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Profiboxen in Basel

Bericht von Jack Schmidli

14.02.2010 - „Profiboxen pur“, war das Motto des gestrigen Kampfabends in der Klingentalturnhalle in Basel. Ein Frauen- und drei Männer-Boxkämpfe standen auf dem Programm. Nachdem der Schwergewichtler Arnold „The Cobra“ Gjergjai krankheitsbedingt Fortfait erklären musste, rückte das Duell zwischen dem Sissacher Super-Mittelgewichtler und dem erfahrenen Italiener Alessio Furlan zum Mainevent auf. Aus Schweizersicht war die Veranstaltung ein voller Erfolg: Sämtliche Heimboxer verliessen den Ring als Sieger.



Martinez (l.) bekam es mit einem ausgesottenen Fighter zu tun und siegte durch Split-Decision

Blas Miguel Martinez vs. Alessio Furlan, Kampf im Super-Mittelgewicht

Für Blas Miguel „Colorin“ Martinez suchte das Management einen sehr erfahrenen und gefährlichen Gegner aus – und bewies damit grossen Mut. Der Italiener Alessio Furlan hatte bis anhin nicht weniger als 42 Profikämpfe bestritten, von denen er 23 gewann. Furlan kämpfte je einmal (erfolglos) um den IBF International- und den WBA Inter-Continental-Titel. Martinez war also gewarnt.

Vom ersten Gongschlag an versuchte der Gastboxer das Kommando an sich zu reissen. Martinez zog sich aber geschickt aus der Affaire. Er wirkte sehr konzentriert und die meisten Schläge des Italieners prallten an der guten Deckung des Sissachers ab. Runde für Runde lieferten sich die beiden Kontrahenten einen heftigen Schlagabtausch und man durfte über deren gute Kondition nur staunen. Bis zur 4. Runde lag Martinez beim Kampfgericht knapp vorne. Der 5. Durchgang ging an Furlan und löste beim Publikum grosse Begeisterung aus. Beide Boxer standen Fuss an Fuss und kämpften bis zum Umfallen.  Die letzte Runde setzte diesem Kampf den Stempel auf. Martinez und Furlan setzten alles auf eine Karte und mobilisierten nochmals die letzten Kräfte. Mit Recht stellte Ringsprecher Angelo „Speedy Chicken“ Gallina nach dem letzten Gongschlag fest: „Nur schon dieser Kampf war das Eintrittsgeld wert“.

Die Boxer und das Publikum waren gespannt auf das Urteil: Domenico Gottardi sah Furlan mit einem Punkt in Front (57 : 58), Armin Bracher punktete 58 : 57 knapp für Martinez und Roger Haug punktete (wohl etwas zu grosszügig) 59 : 55 ebenfalls für Martinez. Mit seinem 11. Sieg als Profiboxer bleibt Blas Miguel Martinez weiterhin ungeschlagen. Er wird aller Voraussicht nach im Mai um den spanischen Meistertitel kämpfen
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Istvan Szili (l.) wusste gegen Mariusz Biskupski technisch zu überzeugen

Istvan Szili vs. Mariusz Biskupski, Kampf im Mittelgewicht

Der aus Ungarn stammende Istvan Szili ist hierzulande noch wenigen Aficionados bekannt. Dies dürfte sich aber bald ändern, denn Szili verfügt über boxerische Klasse. Zudem wird er von den „Boxing Kings“ promotet. Diese Unterstützung wird ihm fraglos zu Gute kommen. Der Chef der Kings, Daniel Hartmann, war gestern Abend persönlich vor Ort, um sich den Kampf von Istvan anzuschauen.

Szili, der demnächst mit einer Schweizerlizenz boxen wird, bestritt als Amateurboxer rund 200 Kämpfe, von denen er 165 für sich entscheiden konnte. Mit dem Polen Maiusz Biskupski wählte das Management von Szili einen sehr erfahrenen Gegner aus, der immerhin 14 seiner bisher 21 Kämpfe für sich entscheiden konnte. Szili kämpfte gestern Abend zum 2. Mal für die Boxing Kings und bestritt erst seinen dritten Kampf als Berufsboxer.

