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Meisterschaften der Deutschschweiz und Tessin


Mannschaftsmeister 2010: Boxing Kings

Bericht (Text und Fotos) von Ueli E. Adam

03.05.2010 - Die diesjährigen Meisterschaften der Deutschschweiz und des Tessins können mit einer treffenden Schlagzeile zusammengefasst werden:  "4 Sieger und 19 Schweizermeistertitel": Die Sieger: 1.       der Boxsport, 2.       die Titelträger, die Teilnehmer, Trainer, Boxerinnen und Boxer, 3.       der Veranstalter, Box Ring Zürichsee Horgen und 4.       Swissboxing.

Der Boxsport: mit 104 Einschreibungen wurde das Vorjahr (57) markant übertroffen. Der schweizerische Boxsport lebt! Die Titelträger: die Titelkämpfe waren von der Qualität her sehr gut, die Teilnehmer (auch die Verlierer) zeigten gutes Boxen, die Trainerarbeit beginnt sich sichtbar auszuzahlen und sämtliche Boxerinnen und Boxer haben bewiesen, dass sich das schweizerische Amateurboxen nicht zu verstecken braucht. Der Veranstalter: der Box Ring Zürichsee verdient Bestnoten. Swissboxing: ständige Aufbauarbeit, straffe Organisation, motivierte Ring- und Punktrichter und Funktionäre tragen gemeinsam zum Erfolg bei.  

 

Die Kämpfe:

Jeder Boxfreund weiss: eine auch nur annähernd übereinstimmende Optik im Boxsport ist selten. Je nach Blickwinkel und Ausgangslage sehen Punktrichter, Offizielle, Experten und Publikum einen Kampf ganz unterschiedlich. Ich werde mich deshalb in den folgenden  Kurzbeschreibungen auf jene Kämpfe konzentrieren, die mir persönlich besonders aufgefallen sind. Das soll die Leistung der übrigen Kämpfer in keiner Weise schmälern, denn alle haben dazu beigetragen, dass es – auch bei den Verlierern – vor allem Sieger gab. Am Rande gab es selbstverständlich auch Unsicherheiten und Kritik. So klafft beispielsweise eine Interpretationslücke zwischen Trainern und Offiziellen, was die Wertungen mit der Punktmaschine anbetrifft, hier herrscht zweifellos noch Informationsbedarf. Im Raum stand auch die Frage nach dem internationalen Bewertungsmodus, der angeblich keine Körpertreffer mehr wertet! Bedauerlich auch, dass ein Spitzenboxer (Steve Castella) zu spät zum Wägen erschienen ist und dass die Bekleidungsordnung teilweise sehr lässig auslegt wird: Turnschuhe sind keine halbhohen Kampfschuhe, wie im Reglement klar vorgeschrieben!

 

Daniel Scuto (NAB Frenkendorf) vs. Marcelo Santana (Box-Club Zürich)

Was mit Kampfkraft und Kondition möglich ist, bewies Scuto in einem hochstehenden Gefecht gegen den talentierten, erstklassig boxenden Santana. Technisch klar unterlegen, vermochte der Frenkendorfer in den Ausscheidungen einen Hoffnungsträger auszubooten, indem er das Blatt nach einem Punkterückstand mit enormem Willen noch wenden konnte. Sehenswert!


 Scuto vs. Santana
 
Hartmann vs. Mbida

Fabian Hartmann (NAB Frenkendorf) vs. Stéphane Mbida (Box Ring Basel)
Bemerkenswert, wie Hartmann mit Kick-Box-Champion und Konditionswunder Mbida fertig geworden ist. Zu Beginn hätte ich jedenfalls nicht auf Hartmann gewettet, dem es gelang, dem Favoriten den Weg in den Final zu verbauen. Gutes Boxen! Dass Hartmann im Final dem Berner Arsim Ibrahimi keine Chance liess, konnte deshalb nicht überraschen. Verdienter Meister: Fabian Hartmann.  

Lino Simoni (Boxing Kings Bern) vs. Zino Meuli (Sportring St. Gallen)

Ein toller Kampf, in dem der Junior aus St. Gallen mit mehr Erfahrung und noch besserem technischen Rüstzeug den Rookie aus Bern klar besiegen konnte. Die Youngsters sind aber beide ein Versprechen für die Zukunft.


 Simoni vs. Meuli

Kaewsuksai vs. Hakobian

Saitarn Kaewsuksai (Box Club Winterthur) vs. Liparit Hakobian (Box Ring Baden)
Auch diese beiden Junioren liessen nichts anbrennen. Gut ausgebildet, kampfstark und siegeshungrig wäre für beide der Sieg möglich gewesen, bevor der Winterthurer das Gefecht zu seinen Gunsten entscheiden konnte.  

Vahram Khudeda (Box Team Thun Oberland) vs. Daniel Scuto (NAB Frenkendorf), Foto 5

Was Mbida im Halbfinal nicht gelang, schaffte der boxerisch überzeugende Thuner: er liess dem Kämpfer aus Frenkendorf keine Chance und gewann ein hochstehendes Gefecht dank der feineren technischen Klinge.


 Khudeda vs. Scuto

 Rashiti vs. Smajli

Yilli Rashiti (Kickboxschule Rheintal) vs. Uke Smajli (BC Sportring Zürich)
Auch bei diesen beiden Junioren kann man nur hoffen, dass sie dem Sport erhalten bleiben. Von der Klasse her ebenbürtig, schien der Zürcher frischer und abgeklärter. Rashiti, der nur eine Woche zuvor in Genf ein hartes Gefecht gegen einen starken Franzosen bestehen musste, war vielleicht mental noch nicht ganz auf dem Posten. Meister Smajli war jedenfalls kein leichter Gegner, sondern mit Sicherheit ein Hoffnungsträger für die Zukunft.

