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Walter Blaser: „Ich werde es sehr, sehr schwer haben“

Last Exit Walter Blaser, Profiboxer, gestorben am 4. November 1988

Als im März 1975 die «Schweizer Illustrierte» zu Besuch kommt, ist die Welt des Boxers Walter Blaser noch in Ordnung. Er lässt sich mit einer Gitarre auf dem Bett fotografieren, darunter steht, «Der ehemalige Verdingbub Walter Blaser – hier in seinem Schlafzimmer – liebt die Natur und die Pflanzen». Walter Blaser trägt Jeans und ein enges Hemd, die Haare sind zur Seite gescheitelt, der 28-Jährige lächelt sympathisch. Hinter ihm faucht auf einem Poster ein überlebensgrosser Tiger.

31.05.2010 - Die Illustrierte hat angeklopft, weil im Leben von Walter Blaser wieder einmal ein wichtiger Kampf ansteht. Er wird im Zürcher Hallenstadion um den Europameistertitel gegen den starken Spanier Jose Ramon Gomez Fouz in den Ring steigen. Er spricht dem «Schweizer Illustrierte»-Reporter folgenden Satz ins Diktiergerät: «Wenn ich den Kampf um den Europameistertitel verliere, dann werde ich es sehr, sehr schwer haben.» Eine Prophezeiung, die sich bewahrheiten wird. Walter Blaser verliert den Kampf knapp nach Punkten. Es ist der viertletzte Kampf, den er als Boxer bestreitet.

Irgendeinmal werde er es allen zeigen, hat Walter Blaser als Kind des Öftern gesagt, halb zum Trotz, halb als Selbstansporn, irgendwann ein besseres Leben zu haben. Er wächst im Haslital auf, als er neunjährig ist, stirbt sein Vater. Walter wird verdingt und muss im selben Jahr den ganzen Sommer allein als Viehhirt auf einer Alp verbringen. Er verstummt, wird menschenscheu. Er beginnt mit dem Boxtraining bei Charly Bühler, erste Kämpfe werden organisiert. Und Walter Blaser arriviert bald zu einem Publikumsliebling. Er ist nicht der Filigrantechniker wie die legendären Chervet-Brüder. Wenn Walter Blaser in den Ring stieg, dann wurde zugeschlagen und mit allem Ehrgeiz gekämpft. Er zieht nach Genf um und erkämpft sich ein beachtliches Palmarés. Vor seinem Eurpameisterschaftskampf stehen 25 Siege 5 Niederlagen und 4 Unentschieden gegenüber. In Genf mietet er sich von seinem ersten ersparten Geld eine Bar. Er nennt sie Bierstube St. Pauli. Später eröffnet er das Restaurant Chez Blaser.

Noch deutet nicht viel darauf hin, dass sein Leben bald aus den Fugen geraten wird. Doch die Negativschlagzeilen häufen sich. Offenbar leidet er unter Eifersucht, und immer öfter gerät er mit der Polizei in Konflikt. Mal geht es um Streitereien in seinen Lokalen, mal um gestohlene Autos, verurteilt wird er nie. Im Januar 1983 zieht seine damalige Lebensgefährtin Marie-Luce unter Polizeischutz aus der gemeinsamen Wohnung aus. Sie sei von Blaser geschlagen worden. Als dieser dazustösst, greift er vor dem Haus einen Polizisten an und schlägt ihm mit einem Beil mehrmals auf den Schädel. Blaser kommt in Haft, versöhnt sich aber mit Marie-Luce, heiratet sie und wird am 14. Juni aus dem Gefängnis entlassen.

Die beiden führen eine Amour fou. Blaser arbeitet wieder als Schlosser, finanziell geht es bergab und die Beziehung steckt in der Krise. Am Freitag, 4. November 1988, um 19.10 Uhr betritt Walter Blaser das Genfer Café, wo seine Frau als Serviertochter arbeitet. Es kommt zum Streit, Blaser greift zum Tranchiermesser, drückt Marie-Luce an die Wand, sticht auf sie ein. Ein Gast versucht noch, sich dazwischenzuwerfen, Blaser schüttelt ihn ab und attackiert eine andere Angestellte, die jedoch flüchten kann. Mit dem Messer begibt er sich darauf in die Toilette und schneidet sich die Kehle durch. Walter Blaser stirbt im Alter von 41 Jahren in einer Genfer Tea-Room-Toilette. - Ane Hebeisen / © Der Bund

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