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Super Six Classic

 

Morgen beginnt in Berlin das Super-Six-Turnier – mit den Besten der Besten. Im ersten Kampf stehen sich Arthur Abraham und Jermain Taylor gegenüber.

 

16.10.2009 - Das Schwergewicht ist die Königsklasse des Boxens. Die Champions Wladimir und Vitali Klitschko, die vier der fünf wichtigen WM-Gürtel besitzen, verbreiten in Mitteleuropa so viel Glanz, dass der Rest der Szene gegen das Schattendasein ankämpft. Selbst Klitschko-Duelle gegen hoffnungslos unterlegene Gegner sind ein grösseres Spektakel als der sportlich wertvollere Vereinigungskampf zwischen zwei der vielen unbekannten Weltmeister in anderen Gewichtsklassen. Nun formiert sich jedoch der Widerstand – angeführt von Arthur Abraham.

 

Er und sein Manager Wilfried Sauerland haben eine Möglichkeit gefunden, ihren Ruhm und Kontostand zu erhöhen. Der 29-jährige Weltmeister im Mittelgewicht gab seinen Gürtel ab, wechselte ins Supermittelgewicht (Limit 76,203 kg statt 72,574 kg) und ist nun einer von sechs Kämpfern, die bis zum Frühjahr 2011 in einer Art Champions League den Superstar ihrer Klasse ausboxen. «Arthurs Möglichkeiten im Mittelgewicht waren ausgereizt. Wir wollten ihm etwas ganz Besonderes bieten», sagt Kalle Sauerland, Sohn des Boxstall-Gründers Wilfried Sauerland.

 

In dem amerikanischen Pay-Per-View-Sender Showtime, einst der Vertragssender des schillernden Schwergewichtschampions Mike Tyson, fand Sauerland einen finanzstarken TV-Partner. Und so stehen für die Teilnehmer an dem spektakulären Event mit dem sperrigen Namen Super Six World Boxing Classic ganze 50 Millionen Franken an Preisgeldern auf dem Spiel. Allein für die Vorrundenkämpfe erhalten die Boxer zwischen 500 000 und 1,25 Millionen Franken – pro Duell. Im Halbfinal und im Final liegen die Börsen deutlich darüber. «Dieses Turnier stellt eine neue Dimension dar», kündigt Showtime-Generalmanager Ken Hirshman an, «wir haben die Besten der Gewichtsklasse vertraglich gebunden, da kann jetzt keiner mehr kneifen».

 

Nun ja, so ganz stimmt das nicht. Weltmeister Lucian Bute (IBF/Rumänien) fehlt. Dennoch gehören die, die antreten dürfen, zum Besten, was die Gewichtsklasse zu bieten hat:

 

• Arthur «King Arthur» Abraham (D/29), Ex-Weltmeister im Mittelgewicht, 24 K.-o.-Siege in 30 Kämpfen.

 

Jermain «Bad Intentions» Taylor (31/USA), viermaliger Weltmeister im Mittelgewicht, 17 K.-o.-Siege in 28 Kämpfen.

 

Mikkel «Viking Warrior» Kessler (30/Dänemark), aktueller WBA-Weltmeister im Supermittelgewicht, 31 K.-o.-Siege in 41 Kämpfen.

 

Andre «Son of God» Ward (25/USA), Olympiasieger 2004 im Halbschwergewicht, 12 K.-o-Siege in 19 Kämpfen.

 

Carl «The Cobra» Froch (32/Grossbritannien), aktueller WBC-Weltmeister im Supermittelgewicht, 20 K.-o.-Siege in 25 Kämpfen.

 

Andre «The Matrix» Dirrell (27/USA), 13 K.-o.-Siege in 18 Kämpfen. Eines ist gewiss: Spannung ist garantiert.

 

Final im Frühling 2011

 

Zunächst treten die drei Europäer innerhalb eines Jahres gegen die drei US-Amerikaner an. Für einen K.-o.-Sieg gibt es drei Punkte, für einen Erfolg nach zwölf Runden zwei Zähler und für ein Remis einen Punkt. Die vier Besten erreichen den Halbfinal. Der Final soll im Frühling 2011 stattfinden. Der Sieger des Super-Six-Turniers ist Weltmeister der Verbände WBC und WBA. So weit die Theorie. Kenner der zwielichtigen Boxszene bezweifeln jedoch, dass es eines Tages zum finalen Höhepunkt kommt. «Es gibt so viele Unwägbarkeiten. Für mich wäre es ein Wunder, wenn der Plan aufgeht», poltert US-Starpromoter Don King und fragt provokativ: «Was passiert eigentlich, wenn ein Boxer nicht mehr mitmachen kann?»

 

Angeblich seien Showtime und Sauerland auf alles vorbereitet, heisst es. Und zurzeit sind solche Dinge ohnehin nebensächlich. Mit den Duellen Abraham gegen Taylor (in Berlin) und Froch gegen Dirrell (in Nottingham) geht es morgen los. «Dieses Turnier ist das Beste, was mir passieren konnte», sagt Abraham, «ich will eines Tages in Amerika die ganz grossen Kämpfe machen, so wie Mayweather und De la Hoya.» Die steigen bei einer Börse unter 10 Millionen nicht in den Ring. Ob Arthur Abraham eines Tages deren Stellenwert erreicht, ist fraglich. Fürs Erste wäre es schon ein Erfolg, wenn er aus dem Schatten der Klitschkos treten könnte – das ist aber nur möglich, wenn er das Super Six gewinnt. © Neue Luzerner Zeitung - Stefan Klinger

 




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