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Ein Kampf voller Feindseligkeiten

NZZ vom 2. Juli 2011

Wladimir Klitschko und David Haye verlagern ihren langjährigen verbalen Zwist endlich in den Boxring

job. Hamburg· Eine Voraussage wagte Wladimir Klitschko bereits im vergangenen September. Er hatte nach seinem 58. Profikampf (K.-o.-Sieg gegen Samuel Peter) in Frankfurt gerade geduscht und vor den Medien Platz genommen, als ihn jemand auf David Haye ansprach. Und schon war es mit der guten Laune vorbei. Wenn es jemals zu einem Kampf mit dem Briten kommen sollte, giftelte Klitschko erbost, so wolle er diesen erst in der letzten Runde für sich entscheiden. Nur so sei sichergestellt, dass Haye so lange wie möglich leide. Zu dieser Leidensgeschichte soll es nun heute Samstag (21 Uhr 45 auf RTL) in der Fussballarena des Hamburger SV kommen.

Ein erklärter Gentleman weiss solche Tiraden normalerweise hinunterzuschlucken. Aber wenn es um den streitbaren Lautsprecher aus dem Londoner Süden geht, dem WM-Titelträger im konkurrierenden Verband WBA, dann verliert der ukrainische Doktor Klitschko, der Schwergewichtschampion von IBF und WBO, öfters die Contenance. So wie Anfang Woche, als der 35-jährige Klitschko an einer Pressekonferenz über eine halbe Stunde auf seinen verspäteten Widersacher Haye warten musste. Da konnte man fast schmecken, wie es in Klitschko brodelte, ehe er Bestrafung versprach: «Am 2. Juli wird es eine gehörige Lektion für dich geben.»

So schnell werden Klitschko und Haye wohl keine Freunde mehr. Dafür sind seit längerem zu viele Anschuldigungen hin und her gewechselt. Aber als erbitterte Konkurrenten, die das erregende Flair echter Animosität verströmen, eignen sich die beiden Schwergewichtsboxer hervorragend. Auch deshalb ist der Kampf für viele das absolute Highlight des Jahres. Nicht zuletzt tritt hier ja auch der seit Jahren dominante Profi der Königsklasse gegen den einzigen Konkurrenten an, der ihm vielleicht gefährlich werden könnte, womit es also doch noch zum «Mega-Fight» kommt, der das vor sich hin dösende Schwergewichtsboxen wieder zu einem Ort der grossen Erwartungen macht.

Zwei Jahre nach dem ursprünglich in Gelsenkirchen angesetzten Termin beginnt «The War», wie der Kampf im Marketing-Slang getauft wurde, tatsächlich. Und all die Eitelkeiten, die seitdem zwischen den Lagern ausgetauscht wurden, haben dessen Aussenwirkung nur noch aufgepumpt. 45 000 Zuschauer wollen die erste Titelverteidigung seit Klitschkos Punktsieg gegen den WBO-König Sultan Ibragimow (Februar 2008) miterleben. Darüber hinaus übernehmen weltweit etwa 150 TV-Sender das vom Privatsender RTL aufgebaute Signal.

Bei den Geldbeträgen in Millionenhöhe, die dank dem Kampf akkumuliert und laut Vertrag hälftig geteilt werden, sollten die beiden Kontrahenten im Grunde einträchtig strahlen: zwei erfolgreiche Kaufleute, die sich abseits der Marktschreierei in einer Hotelbar an der Alster zuprosten könnten. Doch die Parteien nehmen es persönlich. Zu tief sitzen die Herabsetzungen, mit denen Haye über die Klitschko-Brüder herzog. Zu arrogant erschien Haye der Stil, mit dem die beiden Hünen aus der Ukraine ihm die Bedingungen für ein Kräftemessen aufzwingen wollten.

Anders als viele halbherzige Herausforderer ist der «Hayemaker» (25 Siege, 1 Niederlage) von seiner Chance fest überzeugt. Mit seinem explosiven Stil kann der begnadete K.-o.-Artist seinen Infight-scheuen Gegner überfallartig in Verlegenheit stürzen. Ausserdem bringt er «den Geist eines Gewinners» mit, wie Klitschkos Trainer Emanuel Steward glaubt. Deshalb sei Haye eine Gefahr. Er ist aber auch der einzige Gegner, mit dem Klitschko seine Reputation noch steigern kann. 




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