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Frauen entdecken ihre Schlagkraft

30.05.2010 - Ob Boxen, Kickboxen oder Taekwondo: Kampfsport-arten liegen voll im Trend. Insbesondere bei Frauen. Bei manchen Klubs gibts nun spezielle Frauentrainings.

In der Mariahilf-Turnhalle in Luzern geht es Schlag auf Schlag. Sara Gautschi, 21, haut mit voller Wucht auf einen Boxsack. Die Luzernerin ist seit gut einem halben Jahr Mitglied beim Boxing-Club Luzern. «Boxen ist für mich die perfekte Mischung aus Fitness und Selbstverteidigung.» Ein Kumpel habe sie mal zum Boxtraining mitgenommen. Nach ein paar Probetrainings war für sie klar: «Das ist genau das, was ich gesucht habe.» Beim Boxen gehe es nicht um sinnloses Drauflosschlagen. «Es geht um Kraft, Kondition und Koordination.» Gautschis Umfeld reagierte erstaunt, als sie mit Boxen anfing. «Sie sagten, ich solle auf meine Nase aufpassen.» Aber das sei kein Problem. «Ich will ja nicht Profi werden.»

Auch Binasa Redzovic, 23, aus Luzern betreibt seit gut einem Jahr Kampfsport. Sie geht ins Thai-Kickbox-Training in Horw. «Ich wurde einmal von einem Mann im Ausgang angegriffen und konnte mich nicht verteidigen», sagt Redzovic. Das war die Initialzündung, mit dem Kickboxen anzufangen. Und: «Man wird hier nicht nur körperlich gefordert, sondern auch mental.»


Spezielle Frauentrainings  
Gautschi und Redzovic sind zwei von einer stetig steigenden Anzahl Frauen, die Kampfsport für sich entdecken. Ob Boxen, Kickboxen oder Taekwondo, die Kampfsportschulen sprechen von einem spürbaren Trend. «In den letzten Jahren hat der Frauenanteil deutlich zugenommen», sagt Adel Abdel-Latif, Präsident des Boxing-Clubs Luzern. Hier trainieren rund 70 Mitglieder – darunter schon 10 Frauen. «Der Sport ist ein Spiegel der Gesellschaft», sagt Abdel-Latif. «Die Frauen lassen sich nicht mehr schubladisieren, suchen bewusst Herausforderungen und stossen in ursprüngliche Männerdomänen vor.»

Und hier seien Frauen auch sehr erfolgreich. «Sie trainieren oft zielorientierter, disziplinierter und teilweise auch spürbar härter als Männer.» Abdel-Latif setzt drum bewusst auf Frauenförderung. Ab sofort bietet der Boxing-Club Luzern jeweils montags spezielle Frauentrainings an. «Boxen ist sehr komplex geworden. Frauen suchen sich solche Sportarten aus, weil sie ein optimales und effizientes Ganzkörpertraining vorfinden.»

Hälfte der Mitglieder sind Frauen  
Auch das Thai-Kickbox-Center Luzern wird von Frauen regelrecht überrannt. «In den letzten eineinhalb Jahren hatten wir einen extrem hohen Zuwachs an Frauen», sagt Thomas Hladky, Inhaber des Centers, in dem schon Kampfsportlegende Andy Hug trainierte. «Bei uns sind mittlerweile die Hälfte der Mitglieder Frauen.» Den Grund, wieso so viele Frauen in seine Schule kommen, erklärt sich Hladky so: «Die Frauen haben erkannt, dass es beim Kampfsport nicht nur um den Wettkampf gehen muss.» Die meisten Frauen würden nicht auf Kämpfe hinarbeiten. Drum sei die Verletzungsgefahr beim Training sehr gering.

Beim Boxclub Root, einem weiteren Trainingscenter in der Region, beträgt der Frauenanteil beachtliche 35 Prozent. «Wir bieten Frauen gezielt Leichtkontaktboxen an», sagt Josef Roos, Präsident des Boxclubs. Das heisst, man berührt den Gegner nur leicht und schlägt nicht voll zu. Ausserdem herrsche beim Boxclub Root eine angenehme Atmosphäre. «Bei uns wird respektvoll miteinander umgegangen. Das schätzen Frauen», so Roos.

Nebst Boxen oder Kickboxen erfreuen sich auch andere Kampfsportarten bei Frauen immer grösserer Beliebtheit: Beim Taekwondo Twin-Center Luzern etwa sind mehr als die Hälfte der Mitglieder Frauen. «Frauen sind geistig belastbarer und können Rückschläge besser wegstecken als Männer», bestätigt Trainerin Silena Medici.


Trendsetterin Regina Halmich  
Schweizweit steigt die Zahl von Frauen, die sich für Kampfsport begeistern kontinuierlich an. «Das Frauenboxen beispielsweise hat sich enorm entwickelt», sagt Andreas Anderegg, Präsident des Schweizerischen Boxverbandes Swissboxing. Insgesamt 500 lizenzierte Boxer sind registriert – 50 davon Frauen, Tendenz weiter steigend. Mit ein Grund dafür ist laut Anderegg die deutsche Profiboxerin Regina Halmich. Sie zeige, dass man als Boxerin auch sehr feminin und sexy sein könne. Und: «Beim Boxen – und im Kampfsport generell – geht es um Emotionen. Und das ist genau das, was viele Frauen anspricht.» - © Zentralschweiz am Sonntag; 30. Mai 2010
 

 




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