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Deutschschweiz-Tessin-Meisterschaften 2011


Deutschschweiz- und Tessin-Mannschaftsmeister Box Team Thun Oberland mit Funktionären
 
Bericht von Ueli E. Adam
 
16.05.2011 - Die diesjährigen Deutschschweiz-Tessin-Meisterschaften waren auch dieses Jahr eine Standortbestimmung im Amateursport. Die Gesamtbilanz darf positiv bewertet werden, obschon bei genauer Beobachtung auch Schwachstellen feststellbar waren.

Positiv zunächst die Organisation des BC Rheintal unter der Leitung von Thomas Walser, die Präsident Anderegg im Ring mit einer Wimpelübergabe würdigte. Positiv auch die Qualität der meisten Kämpfe, obschon natürlich festgestellt werden muss, dass Konstanz in der Titelvergabe leider nicht vorhanden ist.  Lediglich vier letztjährige Titelträger konnten die Goldmedaille verteidigen und – man kann das auch differenziert sehen – neue Gesichter mit wenig Kampferfahrung kamen zu Titelehren. Diese fehlende Konstanz macht es auch schwer, das schweizerische Niveau mit internationalen Standards zu vergleichen. Sportmanager Federico Beresini war als aufmerksamer Beobachter am Ring und hat diese Feststellung bestätigt. Bis Ende Jahr wird Beresini die Leistungen der Sportler genau analysieren und nach den Meisterschaften im November das Gerippe des SwissBoxing-Teams international ausgerichtet festlegen.

Eine Top-Leistung darf nicht unerwähnt bleiben: das Box Team Thun Oberland wurde Mannschaftsmeister und hat damit die Ambitionen der Thuner unter der Leitung von Christina Nigg und André Schenk klar zum Ausdruck gebracht.

 
Die Kämpfe:

Bei den Kadetten zeigten alle Titelträger ansprechende Leistungen. Bashim Azemi (BC Rheintal Au), Adam Eswaissi (BC Sportring Zürich) und Valon Neziri (BC Sissach) lassen eine gute Ausbildung erkennen und verdienen weitere Förderung.


 
Bei den Junioren lieferten sich Mic Pepshi (BC Buchs, links im Bild) und Kadri Gashi (BC Sissach) das beste Gefecht, das der talentierte Buchser mit 18:8 für sich entscheiden konnte. Aus formellen Gründen konnte der Spitzenjunior und Titelverteidiger Uke Smajli (BC Sportring Zürich) leider nicht mit dem Titel gekrönt werden (WO Armin Androvic, SR St. Gallen). Mit einem seltenen, aber glücklicherweise gut endenden Eklat musste der Kampf zwischen Clemente Menegola (BC Riazzino) und Luca Serrao (BC Vedeggio) abgebrochen werden. Der zum Zeitpunkt des Abbruchs wahrscheinlich führende Menegola erlitt einen akuten Schwächeanfall und musste (ohne Schlagwirkung) mit Verdacht auf Bewusstlosigkeit aus dem Ring getragen werden. Davon profitierte Serrao und holte sich den Titel. 


 
Die Amateure:

54kg: Nicole Michel (BT Thun Oberland) vs. Liana Breda (BC Ascona)

Die erfahrene Berner Oberländerin (links im Bild) scheint wieder zu neuer Hochform aufzulaufen. Mit konsequentem Angriffsboxen, guten Kombinationen und ständigem Druck liess sie der Tessinerin keine Chance. Breda musste sich in der 3. Runde anzählen lassen und das Handtuch besiegelte das Verdikt: Meisterin durch RSC: Nicole Michel


 
60kg: Sandra Steiner (BC Zürich) vs. Evelyne Ziegler (NAB Frenkendorf)

Für die Titelverteidigerin aus Zürich (links im Bild) wurde der Final keineswegs zum Spaziergang. Die technisch gereifte Evelyne Ziegler bot harten Widerstand und wusste ihrerseits mit guten Aktionen zu gefallen. Die Klasse und Routine der Titelverteidigerin gaben schliesslich den Ausschlag. Siegerin mit 29:21 Sandra Steiner.  


 
56kg: Drin Sadriu (BT Thun Oberland) vs. Saitarn Kaewsuksai (BC Winterthur)

Titelverteidiger Kaewsuksai (rechts im Bild) musste sich nach einem erstklassigen Gefecht geschlagen geben. Der Thuner Hoffnungsträger Drin Sadriu überzeugte mit sehr gutem Boxen und liess dem Winterthurer keine Chance auf eine erfolgreiche Titelverteidigung. Obschon keineswegs inferior, musste Kaewsuksai dem Thuner Tribut zollen. Verwarnt wegen einem Tiefschlag in der 2. Runde verlor er endgültig die Uebersicht und verlor klar nach Punkten. Sieger mit dem überzeugenden Score von 21:9 Drin Sadriu. 
 

