News

Solar Plexus

Solar Plexus



14.10.2009 - Der Präsident des Box-Club Zürich, Michael Heisch, schreibt von Zeit zu Zeit spannende Beiträge über unseren geliebten Sport. swissboxing.ch wird künftig in loser Folge einige seiner Arbeiten im Internet publizieren. Heute starten wir mit "Solar Plexus".

Jack Schmidli


Der Sport- und Filmjournalist Wolfgang Fischer führte Max Schmeling in die Zirkel der Schauspieler, Schriftsteller und Künstler ein; seit 1926 hatte der populäre Boxer einschlägige Filmerfahrungen gesammelt. Fischer drehte noch im selben Jahr einen so genannten Nachwuchsfilm (den ersten überhaupt in Deutschland), der den Titel »Ein Filmstar wird gesucht « trug. Schmeling bekam die männliche Hauptrolle, die er mühelos bewältigte. Als Partner des Berliner Lokalstars Lola Legro spielt er bereits eine Hauptrolle als Boxer und wurde dafür hoch gelobt. Der Schauspieler und Regisseur Reinhold Schünzel bat ihn 1930, einen weiteren Part zu übernehmen, an der Seite von Olga Tschechowa und Renate Müller. Zwar sollte alles stumm gedreht werden, doch hatte der Schwergewichtler plötzlich bedenken. »Was kann dir schon passieren? «, ermunterte ihn Schünzel, »du brauchst nur den Mund zu bewegen, weiter nichts .« Schmeling sagte zu.

 

Eines Morgens kam Schünzel mit der Nachricht, dass soeben beschlossen wurde, den Film »Liebe im Ring « in einen Tonfilm zu verwandeln. »Ihr müsst also jetzt echte Texte sprechen; die Drehbücher sind schon unterwegs «, sagte Schünzel und zum beliebtesten, deutschen Faustkämpfer aller Zeiten gewandt: »Du bekommst sogar einen Song! « Boxer sind sich für gewöhnlich harte Brocken gewohnt. Doch diese Nachricht traf ihn wie ein linker Haken. Ausgerechnet ihm musste das passieren – er, der in der Schule im Singen jeweils mit der Note Ungenügend abschloss. Des einen Lied, desselben Leid - so galt es, in einer kurzen Filmsequenz folgende Zeilen zu singen: »Das Herz eines Boxer kennt nur eine Liebe: Den Kampf um den Sieg ganz allein. // Das Herz eines Boxers kennt nur eine Sorge: Im Ring der Erste zu sein. « usf. Zugegeben, nicht unbedingt eine lyrische Meisterleistung. Aber Schmeling sang dieses banale Poem trotzig und überzeugt davon, mit jenen einfachen Worten die Boxermoral auf einen Nenner zu bringen. Von singen kann nicht wirklich die Rede sein. Die Darbietung glich einem holprigen Sprechgesang, mit der Schmeling bei der heutigen »Deutschland sucht den Superstar «-Jury kaum hätte punkten können. Womit sich gleich die Frage stellt, ob Schmeling eigentlich nicht als erster deutscher Rapper hätte durchgehen können – etwas so wie die Comedian Haromonists als erste deutsche Boy Group? Michael Heisch

 




Weitere News


© 2018, Swiss Boxing Federation