten Boxer sind männlichen Geschlechts. Dass ich mich für die Boxerinnen so sehr ins Zeug lege, hat damit zu tun, dass es sich um eine junge Sportart handelt, wo wir zeigen können, was wir draufhaben. Bei den Männern hingegen haben wir in der Schweiz die Entwicklung verpennt.

4. Eine Gegnerin deckt weder ihre Leber noch ihr Kinn. Was raten Sie Ihrer Boxerin?

Ich richte meine Boxerinnen darauf ab, auf den Kopf zu schlagen. Ganz einfach, weil ein Kopftreffer eher auf den Punktezetteln der Wertungsrichter Niederschlag findet.

5. Warum ist «boxeo 16» interessanter als der Kampf Klitschko–Johnson?

Ganz einfach: Bei uns wird geboxt! Was Johnson getan hat, war Arbeitsverweigerung pur. Dafür hat er auch noch ein Arbeitslosengeld von einer Million Franken kassiert!

6. Im Boxkeller riecht es nach Schweiss. Haben Sie nicht manchmal genug davon?

Auch deshalb liebe ich das Frauenboxen: Die Boxerinnen bringen eine neue Duftnote rein.

7. Nehmen wir an, es treffen sich Kampfsportler aller Disziplinen zum grossen Finale. Wer gewinnt?

Es gewinnt der, der sich nicht an solch einem Schwachsinn beteiligt.

8. Was muss passieren, damit es doch zum Bruderduell der Klitschkos kommt?

Da finde ich die Frage viel interessanter: Würden sich die Degen-Brüder foulen?

9. Was ist wahrscheinlicher: Dass Ihre Boxerin Sandra Brügger an Olympia 2012 dabei ist oder dass Nikolai Valuev noch eine Dreierkombination lernt?

Weil sonnenklar ist, dass Valuev so etwas nicht drauf hat, sehe ich schon, wie Sandra als Fahnenträgerin der Schweizer Olympia-Delegation bei der Eröffnung einmarschiert.

10. Sie sind ein überzeugter Kleinbasler. Was hat Kleinbasel Grossbasel voraus?

Kleinbasel lebt noch.

11. Die grösste Panne bei einer Ihrer Box-Veranstaltungen?

500 Zuschauer in der Arena, und fünf Minuten vor dem Kampf stellen wir fest: Beide Boxer haben keine Handschuhe! Die gingen vergessen. Da musste ich erst mal absitzen. Das Orchester hat ein paar Minuten länger Geige gespielt, während einer mit dem Velo Ersatzhandschuhe holte.

12. Wie war es früher für Sie als Boxer, mit dem Nachnamen Gallina (zu Deutsch: Huhn) in den Ring zu steigen?

Für Adrian Wichser ist es auch nicht einfach, das Eis zu betreten.
 



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