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Staffelsieg für BT Thun-Oberland

Bericht von Ueli E. Adam

Die Meistermannschaft der Deutschschweiz- und Tessin-Meisterschaften bewies bei ihrem ersten Auftritt in Thun, dass der Titelgewinn kein Zufall war. Gegen eine Westschweizer Auswahl, verstärkt durch starke Amateure aus Frankreich, blieben die Oberländer mit 4:3 siegreich. Mischa Nigg sorgte im letzten Kampf des Abends mit einer bemerkenswerten Leistung für den knappen, aber verdienten Staffelsieg.

Dabei darf angemerkt werden, dass starke Thuner wie Durim Sadrija, Drin Sadriu und Ivan Da Silva aus verschiedenen Gründen auf einen Start verzichten mussten und das Team auch ohne diese Mannschaftsstützen den Sieg holen konnte.
 

Die Staffelkämpfe:

Junioren 75 kg Eduard Imeri (BTO) vs. Kadri Gashi (BC Sissach)

Gashi, in letzter Minute wegen Absagen aus der Westschweizer Auswahl eingesprungen, bescherte der Gastmannschaft im ersten Kampf den ersten Sieg. Dabei wollte es der junge Thuner von Beginn weg wissen: mit einem fulminanten Start setzte Imeri (Bild unten links, rotes Dress) den Sissacher unter Druck und eine Überraschung lag in der Luft. Der Thuner, vom Schlagrepertoire her noch etwas limitiert, musste sich aber in der Folge vom technisch reiferen Gashi ausboxen lassen. Das Verdikt nach 3 Runden war eindeutig: 3:0 Sieg für den von Beat Ruckli betreuten Kadri Gashi. 

Frauen 68 kg Edith Dänzer (BTO) vs. Cornelia Schmidt (BC Martigny)

Für die erste Überraschung des Abends sorgte die frischgebackene Mutter aus Thun. Edith Dänzer (Bild oben rechts im Angriff) besiegte in einem tollen Kampf die als Favoritin angereiste Cornelia Schmidt mit einem klaren 3:0. Die Walliserin schien zwar in der ersten Runde technisch besser und auch in der dritten Runde buchte sie wertvolle Punkte. Dänzer beeindruckte aber mit einer ausgezeichneten Beinarbeit und einem konsequenten Siegeswillen. Schmidt musste dieser starken Leistung Tribut zollen und wurde in der 4. Runde angezählt. Mit einem überzeugenden Schlussspurt machte die Thunerin schliesslich alles klar.
 

Junioren 68 kg Silvan Bühler (BTO) vs. Ajdari Adem (BC Genevois)

Gegen den beeindruckenden Junior aus Genf hatte Silvan Bühler (Bild unten link im Angriff) keine Chance. Mit erstklassigem Distanzboxen konterte Adem die stürmischen Angriffe des Thuners konsequent ab, obschon dieser auch technisch zu gefallen wusste. Trotzdem bleibt auch Bühler ein Talent, das man im Auge behalten darf. Allerdings muss er noch lernen, korrekt zu verlieren. Unmut ist zwar verständlich, passt aber nicht zu einem künftigen Spitzenboxer. 

66 kg Bruno Freitas (BTO) vs. Bourhane Abdousmed (France)

Für einen ersten Höhepunkt des Abends sorgte der explosive Freitas (Bild unten rechts in Siegerpose) aus Thun. Man weiss: Franzosen reisen nie mit schwachen Kämpfern ins Ausland. So auch diesmal nicht. Abdousmed ist ein Boxer, der neben einem guten technischen Rüstzeug auch die nötige Coolness mitbrachte. Das reichte aber gegen den entfesselten Thuner nicht. Angriffig wie ein kleiner Tyson schickte Freitas den Franzosen in der 3. Runde nach einer harten Schlagserie zu Boden und holte sich mit seinem steten Pressing einen knappen, aber absolut verdienten Sieg mit 2:1 Richterstimmen. Wenn er sein Temperament noch etwas zügeln lernt, wird er sich noch steigern können.
 

