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Benjamin Pitteloud holt den Titel im Kampf gegen Bertrand Bossel


Titelkampf mit Seltenheitswert: Profi-Schweizermeisterschaft im Bantamgewicht


Bericht von Ueli E. Adam

14.06.2010 - In einem harten Gefecht holte sich der Walliser Benjamin Pitteloud in seinem 12. Kampf als Berufsboxer den Titel eines Profi-Schweizermeisters im Bantamgewicht (bis 53,5 kg). Es ist dies erst die 9. Titelvergabe im Berufsboxen seit 1949. Das Wiederaufleben dieser attraktiven Titelkämpfe ist der Tatsache zu verdanken, dass auch in der Schweiz immer mehr erfolgreiche Amateure ins Profilager wechseln.

In dem auf 10 Runden angesetzten Gefecht liess Pitteloud (11 Kämpfe, 10 Siege, 1 Unentschieden) dem von Beginn weg unterlegenen Bossel (18 Kämpfe, 9 Siege, 7 Niederlagen, 2 Unentschieden) keine Chance. Trotz dem schlechteren Palmarès waren Bossel (BC Carouge) vor dem Kampf gute Chancen eingeräumt worden, da er als einer der wenigen Schweizer echte Auslanderfahrung aufweisen kann (zuletzt am 16. 4. 2010 in Frankreich um den WBC-Mediterranean-Titel gegen Jerome Thomas, mit dem er über 12 Runden ging). Ab der ersten Runde versuchte Bossel zwar, diesem Ruf gerecht zu werden und marschierte kompromisslos vorwärts. Benjamin Pitteloud, von Trainer Ramon Garcia hervorragend eingestellt, führte aber die feinere Klinge und setzte Bossel sofort hart zu.

Bereits in der zweiten Runde musste dieser einen Cut über dem linken Auge hinnehmen – ein Umstand, der für den weiteren Kampfverlauf entscheidend sein sollte. Pitteloud setzte hart und konzentriert nach, während Bossel zwar stürmisch, aber wenig effizient eine Entscheidung suchte. Der Mut und das grosse Einsteckvermögen des Genfers konnten diesen nicht vor der sich abzeichnenden Niederlage bewahren. Runde um Runde gingen an den Walliser und zu Beginn der 8. Runde kam für Bossel das vorzeitige Aus. Eine Verletzung unter dem linken Auge zwang den Genfer zur Aufgabe. Sieger durch TKO in der 8. Runde: Benjamin Pitteloud (BC Martigny).


Überzeugender Sieg nach sechs Runden: Solange Bocquet 

In einem weiteren Profikampf konnte die ins Profilager gewechselte Solange Bocquet (Châtel –St. Denis) auch ihren zweiten Kampf als Berufsboxerin überzeugend gewinnen. Technisch besser als in ihrem ersten Kampf besiegte sie die Deutsche Daria Albers mit einem klaren Verdikt der Jury (60-53, 60-53, 60-53).

Einmal mehr zeigte sich die Westschweiz innovativ ...

.... Mit der Ausrichtung einer Schweizermeisterschaft für Profis wurde eine Tradition wiederbelebt, die für die Zukunft wegweisend sein könnte. Immer mehr erfolgreiche Amateure wechseln ins Profilager, in der Hoffnung, ihre Passion für den Sport publikumswirksamer ausleben zu können. Aber seit 1949 wurden in der Schweiz erst 8 Titelkämpfe für Berufsboxer ausgerichtet und das Interesse der Promoter an derartigen Veranstaltungen hält sich bis heute in Grenzen. Umso mehr ist der Initiative von Domenico Savoye grossen Respekt zu zollen, der gemeinsam mit SilvioChanton aus Carouge ein
Revival vergangener Zeiten möglich machte. Mit der Paarung Pitteloud vs. Bossel sollte ein Titel ins Spiel gebracht werden, der einen interessanten Rückblick zulässt. Der Genfer Profi Maurice Dubois (von 1933 bis 1937) und sein Nachfolger Calistro Etter (von 1941 bis 1949!) waren nämlich Titelträger im Bantamgewicht und sollten endlich einen Nachfolger erhalten. Mit einem überzeugenden Sieg über Bertrand Bossel hat dies der Walliser Benjamin Pitteloud geschafft. Wie spektakulär eine Meisterschaft zwischen Schweizer Profis sein kann, hat das Publikum eindeutig unter Beweis gestellt: erstmals feuerten zwei einheimische Lager die Kämpfer an – ein Gewinn für den schweizerischen Boxsport. Dominique Barcellona führte als Speaker kompetent Regie und bot dem Publikum neben der reinen Ansage viel Wissenswertes zu den interessanten Details der Affiche. Besondere Beachtung darf auch der Tatsache geschenkt werden, dass die Westschweizer Presse zur Berichterstattung fast vollzählig vor Ort war, während die TV-Anstalten wie leider üblich fehlten.


Pitteloud, Promoter Savoye und Trainer Garcia

Urim Velieski vs. Michael Celeschi

Vier Amateurkämpfe …..

….. sorgten für einen gelungenen Auftakt. Alle Kämpfe waren sehr animiert und liessen keine Langeweile aufkommen, umsomehr, als auch boxerische Qualitäten im Ansatz zu erkennen waren. Urim Velieski (BC Sédunois) besiegte den durchaus ebenbürtigen Michael Celeschi (BC Châtel-St.-Denis) mit 2:1 Punkten, während der konditionell starke und schnelle Berhane Millen den Neuenburger Robert Barbezat (BC Neuchâtel) mit 3:0 besiegte. Im Damenkampf zwischen Caroline Dousse (BC Bulle) und Anaïs Kirsten (BC Neuchâtel) siegte die Boxerin aus Bulle, wobei beide Kämpferinnen zu überzeugen wussten. Für einen starken Auftritt sorgte der Schwergewichts-Schweizermeister von 2008, Benoit Huber (BC Sédunois), der Stéphane Oberson keine Chance liess und nach einem RSC in der zweiten Runde den Ring als klarer Sieger verlassen konnte.


Benoît Huber vs. Stéphane Oberson

Caroline Dousse vs. Anaïs Kirsten

 




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