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Dann kam Floyd

Wort zum Sport

12.01.2010 - Christoph Fisch Eine alte Boxer-Weisheit hiess: They never come back. Gemeint waren die Champions, die wegen einer Niederlage Titel und Mut verloren. Dann kam Floyd Patterson, der 1960 einen Schweden (natürlich namens Johansson, aber das tut hier eigentlich nichts zur Sache) im Revanche-Kampf auf die Bretter nagelte und ein Comeback als Schwergewichtsweltmeister feierte. Muhammad Ali tat es ihm gleich, als er 1974 im damaligen Zaire (heute Kongo) die Dampfwalze George Foreman zerlegte; sieben Jahre zuvor war dem Vietnam-Kriegsdienst-Verweigerer Ali im besten Boxer-Alter (25) der Titel aberkannt worden.

Alis Comeback als Weltmeister gehört zweifellos zu den sportlich mitreissendsten und menschlich bewegendsten Sportereignissen des letzten Jahrhunderts; sogar ein Nebenprodukt des legendären «Rumble in the Jungle»-Fights, der Dokumentarfilm «When We Were Kings», heimste noch einen Oscar ein. Ali, der im Ring nebst Gegnern auch seine Gesundheit prügelte, was hier nicht verschwiegen sei, wurde nicht nur zum Sportler des Jahrhunderts gewählt, sondern von George W. Bush auch mit dem höchsten zivilen Orden der USA geehrt. Der Kriegspräsident zeichnet den Kriegsverweigerer aus.

«They never come back» ist im Boxen also längst zur überholten Weisheit verkommen. Im Sport allgemein gilt heutzutage sogar: They always come back. In den vergangenen zwölf Monaten haben uns mit Comebacks bzw. deren Ankündigung beglückt: der Rodeo-Radler Armstrong, die Tennis-Diven Clijsters und Henin, die Eis-Nurejews Pluschenko und Lambiel, das Schanzen-Bleichgesicht Ahonen, der Schumi-Schumacher. Und natürlich viele kleinere Fische aus dem grossen Sportteich, die in der Flut an Comebacks schlicht vergessen gehen oder ganz untergehen.

Und dann gibt es noch diejenigen, die gar nie verschwinden. Die Beckers und Matthäus zum Beispiel, bei denen man aber nie richtig weiss, woran man ist bzw. wo sie stehen – in Scheidung oder schon wieder vor dem Traualtar? Oder die Mike Tysons und Ben Johnsons. Beide galten in den USA bzw. Kanada auch schon als Schande der Nation. Heute räkelt sich die einstige Ring-Bestie Tyson wie eine Schmusekatze auf Talk-Show-Sofas. Und die Doping-Sprint-Bombe von den Spielen in Seoul sagt in Werbespots mehrdeutig: «I cheetay* all the time!» - Neue Zürcher Zeitung




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