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Pitteloud und Bocquet siegen in Palézieux


Fotos: Claude Claude Haymoz du journal "La Gruière"


Bericht von Dr. Gérald Kurth

04.10 - Benjamin Pitteloud vom BC Martigny fuhr am Meeting von Palézieux in seinem l0. Profikampf den 9. Sieg ein. Der aufstrebende Bantamgewichtler und Schützling von Manager Domenico Savoye bewies im Kampf gegen den zähen Georgier Levan Garibašvili, dass er mittelfristig ohne Weiteres auch einen europäischen Titelkampf bestreiten kann. Im zweiten Hauptkampf des Abends erlebte das - trotz qualitativ höchst unterschiedlichen Darbietungen - bestens gelaunte Publikum in der prall gefüllten Mehrzweckhalle das Profidébut von Lokalmatadorin Solange Bocquet (BC Châtel-St-Denis): Die vielen lautstarken Fans musste allerdings am Ende um den Sieg bangen.

François Gilliand und sein Team vom BC Châtel-St-Denis haben abseits der Box-Zentren am Lac Léman ein Meeting etabliert, das sich durch tadellose Organisation und spürbare Begeisterung gleichermassen auszeichnet. Treue Sponsoren und ein faires, fachkundiges Publikum sind die Grundlage für eine fast familiäre Ambiance, bei der keine spektakulären Light-Shows seichtes Boxen kaschieren, sondern man sich wohltuend nüchtern auf das rein Sportliche fokussiert.
 
Die Rahmenkämpfe der Amateure und Junioren
 
Leichtgewicht (bis 60 kg):
Bernardino de Brito (BC Montreux) vs. Gorda Mamut (BC SR Zürich)
 
Der athletisch beeindruckende de Brito trieb Mamut dermassen vor sich her durch den Ring, dass es eigentlich eine Frage der Zeit war, bis er zum Knockout ansetzen würde. Mamut rettete sich zwar überraschend über die Distanz (3x3). Trotzdem fragt man sich, ob es im Amateurboxen zum Schutz der jungen Sportler nicht sinnvoller wäre, wenn die Ringrichter eher einschreiten würden.
 
 
Halbweltergewicht (bis 64 kg):
Robert Barbezat (BC Neuchâtel) vs. Anwar Adeel (BC Genevois)
Der Neuenburger war von Anfang an im Vorwärtsgang, arbeitete aber nur mit der Auslage. Gerade weil er seine Angriffe nie mit der Rechten abschloss, erstaunte es, dass die Betreuer von Adeel in der blauen Ecke mit dem Gong zur dritten Runde das Handtuch warfen. Er hatte keinen einzigen sichtbaren Wirkungstreffer eingesteckt, und die Aufgabe rief beim Publikum entsprechende Verwunderung hervor.
 
Joseph Abate (BC Octodure) vs. Lino Simoni (Boxing Kings Bern)
 
Die jüngsten Kämpfer des Abends zeigten gute Ansätze. Der schlaksige, aber überraschend hart schlagende Abate marschierte in den ersten zwei Runden konsequent vorwärts und konnte seine Kombinationen mehrfach ins Ziel bringen. Der zu Beginn verhaltene Simoni fing sich in der zweiten Kampfhälfte jedoch auf und nutzte seine Vorteile in den Bereichen von Motorik und Athletik. Das Unentschieden am Ende ging deshalb völlig in Ordnung.
 
Weltergewicht (bis 69 kg):
Bojan Todosijević (BC Châtel-St-Denis) vs. Fabien Bellido (BC Lugano)
Der von den zahlreichen Einheimischen unterstützte Todosijević machte von Beginn weg deutlich, dass er eine technisch feine Klinge führt. Dass er allerdings oft nicht genügend Druck hinter seine Schläge brachte, hätte sich am Ende des Kampfs beinahe noch gerächt. Der aufkommende, mitunter auch an den Grenzen des Erlaubten schlagende Bellido neutralisierte zunehmende die durchdachten Kombinationen des Gegners und punktete nun seinerseits. Fast wäre der Kampf gekippt: Todosijević wurde zweimal angezählt, brachte aber seinen Punktevorsprung am Ende über die Runden und siegte einstimmig.
 
Mittelgewicht (bis 75 kg):
Michaël Céléschi (BC Châtel-St-Denis) vs. Eljes Kamili (BC Zürich)
 
Der schwächste Kampf des Abends: Gegenüber standen sich zwei technisch doch eher limitierte Boxer, was sich u.a. darin zeigte, dass oft – hörbar! - mit der Innenhand geschlagen wurde. Der zu Beginn optisch überlegene Céléschi baute im Kampfverlauf ab, und so war der einstimmige Punktesieg für Kamili die logische Konsequenz. Das wiederholte Getümmel machte auch deutlich, dass im Amateurboxen die Distanz oft zu leicht aufgegeben wird im Bemühen, möglichst viel Punkte zu sammeln, die ja alle gleich zählen. Da die Kampfdauer kurz ist, liegt es in der Natur der Sache, dass dabei halt oft auch Strategie und Konzept leiden.
 
