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Felix Sturm und der Tag der Abrechnung

19.02.2011 - Felix Sturm steigt in den Ring. Titelverteidigung gegen Ronald Hearns am Samstag in Stuttgart. Ronald wer? Von dem kennt man nur den Vater, das könnte für Sturm zum Problem werden. Denn der braucht starke Gegner, erst dann rollt der Rubel.

Aus Stuttgart berichtet Jens FIscher

Es war am vergangenen Montag, als Felix Sturm eine seiner wahren Absichten offenbarte, wenn auch nur auf modischem Wege. Braungebrannt, dunkler Anzug mit Krawatte, weißes Hemd – Sturm sah bei einem seiner zahlreichen Pressetermine in Stuttgart nicht aus wie ein Boxer, sondern wie ein Mann vor einem wichtigen Vertragsabschluss. Und etwas anderes scheint Sturms Titelverteidigung an diesem Samstagabend gegen den US-Boy Ronald Hearns auch nicht zu sein. Es ist ein Fight ums Geld.

Sturm steht mächtig unter Druck: Wie die Klitschko-Brüder hat sich Sturm selbstständig gemacht und boxt auf eigene Rechnung. Der 32-Jährige hatte die Schnauze voll von seinem ehemaligen Boxstall Universum, fühlte sich von diesem ausgepresst wie eine Zitrone. Sturm geht jetzt seinen Weg – als Geschäftsmann mit Boxhandschuhen.

Die Börse ist recht bescheiden

Betrachtet man die finanziellen Begebenheiten des anstehenden Kampfes gegen den nur wegen seines berühmten Vaters einigermaßen bekannten US-Boys Ronald Hearns wird schnell klar, dass Sturm finanzielle Tiefschläge wegstecken muss. So soll er unbestätigten Quellen zufolge in Stuttgart für seine Performance im Ringgeviert lediglich 500.000 Euro kassieren, da sind immerhin 250.000 weniger als noch bei Universum.

Ganz zu schweigen davon, dass Sturm auf seinem Weg in die Ich-AG erhebliche Ausgaben hatte: Knapp eine Million Euro soll es Sturm gekostet haben, sich bei Universum freizukaufen. Hinzu kommen Investments wie den Bau seines doch recht luxuriösen Gyms in Köln, die Unterstützung seiner Familie in Polen oder die Kosten für Anwälte, als er mit Universum noch im juristischen Clinch lag. Bei Sturm sollte jetzt der Rubel rollen – und das tut er am besten, wenn die Unterstützung stimmt, von den Fans, aber auch und noch viel wichtiger: von den Medien.

Noch kommen die Leute

Sturms letzter Fight gegen Giovanni Lorenzo (Dominikanische Republik) war diesbezüglich ein Erfolg: 18.700 Fans peitschten ihn in Köln nach vorne, Sturms TV-Partner verzeichnete immerhin einen Marktanteil von 28 Prozent, fünf Millionen Menschen sahen hin. " Ich wollte einfach meinen Traum leben. Ob sich das Ganze rechnet, werde ich in fünf Jahren sehen", sagt Sturm, der gerne mit dem Image des Freiheitskämpfers kokettiert. Derzeit kann er es sich leisten, denn die Perspektiven passen: Der TV-Sender will wohl mit ihm verlängern, Sturms sportliche und finanzielle Zukunft scheint im Augenblick gesichert zu sein.

Aber gerade im Boxen weiß man nie, da ist man schnell mal weg vom Fenster. Deswegen hat der gebürtige Bosnier dieser Tage in Stuttgart alles getan, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Fußballspielen mit sozial schwachen Kindern, medienwirksames Show-Boxen im Flughafen, Aufenthalte in der Reha-Welt des VfB oder das obligatorische Wiegen in einem "Zirkus-Gourmet-Zelt" – Sturms schwäbisches PR-Programm war proppenvoll.

Hearns: Platz 50 in der Weltrangliste

Vielleicht auch deswegen, weil sein Rivale Hearns schnell zum Fallobst werden kann. Da kann Sturm diesen noch so stark reden, Platz 50 in der Rangliste von "boxrec.com" spricht Bände. Hearns ist sicher nicht der Gegner, den sich Sturm gewünscht hat. Sebastian Sylvester, natürlich Arthur Abraham, Sebastian Zbik oder renommierte internationale Boxer kamen aus unterschiedlichen Gründen nicht nach Stuttgart.

Das ist schlecht fürs Geschäft. Und so kann Sturm nur hoffen, dass das aus sportlicher Sicht mehr als fragwürdige Stuttgarter Kampfmotto "Der Tag der Abrechnung" doch noch einen Sinn bekommt. Noch kann er schwarze Zahlen schreiben, die Schleyer-Halle ist mit 7.000 Fans wohl ausverkauft. In Zukunft aber wird sich Sturm prominentere Gegner suchen müssen. Denn nur die machen die Kassen voll.

Eurosport

Der Kampf zwischen Sturm und Hearns wird heute Abend ab 22:30 Uhr live auf SAT1 übertragen. JS




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