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Überraschungen an den Schweizer-Meisterschaften 2010


Bericht von Jack Schmidli

08.11.2010 – Für die letztjährigen Ausscheidungskämpfe zu den Schweizer-Meisterschaften in Zürich hatten sich 65 Boxerinnen und Boxer angemeldet. In diesem Jahr waren 3 Athleten weniger am Start. Tsering Tashi (BC Basel) und Gabriel Viltre Diaz (BC Winterthur) konnten ihre Finalsiege von 2009 wiederholen, während Alain Chervet (Boxing Kings) Ricardo Silva Ramos (BC Ascona), Enes Zecirevic (KS Rheintal) und Seid Dzemaili (BC Zürich) zu den grossen Verlierern am gestrigen Nachmittag gehörten. Einmal mehr zeigte der Box-Club Zürich eine starke Mannschaftsleistung und wurde seit dem Jahr 2005 zum 5. Mal Mannschaftsmeister!

Das 100-jährige Bestehen des „Cercle des sports de Genève“ nahm dessen umtriebiger Präsident Dominique Barcellona mit seinen Leuten zum Anlass, nebst den Schweizer-Meisterschaften 2010 auch eine Profibox-Gala mit einem WBC-Weltmeisterschaftskampf durchzuführen (sh. Berichterstattung auf swissboxing.ch). Dieses Engagement verdient Anerkennung, zumal solche Veranstaltungen die Bilanz der Clubs erfahrungsgemäss eher belasten. Das Zuschaueraufkommen war an den gestrigen Finalkämpfen dann auch ziemlich bescheiden. Einige der elf Final-Kämpfe wurden indes auf beachtlichem Niveau ausgefochten.

Die Kämpfe
Keinen Respekt zeigte der Berner Oberländer Drin Sadriu vor dem erfahrenen Winterthurer Gabriel Viltre Diaz. Am Ende der 2. Runde lag er mit 2 zu 1 Richterpunkten überraschend in Front. Gabriel Viltre Diaz, seines Zeichens Schweizermeister von 2008 und Finalsieger an den Meisterschaften von 2009, ging das im Federgewicht ausgetragene Gefecht mit Bedacht und hoch konzentriert an. Ab dem 3. Durchgang erhöhte er aber die Kadenz und landete einige sehenswerte Treffer. Doch der hoch talentierte Drin Sadriu hielt bis zum Schluss dagegen und verlor den Kampf höchst ehrenvoll mit 8 zu 7 Richterpunkten. Sieger nach Punkten und Schweizermeister im Federgewicht: Gabriel Viltre Diaz, BC Winterthur.

