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Patrick Kinigamazi auf dem Weg zu einem Titelkampf

Bericht von Ueli E. Adam

06.06.2010 -
Der Club Pugilistique de Carouge unterstrich mit einer eindrücklichen Veranstaltung, dass die Region Genf mit Meetings von internationaler Qualität aufwarten kann. Das Team um Präsident Philippe Rossel und Silvio Chanton hat in Carouge bewiesen, dass erstklassiger Sport vom Publikum honoriert wird.

Die Ausgangslage war spannend. Der in 13 Kämpfen ungeschlagene Patrick Kinigamazi bewies gegen einen starken Mexikaner, dass Ambitionen auf einen zukünftigen Titelkampf durchaus realistisch sind. Sofiane Sebihi, ein weiteres Aushängeschild des CP Carouge, musste beweisen, wie weit er nach einer langen Ringpause, bedingt durch eine völlig unerwartete KO-Niederlage im Februar 2009, den Weg zurück auf die Siegesstrasse finden würde. Abgerundet wurde die Profi-Affiche mit einem Re-Match zwischen dem ungeschlagenen Franzosen Guillaume Frenois und seinem lettischen Gegner Jevgenijs Kirillovs. Frenois hatte Kirillovs im November 2009 nach Punkten besiegt.

Patrick Kinigamazi (CH, 13-0-0), 59 kg vs. Argel Salinas (Mexiko, 13-6-1), 58,4 kg


Patrick Kinigamazi (l.) gewinnt jede Runde gegen Arger Salinas (Mexiko)

Der 24-jährige Mexikaner, der 6 seiner 14 Kämpfe durch KO gewonnen hat, reiste mit einem eindrücklichen Leistungsausweis an. Wirklich starke internationale Kämpfer werden weniger nach ihrem Palmarès, als vielmehr nach der Qualität ihrer Gegner bewertet. (z.B. knappe Punktniederlage im Januar 2010 gegen Europameister Cyril Thomas). Was das bedeutet, wurde ab der ersten Runde klar. Hier stand ein Eisenschädel im Ring, der nur eine Marschrichtung kennt: vorwärts! In der besten Tradition knallharter mexikanischer Kämpfer verlangte er Kinigamazi sofort alles ab. Dieser wusste indessen mit erstklassigem Boxen zu überzeugen. In einem unerbittlichen Fight über 10 Runden fiel die Wertung Runde für Runde höchst knapp aus. Kinigamazi konnte zwar die besseren Treffer für sich verbuchen und blieb über die volle Distanz souverän, ohne den Mexikaner allerdings wirklich je in ernste Schwierigkeiten bringen zu können. In der vierten Runde musste Kinigamazi einen Cut über dem linken Auge hinnehmen und wenig später platzte auch die rechte Augenbraue, eine Verletzung, die er durch unabsichtlichen Kopfstoss selbst verschuldet hatte.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Lokalmatador aus Carouge eine weitere wichtige Sprosse seiner Karriereleiter erklommen hat. Dank seiner Schnelligkeit, seiner Uebersicht und erstklassigen Kondition punktete er den international guten Gegner sicher aus und blieb auch in seinem 14. Kampf ungeschlagen. Zu wünschen wäre, dass sich Kinigamazi (der auch Weltmeister im Kickboxen ist) voll auf seine Karriere als Boxer konzentriert und das Timing seines Schlagrepertoires verbessert. Kinigamazi schlägt zwar variantenreich, schnell und präzis, aber zu automatisch und zu wenig auf punktgenaue Repliken fokussiert. Das soll seine Leistung keineswegs schmälern, muss aber Ziel der weiteren Aufbauarbeit sein. Die Punktrichter waren sich in ihrem Urteil einig:

Claudine Pascale 100:90
Pierre-Alain Schneeberger 100:90
Thomas Zimmermann 100:90

Sofiane Sebihi (CP Carouge, 14-2-0) 79,1 kg vs. Martins Kukulis (Lettland, 8-28-0), 78,0 kg


Sophiane Sebihi (l.) hoch konzentriert gegen Martins Kukulis. Rechts im Bild: RR R. Guggenheim 