Man könnte den Kampf mit „Die Blutschlacht von Basel“ betiteln, denn bereits in der 2. Runde musste Szili wegen einem unbeabsichtigten Kopfstoss des Gegners ein Cut über dem rechten Auge hinnehmen. Bruno Arati, Szili’s Trainer,  gelang es in den Rundenpausen nicht, die Blutung zu stillen, sodass auch Ringrichter Beat Hausammann reichlich mit Blut bespritzt wurde. Hausammann nach dem Kampf zu swissboxing.ch: „Ich zögerte, ob ich den Kampf abbrechen sollte, verzichtete aber darauf, weil Szili nach Punkten klar in Führung lag“.

Die Zuschauer bekamen einen spannenden Kampf zu sehen, der technisch auf gutem Niveau stand. Szili wirkte sehr entschlossen, kontrollierte den Kampf meistens von der Ringmitte aus und deckte seinen Gegner mit sehenswerten Kombinationen ein. In der 4. Runde musste Biskupski von Beat Hausammann wegen Ausspuckens des Mundschutzes verwarnt werden. Im 5. Durchgang wurde der Pole erneut verwarnt und einmal angezählt. Trotzdem gab Biskupski alles, was in ihm steckte und forderte vom Neo-Profi Szili einiges ab. Insgesamt durfte Hartmann mit der Leistung seines Schützlings zufrieden sein. Die Punktrichter werteten den Kampf dann auch einstimmig für Szili (60:52; 60:52;60:53).



Ardian Krasniqi (l.) siegte gegen Abdelouahed Ben Lelly nach Punkten und bleibt ungeschlagen

Ardian Krasniqi vs. Abdelouahed Ben Lelly, Kampf im Mittelgewicht

Nach drei vorzeitigen Siegen in drei Profikämpfen stand Ardian Krasniqi dem mit 16 Kämpfen (6 Siege, 10 Niederlagen) erfahrenen Abdelouahed Ben Lelly im Seilgeviert gegenüber. Um es vorweg zu nehmen: Die Zuschauer bekamen keinen attraktiven Kampf zu sehen. Zu wenig passten die beiden Kontrahenten zueinander. Immer wieder verkeilten sich die Boxer ineinander und klammerten gegenseitig. Ringrichter Pierre-Alain Schneeberger hatte sichtbar Mühe, die beiden Streithähne zu kontrollieren. Auch liess sich Krasniqi zum Unmut seines Trainers Engin Kosöglu von seinem Gegner provozieren. Allerdings darf beiden Boxern zu Gute gehalten werden, dass sie alles taten für den Sieg. Und Krasniqi stand letztmals im Juni 2009 im Ring. Wer kann es ihm da verargen, dass er etwas Ringrost angesetzt hat.

SwissBoxing-Präsident Andreas Anderegg beurteilte den Kampf ebenfalls kritisch: „Krasniqi boxte konzeptlos. Er hätte das Zepter in die Hand nehmen müssen. Allerdings hatte er es mit einem Gegner zu tun, der routiniert genug war, ihn schlecht aussehen zu lassen“.

Das Kampfgericht wertete einstimmig für Ardian Krasniqi: 59:54; 60:54 und 59:54



Aniya Seki strahlt nach ihrem Sieg gegen die Italienerin Perla Bragagnolo

Aniya Seki vs. Perla Bragagnolo, Kampf im SuperSuper-Bantam-Gewicht

Frauenboxen mag man mögen oder nicht. Der gestrige Kampf zwischen Aniya Seki und der Italienerin Perla Bragagnolo war jedenfalls keine Offenbarung. Beide Boxerinnen legten zwar viel Energie in ihre Aktionen; sie duellierten sich aber auf höchst bescheidenem Niveau. Immerhin konnte Aniya ihre Kampfbillanz etwas aufpolieren. Ihr Rekord steht jetzt bei 3 Siegen, 1 Unentschieden und einer Niederlage. Das Kampfgericht wertete den Fight mit 58:56, 57:57 und 58:56.

Fazit: Die rund 150 Zuschauer kamen in den Genuss von zwei hoch spannenden und attraktiven Kämpfen. Während sich Blas Miguel Martinez nun voller Selbstvertrauen auf den Titelkampf in Spanien vorbereiten kann, wird Istvan Szili den Schweizer Box-Fans mit Sicherheit noch viel Freude bereiten. Auch der talentierte Ardian Krasniqi wird seinen Weg machen – vorausgesetzt, er kommt zu zahlreicheren Kampfeinsätzen. Aniya Seki schliesslich wird wohl nie in einem Zuge mit Regina Halmich, Ina Metzer oder Suzi Kentikian genannt werden. Aber Hauptsache ist, dass ihr das Boxen Spass macht.




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