Im ersten Frauenkampf des Nachmittags wurde die Baslerin Tashi Tsering ihrer Favoritenrolle gerecht und punktete Liana Breda (BC Ascona) mit 12 zu 4 Punkten klar aus. Schweizermeisterin im Federgewicht: Tashi Tsering, BC Basel.
Hochspannend verlief der Finalkampf im Leichtgewicht zwischen dem letztjährigen Finalsieger Alain Chervet (Boxing-Kings) und dem Westschweizer Bernardino Mascarenhas de Brito (NAB Montreux). Der von JJ Ramelat betreute de Brito musste zu Beginn des Kampfes einige brenzlige Momente überstehen, denn der Boxing-King übernahm die Initiative und bearbeitete den Romand auf schnellen Beinen und mit sehenswerten Kombinationen zu Kopf und Körper. Nach der 1. Runde lag Chervet noch mit einem Punkt in Front und hielt bis Ende des 2. Durchgangs gut mit. Nach der 2. Runde lagen die beiden Kontrahenten mit 15 zu 15 Punkten gleichauf und am Ende des begeisternden Kampfes, der eigentlich zwei Sieger verdient hätte, gewann de Brito schliesslich klar mit 28 zu 21 Punkten. Schweizermeister im Leichtgewicht: Bernardino Mascarenhas de Brito, NAB Montreux.
Einen ausgezeichneten Kampf lieferten sich die beiden Mitglieder des Swiss Boxing Team, Riccardo Silva Ramos (BC Ascona) und Andranik Hakobian (BR Baden). Der verkrampft wirkende Tessiner, Schweizermeister der Jahre 2008 und 2009, fand nie richtig in den Kampf und lag nach der 1. Runde mit 10 zu 6 Punkten im Rückstand. Andranik landete die zahlreicheren und klareren Treffer und gewann schliesslich mit 15 zu 11 Punkten. Andranik freute sich „rüüdig“ über seinen Sieg und sagte zu swissboxing.ch: „Ich habe gewusst, dass ich der Beste bin!“. Schweizermeister im Halbweltergewicht: Andranik Hakobian, BR Baden.
Chancenlos war die von Silvio Chanton betreute Cindy Oberlin (CP Carouge) im Leichtgewichtskampf der Frauen gegen die Zürcherin Sandra Steiner. Die WM-Teilnehmerin dominierte den Kampf ab dem 1. Gongschlag, ging beherzt zu Werke und zwang die Ecke ihrer Gegnerin schliesslich zur Aufgabe in der 3. Runde. Silvio Chanton war mit dem Kampfverlauf nicht ganz zufrieden und monierte zahlreiche Innenhandschläge, die er bei Sandra Steiner gesehen haben wollte. Schweizermeisterin im Leichtgewicht: Sandra Steiner, BC Zürich.
Jamal Dlala (Club Lausannois) gelangte mit einem knappen Sieg über den Berner Oberländer Vahram Khudeda (BT Thun Oberland) ins Finale und traf dort auf den Gebenstorfer Egzon Maliqai. Der von Ex-Schweizermeister Pascal „Chagaev“ Stalder und Gregor Stadelmann betreute Maliqai konnte im 1. Durchgang noch gut mithalten und lag knapp mit 4 zu 3 Punkten im Rückstand. Doch Dlala landete in den beiden weiteren Runden die klareren und zahlreicheren Treffer und gewann schliesslich verdient mit 14 zu 4 Punkten. Schweizermeister im Weltergewicht: Jamal Dlala (Club Lausannois).
Mit Spannung erwarteten die Zuschauer das Duell im Mittelgewicht zwischen dem Jungtalent Davide Faraci (BR Badeen) und dem Berner Steve Castella (Boxing-Kings). Castella, der am Vorabend gemäss den Aussagen von Ringrichter Beat Haussamann einen hervorragenden Eindruck hinterlassen hatte, war gestern Sonntag nicht in der Lage, sein Können abzurufen. Nach einem Volltreffer Faraci‘s in der 2. Runde versuchte er sich zwar wieder dem Kampf zu stellen, wurde aber von Ringrichter Jörg Mangott zu Recht aus dem Kampf genommen. Schweizermeister im Mittelgewicht: Davide Faraci (BR Baden).
Die alles überragende Sandra Brügger (BC Basel) fand nach mehrjähriger Abstinenz an den Schweizermeisterschaften in diesem Jahr erfreulicherweise wieder einmal die Motivation, um den Titel zu kämpfen. Ihre Gegnerin, Sandra Roulet (BC Genevois) kam zur Überraschung des Berichterstatters bis zur 4. Runde. Dort war allerdings Endstation. Die Ecke der Westschweizerin warf das Handtuch zum Zeichen der Aufgabe. Schweizermeisterin im Halb-Weltergewicht: Sandra Brügger, BC Basel.
Einen kontanten und souveränen Eindruck über die gesamten Meisterschaften hinterliess der Fribourger Bruno Miguel Tavares. Nachdem er bei den Ausscheidungskämpfen vor Wochenfrist in Villars-sur-Glâne die beiden arrivierten Halbschwergewichter Fabian Hartmann (NAB Frenkendorf) und Enes Zecirevic (KS Rheintal) ausgeschaltet hatte und am Samstag im Halbfinalkampf den Basler Stéphane Mbida mit 14 zu 7 Punkten schlug, kämpfte er sich am Finaltag definitiv in die Herzen der Zuschauer und besiegte Eljes Kamili (BC Zürich) überaus klar mit 27 zu 13 Punkten. Dem Zürcher darf zu Gute gehalten werden, dass er den Kampf nie aufgab und bis zum Schlussgong tapfer kämpfte. Schweizermeister im Halbschwergewicht: Bruno Miguel Tavares, BC Villars-sur-Glâne.
Nachdem er bereits den Rücktritt vom Wettkampfsport erklärt hatte, besann sich der Walliser Benoît Huber eines Besseren und griff vor einigen Monaten wieder ins Kampfgeschehen ein. Der schlagstarke Romand, Schweizermeister von 2008 sowie Westschweizermeister von 2010, bekam es gestern mit dem Schweizermeister von 2009, Seid Dzemaili (BC Zürich) zu tun. Diesem liess er aber nicht den Hauch einer Chance. Der Haudegen vom „Club Sédunois“ übernahm sofort die Initiative und traf zur Mitte der 1. Runde seinen Gegner mit einem linken Schwinger punktgenau am Kinn, sodass dieser den Ringboden aufsuchen musste. Daraufhin brach der Ringrichter den Kampf sofort ab. Dzemaili hatte für diesen Entscheid allerdings kein Verständnis und beschwerte sich bei Jürg Mangott. Da die Sicherheit der Sportler aber im Vordergrund steht, geht die Entscheidung fraglos in Ordnung. Schweizermeister im Schwergewicht: Benoît Huber, Club Sédunois.
Im letzten Kampf des Nachmittags duellierten sich Stéphane Oberson (BC Châtel-St-Denis) und Nawshirwan Barazinje (BC Zürich) um den Titel im Super-Schwergewicht. Zu Beginn des Kampfes setzte der Romand gute Akzente, während der von Matthias Luchsinger betreute Barazinje das Gefecht mit der gebotenen Vorsicht anging und seinen Gegner studierte. Nach dem 1. Durchgang lagen beide Boxer mit 5 zu 5 Punkten gleichauf. Auch nach der 2. Runde war der Kampf immer noch unentschieden (8 zu 8). Doch ab der 3. Runde baute Oberson konditionell stark ab und verlor den Kampf klar und deutlich mit 15 zu 8 Punkten. Schweizermeister im Super-Schwergewicht: Nawshirwan Barazinje, BC Zürich.
Mannschaftsmeister 2010 wurde der Box-Club Zürich. swissboxing.ch gratuliert herzlich.

Resultatübersicht

Galerie

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