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SBT: Starke Amateure in Genf

Starke Amateure in Genf – Profi Walid Abderrahmen siegt gegen Foued El Badji (F)

27.03.2010 - Es war mit Sicherheit kein Zufall, dass der erste Auftritt des Swiss Boxing Teams in diesem Jahr in Genf über die Bühne ging. Stephan Bernhard und Erdal Kiran, die für das Kader und den Nachwuchs verantwortlich zeichnen, arbeiten mit viel Engagement eng zusammen und sind trotz häufiger Abwanderung der Spitzenboxer ins Profilager davon überzeugt, eine konkurrenzfähige Amateurstaffel aufbauen zu können.

Im Palladium in Genf erfolgte eine erste Standortbestimmung. Erdal Kiran, gleichzeitig Promoter der Veranstaltung im Palladium, wusste den Auftritt der Amateure mit einem gelungenen Profimatch abzurunden, der das begeisterte Genfer Publikum einmal mehr nicht enttäuschte. In seinem 9. Kampf im Superfedergewicht schlug Walid Abderrahmen (Team Kiran, 7-1-0) den 21-jährigen Franzosen Foued El Badji (4-5-2) in einem zwar eher harzigen Gefecht nach Punkten. Schwerpunkt des Abends waren aber diesmal die Amateurkämpfe. Die aufgebotenen Schweizer wurden vor eine echte Aufgabe gestellt. Eine starke deutsch-französische Auswahl war ein Gradmesser, der dem Swiss Boxing Team alles abverlangte.


Gurkan Akgun posiert mit Stephan Bernhard und Erdal Kiran für die Kamera


Junioren Halbmittel, 69 kg: Gurkan Akgun (Swiss Boxing Team) vs. Ismail Bytiqi (Deutschland)

Akgun (22 Kämpfe-15 Siege-7 Niederlagen) trat gegen einen Mann an, der ein ähnliches Palmarès vorweisen konnte. Bytiqi, mit einem Kampfrekord von 23 Kämpfen, 13 Siegen, 5 Niederlagen und 5 Unentschieden angetreten, blieb dem Schweizer von der ersten Runde weg nichts schuldig. Beide arbeiteten mit sehr guter Beinarbeit und schnellen Händen, fest entschlossen, den Sieg an sich zu reissen. In der zweiten Runde mussten beide Kämpfer angezählt werden, was die Intensität der Auseinandersetzung widerspiegelt. Der Schweizer musste in der 3. Runde wegen zu stürmischen Aktionen verwarnt werden, was zwar nicht für ein unkontrolliertes Gefecht sprach, aber ihn wahrscheinlich den Sieg kostete. Der talentierte Junior aus Fribourg musste sich schliesslich mit einem Unentschieden zufrieden geben.

 


Überzeugte mit einer sehenswerten Leistung gegen Kondratev:
Gabriel Viltre Diaz (l.)
 

Feder, 57 kg: Gabriel Viltre Diaz (Swiss Boxing Team) vs. Alexander Kondratev (Deutschland)

Viltre Diaz (24 Kämpfe 16-6-2) blieb dem erfahrenen Kondratev (40 Kämpfe 30-8-8) nichts schuldig und überzeugte mit einer sehenswerten Leistung. Beeindruckend, wie beide Kämpfer in der ersten Runde zuerst den Gegner einzuschätzen versuchten, bevor es in der zweiten Runde so richtig zur Sache ging. Beide Kämpfer schlugen schnell, präzis und hart. Ab der dritten Runde bekam der Schweizer klar die Überhand und der erfahrene Kondratev musste sich zur Bestürzung seiner Ecke anzählen lassen. Damit war sie Sache gelaufen und Viltre Diaz holte sich mit einer eindrücklichen Leistung den Sieg.


Hatte immer eine Hand mehr im Ziel: Enes Zecirevic (r.)


Zecirevic (31 Kämpfe 17-14-0) traf auf einen Mann mit einem ebenfalls guten Kampfrekord. Baser (25 Kämpfe 17-7-1), mit einem auf den ersten Blick besseren Palmarès, liess sofort aufblitzen, dass mit ihm zu rechnen war. In einem guten Kampf hatte der Schweizer immer eine Hand mehr im Spiel und wurde von Stephan Bernhard aus der Ringecke her perfekt sekundiert. Eindrücklich, wie der Rheintaler die knapp in den Ring geworfenen Instruktionen in der Folge umzusetzen vermochte. Nachdem der Deutsche in der dritten Runde kurz angezählt werden musste, war das Verdikt klar: Sieger nach Punkten Enes Zecirevic.