Gabriel Viltre Diaz (Box Club Winterthur) vs. Alain Chervet (Boxing Kings Bern)

Einen der besten Kämpfe des Tages lieferten sich die Meister aus Winterthur und Bern. Beide hatten sich an den DTM schon Medaillen geholt und starteten mit besten Voraussetzungen. Viltre Diaz, einer der besten Boxer der Schweiz, bewies eindrücklich, dass er das prophezeite Potenzial umzusetzen weiss. Chervet seinerseits überzeugte einmal mehr durch erstklassige Qualitäten, sowohl was Ausbildung als auch Kampfgeist anbetrifft. Obschon Viltre Diaz den Ring als klarer Sieger verlassen konnte, dürfen sich beide als Sieger im Kader der schweizerischen Elite sehen. Auf die Laufbahn der beiden darf man gespannt sein.


 Diaz vs. Chervet

Marti vs. A. Hakobian

Michael Marti (Boxing Club Luzern) vs. Andranik Hakobian (Box Ring Baden)
Favorit Hakobian liess Michael Marti erwartungsgemäss keine Chance. Mit klaren Vorteilen dominierte er den Luzerner, der sich allerdings nicht zu verstecken brauchte. Auch ihm gelangen Aktionen, die den siegessicheren Badener zu eher unnötigen Stepp-Tanzeinlagen verleiteten. Aber: Hakobian ist ein gut ausgebildeter Boxer mit sehr viel Herzblut – seine Kämpfe sind meistens ein echter Genuss und der Titel absolut verdient.

Davide Faraci (Box Ring Baden) vs. Marzio Franscella (Box Club Ascona)

Die beiden sorgten für einen weiteren Höhepunkt der DTM. Von Faraci weiss man, dass er überdurchschnittliche Qualitäten hat und sein Trainer Engin Köseoglu mit seiner Arbeit sehr zufrieden sein darf. Franscella liess ebenfalls klar eine erstklassige Ausbildung erkennen. Nachdem er im Halbfinal den Luganesen Leone ausgebootet hatte, durfte man auf das Gefecht gegen Faraci gespannt sein. Faraci bewies jedoch absolute Uebersicht und wurde als Schweizermeister seiner Reputation gerecht.


 Faraci vs. Franscella

Popaj vs. Barazinje

Benjamin Popaj (Box Union Winterthur) vs. Nawshirwan Barazinje (Box Club Zürich)
Die beiden Schwergewichtler zeigten gutes Boxen. Popaj hatte mehr Hände im zählbaren Ziel und besiegte den sympathischen Zürcher absolut verdient. Unverständlich für den – vielleicht im Hinblick auf internationale Punktstandards – nicht ganz informierten Berichterstatter, dass Barazinje nie den völlig ungedeckten Solar Plexus des Winterthurers unter Feuer nahm, um die solide Doppeldeckung zu knacken und anschliessend wirkungsvoll am Kopf zu punkten.

Sandra Steiner (Box Club Zürich) vs. Evelyne Ziegler (NAB Frenkendorf)

Sandra Steiner bewies mit erstklassigem Boxen, dass sich die Frauen auch auf technischer Ebene vollständig etabliert haben. Sie liess der Frenkendorferin - die im Halbfinal Vorjahresmeisterin Amanda Beck eliminiert hatte - keine Chance und holte sich überzeugend den Titel.


Steiner vs. Ziegler 
 

Profikampf Ardian Krasniqi (5-0-0, 3 KO, Schweiz) vs. Csaba Batta (3-4-1, Ungarn)
Am Vorabend der Finalkämpfe konnte Ardian Krasniqi einen weiteren Erfolg in seiner noch jungen Profikarriere verbuchen. Er schlug einen Ungarn, der sich wesentlich stärker präsentierte, als sein Kampfrekord vermuten liess, durch TKO in der fünften von sechs angesetzten Runden. Krasniqi blieb damit auch in seinem 6. Kampf ungeschlagen. Batta musste nach einem unbeabsichtigten, von ihm selbst verursachten Kopfstoss aus dem Kampf genommen werden, was die klare Bilanz von Krasniqi etwas schmälert. Das Kampfgericht sah den Schweizer im Moment des Abbruchs auf den Score-Cards zwar vorne, ohne dass Krasniqi aber restlos überzeugt hätte. Am 21. Mai steigt der Badener in Lugano erneut in den Ring. Man darf gespannt sein!

An der gleichen Veranstaltung besiegte die von den Boxing Kings sorgfältig aufgebaute Bernerin Aniya Seki (4-1-1) die Bulgarin Ivelina Ivanova (1-5-0).
mit einem klaren Punktsieg. Seki, die im Ranking von BoxRec als Nr. 26 von 86 Kämpferinnen in ihrer Gewichtsklasse (Super-Bantam) geführt wird,  überzeugte auch in ihrem sechsten Profikampf und entschied alle 6 Runden (Jury: Beat Hausammann, Roger Haug, Armin Bracher einstimmig 60:54) für sich.


Andreas Anderegg, Präsident SwissBoxing
„Meisterschaften sind die Messlatte für einen Verband. Deshalb bin ich sehr erfreut, eine positive Bilanz ziehen zu können. Die markant gestiegenen Einschreibungen, aber auch die Qualität der Kämpfe stimmen mich zuversichtlich, dass im schweizerischen Amateursport ein echter Aufwärtstrend festgestellt werden kann.“

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