Frauen Leichtgewicht (bis 60 kg)
Cornélia Schmidt (BC Martigny) vs. Leïla Cucinelli (BC Neuchâtel)
 
Der Frauenamateurkampf verkörperte in Reinkultur, was die Faszination des Boxens ausmacht. Gegenüber standen sich die eingangs überlegt aus der Defensive punktende Technikerin Cucinelli und die unbändige Puncherin Schmidt. Cucinelli war in den ersten beiden Runden klar überlegen und konterte ihre Gegnerin Mal für Mal lehrbuchmässig ab. Schmidt attackierte viel zu offen, ja naiv, und kaum jemand im Saal zweifelte zu diesem Zeitpunkt an ihrer Niederlage.

Als es aber schien, dass sie sich schon verausgabt hatte, landeten plötzlich Schmidts vorher zu kurzen Hände im Ziel. In der 3. Runde wird Cucinelli von einer schweren Rechten getroffen, von der sie sich nicht mehr erholte. Nachdem sie in der letzten Runde nochmals angezählt wird, gibt sie schliesslich demoralisiert auf. Schmidt hatte dank ihrem riesigen Kämpferherz das Blatt überraschend gewendet und ihre Gegnerin am Ende schlicht niedergerungen. Das Publikum ging begeistert mit und quittierte die grossartige Darbietung der beiden Boxerinnen mit viel Applaus. Es war deshalb mehr als verdient, dass die sympathische Walliserin auch den vom Veranstalter gestifteten Preis für den besten Kampf des Abends abholen durfte. Ein grosses Bravo für diese Leistung, die ein eindrücklicher Beleg dafür war, dass es keine grosse Affiche braucht, damit der Funken zum Publikum springt.
 
 
Halbschwergewicht (bis 8l kg):
Jeton Morina (BC Nyon) vs. Ukë Smajli (BC SR Zürich)
 
In diesem Kampf standen sich zwei mit betont viel Kraft kämpfende Boxer gegenüber. Der technisch solide geschulte Smajli antizipierte die Schläge seines Gegners aber regelmässig und konterte diesen routiniert ab, während Morina oft unpräzise oder mit der Innenhand schlug. Unter diesen Umständen war es für Smajli ein Leichtes, die Distanz zu wahren und so den Kampf zu kontrollieren.
 
 
Marc Nessensohn (BC Romont) vs. Yunus Khaled (BC Genevois)
 
In dieser Begegnung wurde wenig geboxt, dafür umso mehr geklammert und gerungen. Es war wenig erbaulich mitanzusehen, wie konzeptlos und uninspiriert Nessensohn vorwärtsstürmte, Khaled wiederum mehrfach nicht regelkonform konterte. Nicht zufällig wurde er zweimal verwarnt, und jede weitere Runde wäre ihm vermutlich deshalb zum Verhängnis geworden. So war er aber nach drei Runden der logische Punktsieger.

 
Schwergewicht (bis 9l kg):
Stéphane Oberson (BC Châtel-St-Denis) vs. Benjamin Popaj (Boxunion Winterthur)
 
Der einheimische Oberson traf auf einen Gegner, der über eine furchterregende Schlagkraft verfügt. Solange der mehr schlagende Waadtländer seinen Gegner mit seinem Jab auf Distanz hielt, fiel das nicht so sehr ins Gewicht. Als er aber ab der zweiten Runde abbaute und seine Schläge zunehmend an Popajs kompakter Doppeldeckung abprallten oder ins Leere gingen. Es gibt schweizweit wohl nur wenige Boxer, die ähnlich viel Wucht in ihre Schläge legen wie Popaj. Der Winterthurer brachte nun die eine oder andere krachende Rechte ins Ziel. Wäre auch nur einer seiner nun regelmässig angebrachten, gewaltigen Uppercuts voll am Kinn Obersons gelandet, hätte dieser Kampf vorzeitig geendet. Das konnte der schon sichtlich lädierte Oberson mit mehreren guten Reflexen aber vermeiden. Dennoch hinterliess die Kampfwertung zumindest einen schalen Nachgeschmack. Oberson siegte in einer Split Decision mit 2:l Richterstimmen. Dieses Ergebnis lässt vermuten, dass Schlagfrequenz und effektive Punktetreffer offensichtlich sehr unterschiedlich beurteilt wurden...
 
