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Erneut Skandal-Urteil in Deutschland

06.06.2010 - Sebastian Sylvester hat seinen Titel als IBF-Champion im Mittelgewicht verteidigt. Im Neubrandenburger Jahn-Sportforum musste der Mecklenburger gegen den Russen Roman Karmazin aber einen harten Kampf überstehen, der von den Punktrichtern mit einem Unentschieden gewertet wurde.

Nur hauchdünn schrammte der IBF-Weltmeister im Mittelgewicht in Neubrandenburg an einer Niederlage vorbei und bleibt nur aufgrund eines Unentschiedens im Titelkampf gegen den russischen Herausforderer Roman Karmazin Champion. 117:111, 111:118 und 114:114 werteten die drei Punktrichter und sorgten damit für einen Skandal.

Das Remis (114:114), das der kanadische Punktrichter Pasquale Procopio gab, ist mit Zudrücken beider Augen gerade noch akzeptabel. Doch wie der Amerikaner Matthew Podgorski Weltmeister Sylvester mit gewaltigem Vorsprung (117:111) vorne sehen konnte, während sein Landsmann John Lawson Herausforderer Karmazin als klaren Sieger (118:111) auf dem Zettel hatte, bleibt wohl ein ewiges Geheimnis. Beobachter fragten sich entsetzt: Haben beide Amerikaner tatsächlich denselben Kampf gesehen? "Das ist unheimlich krass", befand TV-Co- Kommentator Henry Maske.

"Dachten, er wollte die Zettel klauen"

Bei der quälend langen Auszählung der Punkte mit nachträglichen Korrekturen (!) gab es Tumulte. Während die 4500 Zuschauer in Erwartung eines Sylvester-Sieges "Oh, wie ist das schön" sangen, pirschte ein erboster Betreuer aus dem russischen Team zum Kampfgericht. Er wollte die Punktezettel fotografieren, um den Betrug, den er witterte, auch dokumentieren zu können. Das wollte das Sauerland-Lager, für das Sylvester boxt, verhindern. "Wir dachten, er wollte die Zettel klauen", erklärte Sauerland-Sportkoordinator Hagen Doering. So flogen auch neben dem Ring die Fäuste und die Foto-Session des Karmazin-Betreuers wurde je beendet.

Letztlich bleibt ein fader Beigeschmack. "Ich habe natürlich gewonnen. Aber wir sind in Deutschland", zischte Karmazin verbittert. Ausländische Boxer behaupten seit Jahren, in Deutschland werde bei Titelkämpfen hemmungslos betrogen. Fakt ist: Der 37-jährige Russe war der aktivere und variablere Boxer; er schlug mehr und diktierte das Geschehen. Sylvester reklamierte für sich die klareren Treffer, hatte in Maske jedoch keinen Fürsprecher. "Man muss schon mit Köpfchen boxen", meinte der "Gentleman". "Ich hätte auch verlieren können. Er hat den Kampf bestimmt", gab der in seinen boxerischen Mitteln limitierte Sylvester zu. Zumindest seine Hochzeit am 2. Juli ist gerettet, denn die wollte der 29 Jahre alte Greifswalder unbedingt als Weltmeister feiern.

Anders zur Sache ging es im WM-Kampf um den vakanten IBF-Titel im Cruisergewicht. Den gewann der bei Sauerland unter Vertrag stehende Amerikaner Steve Cunningham gegen den Kanadier Troy Ross durch technischen K.o. in der fünften Runde. Damit hat Sauerland nunmehr zwei Cruisergewichts-Champions: Cunningham und WBO-Weltmeister Marco Huck. Der Berliner Stall will jetzt ein Super-Six-Turnier in dieser Gewichtsklasse nach Vorbild der gegenwärtig laufenden Sechser-Runde im Supermittelgewicht mit Ex-Weltmeister Arthur Abraham organisieren.

dpa / Eurosport



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