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EM Ukraine. Bericht

Frauen_Boxeuropameisterschaft in Nikolaev (Ukraine) - Das Eis schmilzt

Bericht von Angelo Gallina

24.09.2009 - Nach dem positiven Olympia-Entscheid für das Frauenboxen ging ein Ruck durch die Szene. Zu beobachten war nicht nur der Sachverhalt, dass alle zahlreich mit neuem Nationaldress erschienen sind, sondern auch dass plötzlich aus verschiedensten Ländern Boxerinnen zugegen waren, von denen man bisher nicht mal wusste, dass dort Frauenboxkämpfe stattfanden. Auch schon abgeschriebene und zurückgezogene Team nahmen mit neuer oder neu reaktivierter „ Garnitur“ aber auch in mehreren Gewichtsklassen vertreten, den Frauenboxkampf wieder in Angriff und scheuten dabei keine Kosten. Allein die Teilnahmekostne beliefen sich pro anwesende Person auf 1000 Franken; der Hin- und Rückflug nach Nikolaev nicht inbegriffen.

Das Turnier war sorgfältig organisiert worden. Die Unterkünfte, Trainingsgelegenheiten wie auch die Distanzen zwischen den Veranstaltungsorten, sowie die ausreichende Verpflegung waren ideal. Die Eröffnungszeremonie wurde kurz gehalten und die Zuschauerränge waren – zum meinen Erstaunen- jeden Tag beinahe voll belegt. An die 1500 Plätze erfasste die umfunktionierte Basketballhalle. Grosse Stimmung kam auf, wenn sich die Heimboxerinnen oder ihre russischen Mitstreiterinnen den Ring begaben. Die Zuschauer konnten den Punktestand an den platzierten Bildschirmen mitverfolgen. Die Kämpfe wurden fair geführt und ebenso bewertet. Zu beobachten war eine eher konservative Punkteverteilung, damit verbunden auch ein sich neu entwickelnder Trend hin zur konstanten Doppeldeckung und schnellen Kontern.

Die Schweizer Delegation mit Sandra Brügger und Solange Bocquet in Begleitung ihres Trainer Bertrand Fellay musste sich dabei nicht verstecken. Sie gaben eine gute Referenz ab, auch wenn beide Boxerinnen in der ersten Runde gegen die Finalistinnen ihrer Gewichtskategorie ausgeschieden sind. Sandra gegen die Türkin ZEYBEK ASLAN Meryem und Solange gegen die Polin FURMANIAK Katarzyna.

Der über Jahre hinweg erarbeitete Vorsprung unserer Schweizer Damen schmilzt wie das Eis auf dem Aletschgletscher langsam dahin. Es wird mit unterschiedlichen Ressourcen, Strategien, Anzahl Boxerinnen und finanziellem Hintergrund gearbeitet. Ein Vergleich mit den Sportnationen Russland oder Frankreich ist nicht angebracht. Die Herausforderung liegt darin, ein eidgenössisches Konzept zu erarbeiten welches mittel- und langfristig mit vergleichbaren Boxnationen mithalten lässt bevor das Eis ganz weggeschmolzen ist. Meine Dankesworte möchte ich an SwissBoxing richten, der uns die Teilnahme ermöglicht hat, allen Freunden und MedienmitarbeiterInnen aber auch allen TrainerInnen und Boxerinnen, welche für das Frauenboxen einstehen.


Kategorie 60 Kg, 1/8 Finale

ZEYBEK ASLAN Meryem (TUR) def. BRUGGER Sandra (SUI), 10:3

Die schwer zu boxende ZEYBEK ASLAN beginn den Kampf sorgfältig und auf Kontern bedacht und konnte sich mit einem knappen Punktevorsprung die Zweite Runde in Angriff nehmen. Der Kampf wurde spannend auf hohem Tempo geführt und beide Boxerinnen lagen gleich auf. In der dritten Runde zog die Türkin mit den Punkten davon, Sandra’s dringend benötigte Reaktion blieb aus, die Gründe gilt es noch zu analysieren. Die Türkin zog weiter und besiegte im Anschluss die starke Russin BONDAREVA und im Halbfinale die Ukrainerin SYDORENKO ehe auch sie im Finale dem weiblichen „ Roger Federer des Boxens“ Katy Taylor aus Irland sang und klanglos nach Punkten unterlag. Sandra trainierte täglich weiter und hatte am Freitag noch einen spannenden und abwechslungsreichen Sparringskampf gegen die Deutsche Meisterin IRMEN Julia.

 

Kategorie 69 Kg, 1/4 Finale

FURMANIAK Katarzyna (POL) def. BOCQUET Solange (SUI), 16:0

Mit sehr viel Mut und Selbstbewusstsein bestieg Solange den Ring gegen die favorisierte Polin, welche 5x Meisterin ihres Landes war und schon zweifache Finalistin an Internationalen Turnieren war. Relativ schnell zog die flink arbeitende Polin mit den Punkten davon. Solange versuchte alles um diese auszuhalten und musste einsehen, dass der Vorsprung zum jetzigen Zeitpunkt noch zu gross ist. Auch Solange trainierte täglich weiter und kam Ende Woche noch zu einem intensiven Sparring gegen die Irländerin KAVANAG Sinead. Hier zeigte es sich auch, das sie mit einer gleichwertigen Gegnerin durchaus mithalten kann, was ihr sichtlich Freude bereitete und neuen Mut schöpfen liess. Dieser war auch nötig.

 

 


 

 

 




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