Kai Phan (Esquive BC) vs. Nawshirwan Barzinje (BC Zürich)
 
Der aus dem Stall von Erdal Kiran stammende Phan ist ein Boxer mit überdurchschnittlicher Reichweite. Gerade diesen Vorteil hat er allerdings im Kampf gegen den Zürcher Barzinje vernachlässigt. Vielmehr liess er sich gegen den kleineren, aber mit knackigen Rechten operierenden Zürcher immer wieder dazu verleiten, die Deckung hängen zu lassen oder im Nahkampf punkten zu wollen. Der Genfer hat Potenzial, wird sich aber mehr strategische Disziplin aneignen müssen, um so langfristig internationalen Erfolg zu haben. Barzinje siegte mit 2:l Richterstimmen zwar knapp, aber verdient.
 
 
Die Profikämpfe:
 
(Super-)Bantamgewicht (bis 55kg)
Benjamin Pitteloud (BC Martigny) vs. Levan Garibašvili (Georgien)
 
Der aus Georgien angereiste Garibašvili begann überraschend offensiv und machte klar, dass er keinesfalls bereit war, als klassischer Vertreter für das viel zitierte „Fallobst“ zu gelten. Er bot mit seinem Walliser Gegner eine höchst intensive Abnützungsschlacht, zu deren Beginn er sogar eine Spur härter schlug und aufsässig nachsetzte. Dann aber begann der exzellente Fussarbeit verrichtende Pitteloud, seine Kombinationen konsequenter umzusetzen. Nach den zahlreichen Infights der ersten Runden brachte sich der Walliser zunehmend in die Distanz, aus der heraus er immer mehr saubere Haken zum Körper schlug. Damit zermürbte er Garibašvili zusehends. Und so konnte Pitteloud nun auch mit Schlägen zum Kopf punkten, die der zähe georgische Wühler zuvor noch parieren hatte. In der 6. Runde landete ein linker Haken mit voller Wucht im Gesicht von Garibašvili. Der Schlag zeigte Wirkung, aber der Fight blieb bis zum Schluss enorm intensiv und von technisch überdurchschnittlichem Niveau. Der taktisch klug operierende Pitteloud deutete an, dass das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist. Er ist in der Lage, eine taktische Marschroute auch gegen einen starken Gegner konsequent umzusetzen. Auf dieser Leistung lässt sich aufbauen, und die Schweizer Boxfans dürfen auf den weiteren Karriereverlauf des Romands gespannt sein.
 
Die Wertung:
1.      A. Bracher:                                       80:73
2.      D. Gottardi:                                      78:74
3.      P.-A. Schneeberger:          78:74
 
> Einstimmiger Punktsieg für Pitteloud (3:0)
 

Weltergewicht (bis 66 kg)
Solange Bocquet (BC Châtel-St-Denis) vs. Fiona Hayes (UK)
 
Lokalmatadorin Solange Bocquet konnte vor einem lautstarken Anhang ihr Profidébut feiern – eine Ambiance, wie sie sie sich besser nicht hätte wünschen können! Die Ausbildnerin an der Polizeischule von Savatan hatte sich dementsprechend viel vorgenommen, um ihren zahlreich aufmarschierten Anhang nicht zu enttäuschen. Sie marschierte sofort nach vorne und landete mit schnörkellosen Links-Rechts-Kombinationen Treffer. Sichtbares Resultat war ab der 2. Runde eine starke Schwellung über dem Auge von Hayes. Bocquet konzentrierte sich jedoch im Kampfverlauf zu sehr darauf, den finalen Schlag über dem Auge der Gegnerin zu landen und wurde deshalb immer häufiger bei ihren Angriffen von Hayes abgekontert. Die Engländerin brachte nun sehr oft ihre linken Schwinger als Konter ins Ziel. Diese kamen zwar jeweils vorangekündigt. Weil aber Bocquet nie zum Körper arbeitete und oben fast ausnahmslos ihre Kombinationen durch die Mitte schlug, konnte sich Hayes besser auf sie einstellen. Wenn es mit den Kontern nicht klappte, konnte sie auch gerne mal klammern. Im intensiven Abnützungskampf fand Bocquet immer weniger Mittel, gegen ihre Gegnerin zu punkten und verkrampfte sich etwas. Auch wenn ihr Sieg am Ende nicht dem Heimvorteil geschuldet und verdient war, so war er dennoch äusserst knapp.

Solange Bocquet wird ihr Schlagrepertoire erweitern und taktisch variabler boxen müssen, wenn sie ihre Profikarriere auch gegen starke Gegnerinnen im Ausland verfolgen will. Es wäre dem BC Châtel-St-Denis und dem gut gelaunten Publikum in Palézieux zu gönnen, wenn es seinen weiblichen Profi auch in Zukunft bei hochstehenden Fights anfeuern dürfte!
 
 Die Wertung:
4.      C. Pasquale:                                    57:57
5.      D. Gottardi:                                      58:56 (Bocquet)
6.      J. Mangott:                                       58:56 (Bocquet)
 
 

 




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