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Gábor Vető nach leichtem Sieg in Tramelan WBC-Juniorenchampion



Bericht von Dr. Gérald Kurth

18.04.2010 - Die Zuschauer staunten nicht schlecht, als Ringrichter Fabian Guggenheim in der Mitte der dritten Runde den Kampf um den vakanten Junioren-Weltmeistertitel nach Version WBC abbrach, in dem der ungarische Prospect Gábor Vető auf den Tansanier Omari Ramadan traf. Der Kampf war ursprünglich auf 10 Runden angesetzt gewesen. So kam Vető nach einem auch für ihn wohl überraschend kurzen Kampf ohne Probleme zu einem weiteren Sieg, womit er in seiner Profikarriere weiterhin über eine makellose Bilanz verfügt (16-0-0). 13 dieser 16 Siege wurden als K.O. gewertet!

Dies ist der positive Schlusspunkt einer ansonsten eher durchzogenen Veranstaltung auf dem zwar eisfreien, aber dennoch unfreundlich kalten Betonboden der Eishalle von Tramelan. Obwohl die Veranstalter um Promoter Angelo Fasolis von Fight Right Biel und TramEvents Tramelan mit grossem Einsatz ein vielgestaltiges Programm mit diversen Kampfsportarten zusammen gestellt hatten, wurden die am Ende etwa 600 Zuschauer nie richtig warm, was sicher auch auf die Distanz zwischen Ring und dem Gros der Zuschauer auf der Tribüne zurückzuführen war. Verständlich auch die Unzufriedenheit des zahlenden Publikums mit dem Ausgang des wichtigsten Amateurkampfs im Rahmenprogramm, bzw. Hauptkampf des Abends, die beide durch Aufgabe vorzeitig zu Ende gingen und somit nicht dazu angetan waren, die insgesamt durchschnittliche Qualität der Boxkämpfe zu überdecken.

 
Der Profikampf
 
Omari Ramadan (Tansania) vs. Gábor Vető (Ungarn)
 
Gábor Vető hatte sich viel vorgenommen für seine Rückkehr nach Tramelan, obwohl das Interesse der Oeffentlichkeit sich (noch) nicht mit den letzten Auftritten in seiner Heimat messen lassen kann, wo sein WBC-Ausscheidungskampf letzten Sommer von Tausenden von Zuschauern mitverfolgt und von der nationalen TV-Sportkette live übertragen worden war. Dem mittlerweile in Bern lebende und beim Burgdorfer WBC Mediterranean Champion Nuri Seferi trainierende Ungare, dem von höchsten Verbandsfunktionären eine glänzende Zukunft vorausgesagt wird, machten aber in Tramelan, neben Fans und TV-Equipe aus der Heimat, auch die Botschafterin in der Schweiz, Dr. Erzsébet Nagy, sowie der Vize-Präsident der WBC, Rex Walker ihre Aufwartung. Umso motivierter stieg der von Oliver Dütschler betreute Leichtgewichtler in den Fight um den WBC-Juniorenweltmeistertitel, der vom Mexikaner Daniel Estrada aus Altersgründen (nach Erreichen des 23. Altersjahres) niedergelegt werden musste.

Der mit einem eher durchschnittlichen Kampfrekord (11-4-1) angereiste Tansanier Omari Ramadan war Vető punkto Körpergrösse klar unterlegen. Er konzentrierte sich deshalb sofort darauf, die Schläge des aus solider Distanz boxenden Ungarn auszupendeln, um dann überraschend Schwingerserien aus dem Untergeschoss zu starten. Dies klappte sogar ein paar Mal recht gut. Obwohl die manchmal ungestümen Schläge des Tansaniers fast ausschliesslich in Vetős Deckung landeten, konnte man die erste Runde mit einigem guten Willen als unentschieden werten. Von der zweiten Runde an ging allerdings der Aktionsradius des vorher sehr agilen Tansaniers zurück, und Vető brachte nun seine ersten Kombinationen ins Ziel. Noch immer operierte er allerdings aus der sicheren Distanz. Der Tansanier duckte sich nun weniger schnell weg, sondern brachte seinen Kopf immer weiter nach vorne, weshalb ihn Ringrichter Fabian Guggenheim mehrfach ermahnte. Als er dies in der dritten Runde wieder tun musste, lief Ramadan plötzlich in die Ringecke. Der Kampf wurde sofort wieder freigegeben, und Vető stieg dem Tansanier nach, war aber selbst offenbar so verwirrt darüber, dass er seinen Schlag zum Kopf nicht durchzog, als sich der Tansanier wegdrehte. Ramadan hatte aufgegeben. RR Guggenheim durchbrach einen langen Augenblick allgemeiner Konsternation, indem er den Kampf abbrach.

Der Kampf wurde gemäss Reglement als TKO gewertet, was die phänomenale K.O.-Quote von Gábor Vető weiter verbessert. Obwohl alle Punktrichter den Neo-Berner auch schon in der ersten, doch sehr ausgeglichenen Runde vorne hatten (Jürgen Langos 20:18; Guido Cavalleri 20:18; Peter Stucki 20:18), ist die Aussagekraft dieses Sieges beschränkt. Gábor Vető hatte in diesem Kampf schlicht nicht die Zeit, seine Stärken auszuspielen: Die Sicherheit, die er ausstrahlt, die überlegte Weise, den Kampf anzugehen, aber auch seine im richtigen Moment blitzschnell zustechenden Fäuste waren aber auch so für den aufmerksamen Beobachter deutlich zu sehen. Da ist ein Boxer am Werk, der seine begnadete Technik mit athletischen Vorzügen und taktischem Kalkül paart. Gábor Vető verfügt über sämtliche nötigen Qualitäten für den ganz grossen Exploit, und er ist noch lange nicht am Ziel angekommen...
 