64kg: Durim Sadrija (BT Thun Oberland) vs. Zino Meuli (SR St. Gallen)

In einem der besten Kämpfe entzauberte der Berner Oberländer den Titelträger aus St. Gallen. Meuli, ein unerschrockener und guter Boxer bot zwar energischen Widerstand, war aber der Klasse von Sadrija zu keinem Zeitpunkt gewachsen. Verwarnt und in der 2. und 3. Runde angezählt, liess sich der St. Galler zwar nicht unterkriegen und stellte seine ganz Kampfkraft unter Beweis. Damit war auch er massgeblich an einem tollen Kampf beteiligt, das Verdikt aber eindeutig: 37:28 für Durim Sadrija. 



69kg: Lazar Kostic (BF St. Gallen) vs. Egzon Maliqaj (BS Gebenstorf)

Eine interessante Paarung, die durch den Grössenunterschied der Gegner für Spannung sorgte. Der früher zu ungestüme, einen Kopf kleinere Maliqaj (links im Bild) liess es diesmal mit gutem Timing angehen, deckte konsequent und versuchte nicht, vorschnell explosive Schwinger zu landen. Ab der zweiten Runde legte der Gebenstorfer aber zu und Kostic konnte die Reichweitenvorteile nicht ausnützen, weil er die Drehbewegung der Hüfte nicht einsetzte und deshalb mit der konternden Rechten zu kurz blieb. Trotzdem konnte er dem Druck von Maliqaj über die Runden dank kaltblütiger Uebersicht standhalten. Das Verdikt hingegen war klar:

DTM-Meister 2011 Egzon Maliqaj 23:16. 
 

75kg: Kreshnik Nikq (BC Zürich) vs. Marzio Franscella (BC Ascona)

Franscella, der sich bereits letztes Jahr im Final gegen Davide Faraci die Silbermedaille holte, hat sich technisch erneut verbessert. Deshalb war die Aufgabe für Nikq keineswegs einfach, obschon viele in ihm den Favoriten vermuteten. Das bestätigte sich schon ab der ersten Runde, indem sich die Kontrahenten ein fulminantes Gefecht lieferten. Es blieb über die Runden ein Kampf auf gleicher Augenhöhe, in denen sich Nikq hart aus sauberer Deckung schlagend, geringe Vorteile erarbeiten konnte. In der dritten Runde legte der Tessiner noch einmal zu, konnte aber den Zürcher nicht wirklich aus dem Konzept bringen. Dem Kampfverlauf entsprechend schliesslich auch das Urteil: Sieger mit 21:19 Kreshnik Nikq.


81kg: Davide Faraci (BR Baden) vs. Stéphane Mbida (Box Ring Basel)

Bedauerlicherweise konnte Mbida (WO) nicht zum Final antreten und Faraci verteidigte seinen Titel kampflos. Damit ist den Zuschauern mit Sicherheit ein boxerischer Leckerbissen entgangen.  

91kg: Benjamin Popaj (BU Winterthur) vs. Filippo Veronese (BC Winterthur)

Die beiden Winterthurer schenkten sich nichts. Titelverteidiger Popaj, früher oft zu verhalten und zu sehr auf Schlagwirkung bedacht, liess diesmal ab der ersten Runde rasantes Angriffsboxen aufblitzen, das auch technisch zu überzeugen wusste. Veroneseblieb ihm aber nichts schuldig und es ist nur den guten Reflexen beider Boxer zu verdanken, dass nicht ein vorzeitiges Ende eingeläutet werden musste. Nach einem fairen Gefecht konnte Popaj seinen Titel mit einem Verdikt von 22:20 zu seinen Gunsten verteidigen.
  

91+kg: Nawshirwan Barazinje (BC Zürich) vs. Kadri Memeti (Kampfsport Akademie)

Barazinje (rechts im Bild) machte von Beginn weg Druck und liess sich von der bulligen Physis seines Gegners nicht beeindrucken. Memeti seinerseits boxte mit guter Defensive und wusste bei seinen zwar eher seltenen Attacken durchaus zu beeindrucken. Die Überlegenheit des Zürchers, der auch viel aktiver war, zeichnete sich aber bald ab. Verdienter Meister mit 19:8 Punkten Nawshirwan Barazinje. 


 Anderegg überreicht Th. Walser einen Wimpel

Beobachter am Ring: Federico Beresini (2. v. l.)

 

Resultatübersicht

Rangking "Robert Nicolet Trophy"

 



 




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