Sebihi, der 10 seiner 14 Siege durch KO verbucht hatte und bereits als Ausnahmetalent gehandelt wurde, musste seinerseits im Februar 2009 eine schwere KO-Niederlage in der ersten Runde hinnehmen. Damit schien die steile Karriere vorerst gestoppt. Deshalb waren die Experten gespannt, ob Sebihi nach der bösen Niederlage und der langen Kampfpause ein echtes Comeback gelingen würde. Danach sah es in der ersten Runde keineswegs aus. Martins Kukulis, der 25-jährige Journeyman aus Lettland, legte los wie die Feuerwehr und deckte Sebihi mit einem derartigen Schlaghagel ein, dass man für den Mann aus Carouge – dem die Verblüffung und Unsicherheit anzusehen war – Schlimmes befürchten musste. Ab der zweiten Runde zeigte Sebihi – aus der Ringecke hervorragend sekundiert von GiorgioCostantino – dass er nichts von seiner Klasse verloren hat. Mit der richtigen Distanz zum Gegner legte er mit variantenreichen Schlägen den Grundstein zum vorzeitigen Erfolg. Auf einen rechten Leberhaken ging der Lette erstmals zu Boden. Sebihi setzte unverzüglich, ohne zu überhasten nach, deckte Kukulis mit präzisen harten Treffern ein und nach dem dritten Niederschlag kam für den Mann aus Lettland nach 2.10 das endgültige Aus. Sieger durch TKO: Sofiane Sebihi (CP Carouge). Eine Anmerkung sei gestattet: Sebihi muss seine Deckungsarbeit perfektionieren, wenn er nicht wieder unliebsame Überraschungen (oder „Unfälle“, wie sein Camp es nennt) erleben will.

Guillaume Frenois (F, 18-0-0), 60,0 kg vs. Jevgenij Kirillovs (Lettland, 4-6-1) 59,6 kg


Guillame Frenois (l.) blockt die Rechte von Jevgenij Kirillovs

Der 26-jährige Franzose mit dem makellosen Kampfrekord von 18 Siegen in 18 Kämpfen traf auf den erst 21-jährigen Letten, gegen den er bereits im November 2009 in Carouge geboxt und über 6 Runden nach Punkten gesiegt hatte. Frenois, der in Frankreich als Talent gehandelt wird, wurde seinem Palmarès aber nur bedingt gerecht. Der junge Kirillovs stellte sich dem Franzosen couragiert in den Weg und eroberte schnell die Sympathien des Publikums. Mit einem konsequenten Pressing hinderte er Frenois an der Entfaltung seiner Möglichkeiten und liess ihn über weite Strecken schlecht aussehen. Obschon der Franzose ab und zu seine Klasse aufblitzen liess, war das Verdikt  der Jury nach 6 Runden sicher gerechtfertigt, aber eher schmeichelhaft.

Claudine Pascale 59/54
Fabian Guggenheim 58;55
Thomas Zimmermann 57:56

Mit den Leistungen seiner Amateure darf der CP Carouge zufrieden sein. Im besten Vorkampf des Abends hielt Junior Louis Gaillard (CP Carouge) den Franzosen Mohamed Makhlouf (Belfort, F) sicher in Schach und siegte verdient mit 3:0 Richterstimmen. Das gleiche gelang auch David San Antonio (CP Carouge), der gegen David Egbide (BC Genevois) mit 3:0 siegreich blieb, während sich Christian Iovene (CP Carouge) mit einem Verdikt von 2:1 gegen Adem Adjari (BC Genevois) nur knapp geschlagen geben musste.


David San Antonio vs. David Egbide

Christina Iovene vs. Adem Adjari

Kommentar:

Bertrand Duboux, der Boxexperte aus der Westschweiz, hat es als Ringsprecher korrekt auf den Punkt gebracht: die Qualität der Veranstaltung konnte sich sehen lassen, obschon der ursprünglich als besondere Attraktion verpflichtete Justin Gildas Savi (24 Siege, 16 KO) wegen Visaproblemen Forfait erklären musste. Im Oktober soll der Star aus Benin aber seinen Einstand in Carouge geben. Man darf gespannt sein.

 
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