Der siegreiche Octay Tacalack mit  Erdal Kiran, Alain Chervet und Stephan Bernhard
 

Leicht, 60 kg: Alain Chervet (Swiss Boxing Team) vs. Tacalack Octay (Frankreich)

Mit der schwierigsten Aufgabe des Abends musste das Supertalent aus Bern fertigwerden. Der noch nicht 20-jährige Chervet (18 Kämpfe 12-6-0) trat gegen einen Klassemann aus Frankreich an, der von Beginn weg aufzeigte, wie hoch die Trauben hängen, wenn man einen echten Könner vor die Fäuste kriegt. Octay (30 Kämpfe 15-15-0) brachte nicht nur boxerisches Können und Erfahrung in den Ring, sondern ging von Beginn weg ein fulminantes Tempo, das für einen durchschnittlichen Kämpfer mit Sicherheit ein vorzeitiges Ende bedeutet hätte. Nicht so für Chervet: beobachtet von Vater Walter und dem legendären Onkel Fritz Chervet zeigte er eine Kampfkraft, die beweist, dass man zu Recht grosse Hoffnungen in ihn setzt. Zwar zeigte sich schon ab der zweiten Runde, dass es für den Youngster aus Bern schwierig sein würde, den Kampf für sich zu entscheiden, da der Franzose mit präzisem, variablem und schnellem Boxen recht bald klar machte, wie der Sieger heissen würde. Chervet verlor den Kampf nach dem Verdikt der Punktrichter mit 2:1 Richterstimmen, darf sich aber trotz Niederlage im Kampfblatt als Sieger sehen: wie er mit diesem Mann – und mit sich selbst – fertiggeworden ist, das war echt beeindruckend.


Die Rahmenkämpfe der Amateure:

Stéphano Ciriolo (Ring Star Vernier) und Kai Pham (Esquive BC Genève) zeigten gutes Boxen, während Julien Calvette (Esquive BC Genève) noch lernen muss, was der Unterschied zwischen Boxen und einer Wirtshausschlägerei ist. Kai Pham, der Hüne aus Genf, hielt den Winterthurer Benjamin Popaj sicher in Schach und siegte klar. Mit seinem unorthodoxen Kampfstil ist er schwierig einzuschätzen und kein einfacher Gegner. Schnelle Hände, grosse Schlagkraft und ein gutes Auge zeichnen die junge Genfer Hoffnung aus; ob er allerdings mit seiner lässigen Deckungsarbeit auf internationaler Ebene nicht das fatale Lichterlöschen erleben könnte, bleibt abzuwarten. Popaj hat trotz seiner Niederlage mit Uebersicht gekämpft und war vielleicht ein bisschen zu zögerlich, um das Jungtalent aus Genf ernsthaft gefährden zu können.


Fouad El Badji (r.) liess es nicht zu, dass Walid Abderrahmen brillieren konnte


Profikampf Walid Abderrahmen (Genf) vs. Fouad El Badji (Frankreich)

Der Genfer Lokalmatador bekam einen erst 21-jährigen Franzosen vor die Fäuste, der ihm das Siegen nicht einfach machte. Trotz der Schlagkraft des Genfers wurde es nichts aus dem wohl geplanten vorzeitigen Sieg. Fouad El Badji ist sicher noch kein kompletter Boxer, aber er brachte das fertig, was sieggewohnte Profis ungern zulassen: er liess es nicht zu, dass Walid Abderrahmen brillieren konnte. Ohne ihn gleich einen „Stinker“ zu nennen, deckte er beim Genfer Defizite auf, die ein vorzeitiges Kampfende nicht zuliessen. Zu wenig präzis, zu wenig schnell und nicht mit der nötigen Uebersicht kämpfend, hinterliess Abderrahmen trotz einem begeisterten Heimpublikum nicht den Eindruck eines überlegenen Siegers. Nachdem er den jungen Franzosen mit einem unbeabsichtigten Tiefschlag auf die Bretter geschickt hatte, musste er zudem einen Abzug auf den Zetteln der Punktrichter hinnehmen. Der Punktsieg mit 3:0 Richterstimmen brachte ihm zwar den Sieg, der aber trotz boxerischem Unterhaltungswert am Ende relativ blass blieb.

 

Stimmen zum Kampf

Stephan Bernhard, Nationaltrainer SwissBoxing, sagte es kurz und knapp: „ Vier gute Schweizer und vier starke Gegner!“

 

Für den Kenner der Szene:

Fritz Chervet, der diskreteste unter den grossen Champions, liess sich – hochelegant, aber wie immer bescheiden – nur kurz in den Ring bitten, um das Publikum mit seiner Anwesenheit zu begeistern. Seine grossen Kämpfe, auch in Genf, haben nichts von ihrem Glanz eingebüsst. Das erfreut das Herz jedes Boxkenners – und ganz besonders, das sei mir gestattet, dasjenige des alten Clubkollegen aus dem legendären ABCB.

 

 

 


 





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