Die Amateurkämpfe
 
Bis 91 kg:
 
·       Blerim Rashiti (BC Rheintal) vs. Agron Džila (BC Burgdorf)
 
Das mit grosser Spannung erwartete Comeback von Agron Džila gegen Blerim Rashiti  endete mit einer Enttäuschung. Und dabei hatte es für den Burgdorfer so vielversprechend begonnen: Džila preschte sofort los und deckte seinen kosovarischen Landsmann aus dem Rheintal mit einem wahren Schlaghagel ein. Schon in der ersten Runde wurde Rashiti zweimal angezählt, und es schien eine Frage der Zeit zu sein, bis seine Ecke das Handtuch werfen würde. Dann aber lief Džila in einen üblen linken Konter. Dieser Schlag hinterliess umso mehr Wirkung, als sich der nicht austrainierte Burgdorfer zu diesem Zeitpunkt offenbar schon völlig verausgabt hatte. Zu viel Kraft hatte er verpufft mit seinen Schlägen, und so liess er seine Deckung zunehmend hängen. Rashiti nutzte das brutal aus und schlug in der zweiten Runde mehrere Serien. Nachdem er schon angezählt worden war, nahm Džila fast ohne Gegenwehr mehrere schwere Schwinger zum Kopf. Gerade noch rechtzeitig flog das Handtuch aus seiner Ecke, denn der Burgdorfer war völlig ausgepowert und hing schon verteidigungsunfähig in den Seilen.


Agron Dzila (l.) vs. Blerim Rashiti

Egzon Maliqaj (l.) vs. Varahm Khudeda
 
Bis 69 kg:
 
·       Egzon Maliqaj (Boxschule Gebensdorf) vs. Vahram Khudeda (Boxteam Thun)
 
Ein Kampf, der illustriert, wie im Amateurboxen kräfteraubendes Vorwärtsmarschieren und harte Schläge sich nach drei Runden auszahlen müssen, weil die Kraft schon ab der vierten Runde erlahmen würde. Genauso präsentierte sich der aus der blauen Ecke boxende Maliqaj. Aufsässig marschierte er vorwärts, immer darauf aus, mit einem Schlag maximale Wirkung zu erzielen. Damit bereitete er dem aus der kontrollierten Defensive schlagenden Khudeda zu Beginn grosse Probleme. Der Thuner, Schützling von Christina Nigg und Haki Ajdarević, stellte sich aber in der zweiten Runde besser auf seinen Gegner ein und landete nun seinerseits mehrere gepflegte linke Konter, weil er Maliqajs Bewegungsabläufe studiert hatte und diese nun sichtbar antizipierte. Maliqaj wurde unpräziser, schlug schwere Schwinger voll ins Leere und blutete stärker aus der Nase. Der Kampf musste deshalb mehrmals kurz unterbrochen werden. Als es aber schien, dass der elegant aus der Distanz arbeitende Khudeda nun zur entscheidenden Kombination ansetzen könnte, raffte sich Maliqaj am Ende der dritten Runde zu einer Energieleistung auf und brachte nochmals einige Hände ins Ziel. Die Wertung (2:1 für Maliqaj) brachte zum Ausdruck, dass mehr Schläge im Amateurboxen unter dem Strich eben doch zählen, auch wenn viele davon in der Deckung enden. Der technisch begabte und elegante Khudeda wird, gerade gegen boxerisch unterlegene Gegner, daran denken müssen, früher im Kampf Punkte zu sammeln, weil drei Runden zu kurz sind, um konditionelle Vorteile und strategische Zurückhaltung in zählbare Offensivaktionen umzuwandeln. 

Bis 64 kg:
 
·       Samuel Paul (BC Rheintal) vs. Robert Barbezat (BC Neuchâtel)
 
In einem sehr athletischen Kampf zweier hart schlagender Boxer bot der Neuenburger einen starken Auftritt: Obwohl Barbezat seinem Kontrahenden punkto Körpergrösse deutlich unterlegen war, setzte er diesen permanent unter Druck, setzte konsequent nach und schlug dabei viel variantenreicher: Während Paul fast ausschliesslich oben durch die Mitte operierte, setzte Barbezat nach vielen agressiv vorgetragenen Kombinationen mehrfach gute Hände zum Körper. Insgesamt operierte er viel präziser, und der klare Sieg nach drei Runden (3:0) war absolut verdient. Auch wenn sein Gegner in der dritten Runde sichtlich angeschlagen wirkte, war es beeindruckend mitzuverfolgen, wie Barbezat seinen energieintensiven Rhythmus bis ans Ende durchzog.


Samuel Paul (l.) vs. Robert Barbezat

Christopher Desgranges (l.) vs. Cédric Hofer


Bis 63 kg:

 
·       Christopher Desgranges (Cage Academy Genève) vs. Cedric Hofer (BC La-Chaux-de-Fonds)
 
Im ersten Amateurkampf standen sich zwei Boxer mit ungleichen Voraussetzungen gegenüber : Der um einen halben Kopf grössere Desgranges nutzte seine Reichweitenvorteile aus, indem er fast ununterbrochen durch den Ring exerzierte und dabei abwechslungsweise schlug. Da sich der kleinere Hofer nicht versteckte, wurde er zwar regelmässig getroffen, war aber auch ab und zu mit seinen Kontern, vor allem über die linke Aussenbahn erfolgreich. Beide boxten wenig strategisch, immer auf den unmittelbaren Punktgewinn ausgerichtet und auch technisch doch eher limitiert. Die Wertung 2:1 für Desgranges ging in Ordnung, weil er insgesamt über drei Runden mehr Hände ins Ziel brachte.



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