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Profi-Schweizermeisterschaft in Riazzino TI


Zeigten dem Publikum einen Klasse-Kampf: Flavio Turelli (l.) und Disarjot Gashi
 

Bericht von Ueli E. Adam

14.02.2010 - Der im Halbmittelgewicht (Super Welter) angesetzte Titelkampf zwischen dem Tessiner Disarjot Gashi und dem Waadtländer Flavio Turelli (8 (1 KO)-3-2) endete nach einem spannenden Fight über 10 Runden mit einem Unentschieden.

Der 25-jährige Puncher Disarjot Gashi (sieben Profikämpfe, sieben KO-Siege), vom Erfolgstrainer Giovanni Laus sorgfältig aufgebaut, startete für viele Experten als Favorit. Flavio Turelli, der 34-jährige Waadtländer, der nach Pechsträhnen und langen Verletzungspausen unter Silvio Chanton und Giorgio Costantino vom CP Carouge ein Comeback schaffte, hatte zwar seine letzten Kämpfe überzeugend gewonnen; gegen den schlagstarken und jüngeren Tessiner, der neben dem Punch auch Ringintelligenz und solide Technik mitbringt, schien er jedoch nur Aussenseiterchancen zu haben.

Diese vorschnelle Einschätzung hat Turelli überzeugend korrigiert. In einem begeisternden Gefecht stoppte er die Siegesserie des Tessiners mit erstklassigem Boxen. Mit ein bisschen mehr Punch hätte er seine Karriere sogar mit dem Schweizermeistertitel krönen können. Besonders bemerkenswert: von sechs angefragten Schweizerprofis war nur Turelli bereit, sich dem schlagstarken Star aus dem Tessin in einem Titelkampf zu stellen. Diese Aufgabe hat er mit Bravour gemeistert und man darf auf einen Rückkampf in Genf gespannt sein. Ganz unbestritten ist aber auch, dass im noch ungeschliffenen Diamanten Gashi viel Potenzial steckt – ein Gewinn für den schweizerischen Profiboxsport!

Zum Kampfverlauf: in der ersten Runde machte Gashi schnell klar, dass sein Ziel nur der Titelgewinn mit einem vorzeitigen Kampfende sein konnte. Nach kurzem Einschätzen des Gegners setzte er Turelli mit präzis geschlagenen schnellen Händen unter Druck und es schien nur eine Frage der Zeit, bis der vernichtende Hammermann Turelli eine Reise ins Land der Träume, anstatt den erträumten Titelgewinn bescheren würde. Turelli behielt aber Nerven, replizierte mit schnellen Händen und brillierte mit lehrbuchmässigem Esquive-Boxen, wie man einen mächtigen Angreifer verunsichern kann. Ein unbeabsichtigter Kopfstoss in der dritten Runde handicapierte Gashi mit einem Cut über dem rechten Auge und ab Mitte des Kampfes hatte Turelli den Kampf seinerseits im Griff. Wohl waren die Schläge Gashi’s mehrheitlich präziser, ohne allerdings den Waadtländer entscheidend aus dem Konzept zu bringen. Turelli verstand es, ebenfalls schnelle Hände ins Ziel zu bringen und nur der fehlende Punch des Schützlings von Silvio Chanton konnte Gashi nicht ernsthaft gefährden. Der Kampf wogte auf hohem Niveau hin und her und nach 10 begeisternden Runden herrschte in der gut besetzten Halle erwartungsvolle Stille. Das Urteil des Kampfgerichtes überraschte deshalb nicht: beide Kämpfer durften sich mit dem Verdikt trotz Unentschieden als Sieger sehen. Sie hatten einen grossen Kampf abgeliefert und dem schweizerischen Profisport alle Ehre gemacht.

 

Im Rahmenkampf der Amateure konnte sich der Box-Club Winterthur bemerkenswert in Szene setzen. Ergon Berisha, Musa Gadjiev und Saitran Kaewusuksaj (ein Junior, den es im Auge zu behalten gilt) konnten ihre Kämpfe gegen starke Gegner gewinnen. Nicht vergessen werden darf auch der Kampf von Bruno Tavares (Villars s/Glane). Obschon der erst 18-jährige Mann aus der Westschweiz gegen einen starken Alessandro Marchetta aus Italien mit 2:1 Richterstimmen den Kürzeren ziehen musste, hat er mit gutem Boxen bewiesen, dass in Zukunft mit ihm gerechnet werden darf.

 

Peter Stucki, Präsident der Berufboxkommission, war mit dem Titelkampf sehr zufrieden, obschon er keinen der Kämpfer mit dem Gurt des Schweizermeisters auszeichnen konnte. Als Experte mit sehr grosser internationaler Erfahrung hatte er zwar Gashi mit einem Punkt vorne gesehen (96:95), was seinen Respekt für die Leistung von Turelli aber keineswegs schmälerte. Das Unentschieden ist auch aus seiner Sicht durchaus vertretbar.

 


 




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