Frauen 57 kg Nicole Michel (BTO) vs. Sandra Roulet (BC Genevois)

Für einen bemerkenswerten Eklat sorgte auch die technisch erstaunlich gereifte Sandra Roulet (Bild unten links im Angriff) aus Genf. In einem begeisternden Frauenkampf besiegte sie die Favoritin aus Thun mit einem 2:1 Sieg. Dass dabei die Spitzenboxerin  aus Thun keinesfalls unter ihrem Wert geschlagen wurde, ist umso bemerkenswerter. Michel war auch in diesem Kampf schnell, variantenreich und enorm konditionsstark und hat keineswegs enttäuscht. Schwächen in der Deckung und eine zu unbedachte Angriffsstrategie liessen sie den Kampf wahrscheinlich in der dritten Runde verlieren, ohne dass sie allerdings je schlecht ausgesehen hätte. Die starke Oberländerin wird diese Niederlage aber problemlos wegstecken und man darf auf die weiteren Kämpfe der beiden Boxerinnen gespannt sein. Sie haben jedenfalls bewiesen, dass gutes Frauenboxen genauso attraktiv wie Männerboxen sein kann. 

72 kg Vahram Khudeda (BTO) vs. Julien Amodio (France)

Der ehemalige Schüler von Cheftrainerin Christina Nigg wird heute von Ex-Profi Haki Ajdarevic betreut und bewies im Ring, wie wertvoll eine gute Grundausbildung sein kann. Gegen Julien Amodio (Bild oben rechts, blaues Dress) war der Ausgang nach der ersten Runde nämlich keineswegs gewiss. Für Khudeda sprach, dass er den Kampf überlegt anging und sich auf keine unnötigen Risiken einliess, die gegen den starken Franzosen wohl fatal gewesen wären. Mit technischer Reife verstand es Amodio, die Siegchancen von Khudeda in Grenzen zu halten. Mit einem Verdikt von 2:1 Richterstimmen konnte der Thuner das Gefecht schliesslich trotzdem verdient zu seinen Gunsten entscheiden. 

 

 77 kg Mischa Nigg (BTO) vs. Charles Belny (France)

Für den Höhepunkt des Abends sorgte Mischa Nigg (Bild oben, rotes Dress). Der Thuner Modellathlet setzte sich gegen einen Franzosen durch, der nur mit technischer Klasse zu bezwingen war. Mit genau diesem Rezept blieb Nigg siegreich. Einmal mehr verdankt er es aber auch seinem exzellenten Auge, dass die blitzartigen Konter von Belny wirkungslos blieben. In einem hochstehenden, schnellen Gefecht wurde bestes Boxen abgeliefert, obschon der Thuner nach dem Kampf seine Leistung eher kritisch einstufte. Mit einem klaren und verdienten Verdikt von 3:0 Richterstimmen sorgte Nigg für den Staffelsieg. Auf seine weitere Entwicklung darf man gespannt sein. 

In einem animierten Vorkampf, den Michael Celeschi aus Châtel-St.-Denis gegen AhmadHertani (Box Gym Bern) 2:1 gewinnen konnte, zeichneten sich auch diese Kämpfer mit sehenswertem Einsatz aus.
 

Kommentar:

Im ersten Box-Event vor heimischem Publikum haben die Thuner alles richtig gemacht. Christina Nigg, André Schenk und Präsident Manfred Schafroth haben dem Publikum in der Disco N8Stern (zu Deutsch NachtStern!) ein Meeting geboten, das die dichtgedrängten Boxfreunde zu begeistern wusste. Die tolle Atmosphäre war zudem beste Reklame für unseren Sport, ein Umstand, den auch Prominenz am Ring zu würdigen wusste. Marcel Wisler, Promoter K2 Klitschko Schweiz und 3sat-Filmer Michael Lang konnten sich jedenfalls davon überzeugen, dass der Boxsport Schweiz beeindruckend lebt. Nicht unerwähnt bleiben darf auch der Ringsprecher: René Schmid (ABCB-Legende!) führte professionell durch den Abend und bot dem Publikum genau den richtigen Leitfaden zu Kämpfen und Ablaufregie. 
 

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