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Ex-Tyson-Trainer Kevin Rooney im Interview


v.l.n.r.: Gérald Kurth (SwissBoxing), Kevin Rooney, Nasi Hani und Daniel Hartmann (Foto U.E. Adam)

26.05.2010 - Der erfolgreiche Berner Promoter Daniel Hartmann hat anlässlich der Pressekonferenz zur Titel-verteidung von EE-EU-Europameister Yves Studer bewiesen, dass er nicht nur grosse Anlässe für die Boxfreunde der Schweiz organisiert. Mit enormem persönlichem Einsatz sorgt er auch dafür, dass weitere Profis aus seinem Stall durch anerkannte Top-Leute gefördert werden.

SwissBoxing Reporter Gérald Kurth befragte Kevin Rooney, den legendären Trainer von Mike Tyson, nach den Entwicklungschancen von Nasi Hani, der von Rooney betreut wird. Nasi Hani (4-0-0)wird in Bern zu einem weiteren Kampf in den Ring steigen."
 

GK: Ken, Sie haben jetzt fast vier Monate intensiv in Ihrem New Yorker Gym mit Nasi Hani gearbeitet und geben ihm nun in Bern den letzten Schliff für den Kampf vom Samstag. Hat er den Spirit und Punch, um wie einst Mike Tyson ein ganz Grosser zu werden?

KR: Nasi ist sehr entschlossen. Ich habe sofort begriffen, dass da ein verheissungsvoller Junge aus Europa herübergekommen ist. Er sagte mir, er habe als Amateur 80 mal gewonnen, 46 nach K.O. und sechsmal verloren. Und bei diesen sechs Niederlagen ist er ziemlich sicher um den Sieg betrogen worden. Ziemlich beeindruckend, oder?

Ich mache mit ihm genau dieselben Dinge, wie ich sie vor langer Zeit mit Mike gemacht habe, und er ist bei jeder Trainingseinheit mit absolutem Einsatz dabei. Wenn ich ihn beobachte, dann wird mir immer wieder klar: Dieser Junge ist ein Schwerarbeiter. Er lässt nie nach. Er ist gross, schlägt ungemein hart, kann aber auch einiges einstecken und bewegt sich schnell. Er hat meiner Meinung eine tolle Zukunft und kann wirklich Karriere machen. Ich wäre darum sehr enttäuscht, wenn er seinen Kampf am Samstag nicht gewinnen könnte.
 
GK: Hat Nasi das, was Sie als „amerikanische Mentalität“ bezeichnen würden? Es ist ja kein Geheimnis, dass Sie das europäische „Outpointing“ vor allem als Strategie verstehen, wo sich zwei Boxer gegenseitig nicht wehtun und über die Runden kommen wollen. Sie hingegen bevorzugen das amerikanische, auch vom Publikum geforderte, aggressive Anpeilen des Knockouts?
 
KR: Nasi ist ein absoluter Fighter. Aber jedermann kann diesen Spirit entwickeln. Das hat nichts damit zu tun, ob man Amerikaner, Europäer oder sonst was ist. Was Nasi betrifft, so ist dieser Junge ja schon absolut versiert im von Cus (d’Amato) entwickelten Peek-a-boo. Dieser Kampfstil, wie ihn Mike Tyson in Vollendung praktizierte, ist darauf angelegt, nicht getroffen zu werden. Das aber wäre eher - „europäisch“. Sie sehen also, dass wir mit solchen Labels nicht weit kommen.
 
GK: Kommt es auf den Ausgang des Kampfs an, ob und wie sie mit Boxing Kings weitermachen?
 
KR: Wir werden sehen. Ich habe ja keinerlei Vertrag mit Daniel Hartmann, bzw. Boxing Kings unterzeichnet. Ich habe per Handschlag eingewilligt, weil ich von Nasi Hanis Perspektiven überzeugt war. Am Samstag müssen die Fachleute beurteilen, wie sich diese Zusammenarbeit angelassen hat. Und ob Sie weitergehen kann.
 
GK: Wieder mal was gehört von Mike Tyson in letzter Zeit?
 
KR: Ich habe seit seinem Kampf gegen Michael Spinks nie mehr mit Mike gesprochen (1988, G.K.). Ich hege keinen Groll gegen ihn und bin immer noch daran interessiert, wie es ihm geht. Aber seit er von Cus und mir wegging, ist es leider mit ihm bergab gegangen. Zuerst kam die Heirat mit Robin Givens, dann kam Don King. Und beide wollten sein Geld.
 
GK: Letztes Jahr lief in unseren Kinos der Dokumentarfilm „Tyson“ von James Toback. Da gab es zwar viele Archivaufnahmen mit Cus d’Amato. Sie hingegen waren nirgends zu sehen...
 
KR: Ha! Natürlich nicht. Ich hätte ja sonst die Wahrheit erzählen müssen, und die wollte niemand hören.
 
GK: Eine letzte Frage: Haben Sie noch Alpträume wegen Alexis Argüello?
 
KR: (lacht). Selbstverständlich nicht. Und es tat mir sehr leid, als ich letztes Jahr von Alexis’ Tod erfuhr. Er war der einzige Gegner, der mich im Ring ausknocken konnte. Auf der Strasse gabs freilich auch noch welche...

Weitere Fotos (Daniel Hartmann)


Trainerlegende Bruno Arati mit Kevin Rooney



Bruno Arati bei der Pratzenarbeit mit Hani Nasi, beobachtet von Kevin Rooney




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