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Meeting in Gümligen – eine Veranstaltung bereichert die Agenda

Ueli E. Adam (Text und Fotos), 06.05.2018

In der Sporthalle Moos in Gümligen haben Sandro Huber und sein Team bewiesen, dass der relativ junge Club Klasse-Meetings organisieren kann, die zur festen Grösse im Veranstaltungskalender werden könnten. Neun Amateur- und zwei Profikämpfe standen auf dem Programm. Ein interessanter Überblick über die aktuelle Szene war damit gewährleistet.

Die Kämpfe der Profis

Alfred Kqira (Schweiz) 65 kg, 3-0-0, vs. Mevludin Suleymani (Frankreich) 65 kg, 1-2-1

Der 22-jährige Neoprofi aus Aarau (links im Bild) trat ungeschlagen zu seinem vierten Kampf als Berufsboxer an. Sein Gegner aus Frankreich, ebenfalls 22-jährig, reiste zu seinem fünften Profikampf mit einem bescheidenen Notenblatt an: 1 Sieg, zwei Niederlagen, 1 Unentschieden. Dass Notenblätter täuschen können, wurde bereits in der ersten von 4 Runden erkennbar. Insider wissen: französische Boxer sind in der Regel sehr gut ausgebildet. Das gab dem Kampf die nötige Würze. Der junge Aargauer begeistert mit seinem Kampfstil, seiner Entschlossenheit und seinem Können das Publikum.



Der Franzose aber bewies, was eine gute Ausbildung möglich machen kann: mit erstklassigem technischem Boxen dominierte er bereits in der ersten Runde. Die folgenden Runden waren ausgeglichen, aber Suleymani siegte verdient nach Punkten. Für Kqira war das keineswegs problematisch: er hat mit Sicherheit dazugelernt. El Chapo (sein Kampfname – der Kleine) wird uns noch viel Freude bereiten. So punktete die Jury: Fabian Guggenheim 37:39; Daniel Reimann 37:38; Thomas Zimmermann 38:38

Zino Meuli (Schweiz) 68,2 kg, 9-0-0, vs. Dito Guliashvili, ( Georgien) 67,9 kg, 7-2-0

Zino Meuli (links im Bild) gehört im Moment zu den attraktivsten Schweizer Profis. Meuli hat sich nach einer guten Amateurkarriere beeindruckend entwickelt. Er kann einen Kampf lesen, er ist athletisch in Top-Form und er schlägt präzis und sehr hart. Dabei bleibt er cool und verliert selten den Überblick. Sechs KO-Siege in den ersten 9 Profikämpfen sind eine eindrückliche Bilanz. Meuli visiert mit seinem Manager Markus Schefer hohe Ziele an und wird von René Engler auch hervorragend betreut. Deshalb war es vernünftig, einen Kampf erstmals über 8 Runden anzusetzen. Die Wahl des Gegners schien allerdings auf den ersten Blick etwas erstaunlich. Guliashvilli ist bereits 34-jährig und hat seine Profikarriere mit insgesamt 9 Kämpfen erst im Oktober 2017 gestartet.



Er kämpfte meistens in Tiflis (Georgien) und blieb dort zwar meistens siegreich, aber am 24. Februar 2018 verlor er einen Kampf gegen Ricardo Silva in Lugano durch KO. Kein Problem also für Zino Meuli? Nicht ganz. Im spannenden Kampf hat sich gezeigt, wie wertvoll die Verpflichtung des Georgiers war. Meuli verlor zwar nie ganz die Kontrolle, aber er musste gegen den Guliashvili ungewohnt hartes Brot essen. Meuli hat den Kampf zwar souverän richtig eingeteilt, aber brillieren konnte er nicht! Eine wertvolle Erfahrung für den 25-jährigen Schweizer – und besonders wertvoll, weil Meuli nach dem Kampf die Dinge richtig einschätzen konnte. So urteilten die Punktrichter: Beat Hausammann 77:75; Daniel Reimann 79:73; Thomas Zimmermann 77:75. Sieg nach Punkten für Zino Meuli

Die Vorkämpfe der Amateure

Die Vorkämpfe der Amateure bewiesen einmal mehr, dass eine solide Ausbildung im olympischen Boxen entscheidend ist. Eine Boxerin und Boxer des Berner Box Clubs konnten sich mit gut ausgewählten Gegnern messen und die eigenen Fähigkeiten in der Praxis einschätzen. Interessant waren die Leistungen von Sheran Khalil, Joel Oesch, Rostam Hamidi und Mark Tinaj. Winterthur und Basel stellten sehr gute Gegner und die Kämpfe waren attraktiv. Aber auch die anderen Berner durften sich sehen lassen, obschon gewisse Defizite in Ausbildung und Kampferfahrung erkennbar waren.

Man darf den Bernern zu diesem Meeting gratulieren, ohne allerdings eine freundliche Kritik zu vergessen. „Freinacht-Boxen“ ist für das zahlende Publikum nicht attraktiv. Wenn man erst nach Mitternacht den Heimweg antreten darf, ist das nicht immer wünschenswert. Es ist zwar verständlich, dass die hohen Kosten eines Meetings die Veranstalter dazu verleiten, Pausen einzubauen und möglichst viele Kämpfe anzubieten. Aber für Profi-Kämpfe sollte ein anderer Rahmen gefunden werden.

Resultate

 

 

 




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