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Rahimov klar gewählt

Andreas Anderegg, 04.11.2018

Der Usbeke Gafur Rahimov wurde am Samstagabend in Moskau mit klarer Mehrheit zum neuen Präsidenten der International Boxing Association AIBA gewählt. Falls das IOC das Boxen wegen dieser Wahl aus dem olympischen Programm streicht, will er zurücktreten.

Wurde trotz schweren Korruptionsvorwürfen von den AIBA-Delegierten gewählt: Gafur Rahimov

Das Abstimmungsergebnis fiel überraschend deutlich aus: Interimspräsident Gafur Rahimov erhielt 86 Stimmen, sein Gegenkandidat Serik Konakbayev aus Kasachstan insgesamt 45 Stimmen - 6 Stimmzettel wurden leer eingelegt oder waren ungültig.

Rückzug in Aussicht gestellt

Wahlsieger Rahimov dankte den Anwesenden für das Vertrauen und kündigte an, die AIBA gemeinsam mit allen Beteiligten in eine gute Zukunft zu führen. Zu den Gerüchten, wonach das Internationale Olympische Komitee im Falle von Rahimovs Wahl das Boxen aus dem olympischen Programm streicht, hatte der Usbeke am Tag zuvor angekündigt, sich zurückziehen zu wollen (ihm werden bekanntlich kriminelle Machenschaften vorgeworfen).

Der unterlegene Konakbayev zeigte sich als fairer Verlierer und gratulierte seinem Kontrahenten. Mit dieser Wahl endete auch das Engagement von Konakbayev für die AIBA, war er als Asien-Präsident doch einer von fünf Vizepräsidenten. Als Asien-Präsident hatte er zuvor bereits seinen Rücktritt eingereicht.

Ein Wahl-Marathon

Insgesamt fünf Stunden dauerte die Wahl des neuen Präsidenten, was allerdings weniger mit den Protagonisten zu tun hatte, als vielmehr mit der Technik und den Stimmberechtigten. Denn bei den Testläufen wurden immer wieder andere Gesamtstimmenzahlen erzielt, als sie im Saal vorhanden waren (137). Dabei missachteten Vereinzelte bei den Probeläufen die Aufforderung zur Betätigung des Abstimmungsknopfes und einmal wurden sogar 138 Stimmen gezählt.

Osteuropa dominiert EUBC

Bei den Wahlen der Exekutivmitglieder in den fünf Kontinentalverbänden der AIBA gab es wiederum zahlreiche Wechsel. Bei der europäischen EUBC wurde unter anderem Giorgio Brugnoli (England) neu ins Komitee gewählt - Jürgen Kyas aus Deutschland schaffte die Wiederwahl hingegen nicht. Die restlichen EUBC-Mandate gingen alle an Vertreter aus Osteuropa. Als EUBC-Präsident bestätigt wurde zudem Franco Falcinelli (Italien), der mangels Gegenkandidatur automatisch wieder gewählt wurde. Falcinelli ist derzeit allerdings suspendiert. Er wurde von der AIBA von sämtlichen Funktionen enthoben, nachdem er die Mitglieder des AIBA-Exekutivkomitees aufgefordert hatte, die Kandidatur von Serik Konakbayev als Präsident zu unterstützen.

Strahlen um die Wette: Der deutsche Jürgen Kyas, der Präsident des kroatischen Boxverbandes Bono Bošnjak, sowie SwissBoxing-Präsident Andreas Anderegg.

Was bringt die Zukunft?

Man darf nun gespannt sein, wie sich die AIBA weiter entwickelt und insbesondere auch auf die Reaktionen auf die Wahl von Rahimov zum Präsidenten. Rahimov war im Januar zum Interimspräsidenten gewählt worden, nachdem der frühere Präsident Wu gegen Ende letzten Jahres zurück getreten war. Unter Wu’s Leitung hatte die AIBA viele Millionen in Projekte investiert, die ein Misserfolg wurden und an denen auch der frühere Sportdirektor Ho Kim massgeblich beteiligt war. Insbesondere der Versuch, den ehemals einzigen Weltverband im Amateurboxen – wofür auch das „A“ bei „AIBA“ steht – im Profibereich zu etablieren, wurde zur Pleite. Das mit dem Namen APB (AIBA Pro Boxing) lancierte Projekt verschlang Millionen, ohne einen Rückfluss der Mittel auszulösen. Am Samstag wurde dieses Kapitel mit  der Streichung des APB aus den Statuten in Moskau nun abgeschlossen. Es bleibt abzuwarten, was mit dem restlichen Profi-Engagement der AIBA geschieht, denn bei Olympia in Rio 2016 durften ja erstmals auch Profis mitmachen.

Interessante Randnotizen

Am Rande des Kongresses in Moskau gab es wiederum zahlreiche interessante Gespräche mit vielen Informationen. So gib’s in Vietnam wie in der Schweiz einen einzigen, gemischten Boxverband für Amateure und Profis – gesamthaft rund 400 Aktive. Andererseits befindet sich in Syrien der Boxsport wieder im Aufbau, nachdem wegen des Krieges in den letzten acht Jahren viele Boxer und Funktionäre ums Leben gekommen waren und der Boxsport zum Erliegen kam. Und in Schweden gibt es exakt wie in der Schweiz rund 110 Vereine und rund 600 Aktive. Allerdings ist der Profiboxsport in Schweden separat organisiert.




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