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Night of Pride

Bericht von Gregor Stadelmann (Text) und Florian Zuppinger (Fotos)

04.10.2011 - In einem sensationellen Staffelkampf besiegt die Schweiz die Republik Kosovo mit 8:2 Punkten. Im Hauptkampf des Abends erkämpft sich Arnold Gjergjaj einen Punktsieg gegen seinen Gegner aus Ungarn Gabor Farkas. Überzeugen konnte das Meeting mit den qualitativ hochstehenden Paarungen, die die Zuschauer richtiggehend mitrissen.

Ein grosses Lob geht an Egzon Maliqaj (rechts im Bild) und seinen Kollegen Sükrü Özcan. Im Rahmen ihrer Lehrabschlussarbeit haben sie zusammen dieses Meeting organisiert. Nur das Matchmaking wurde von der BSG übernommen.

Die Staffelkämpfe

Dass der Staffelkampf ein  Erfolg wurde lag natürlich an erster Linie an den Schweizer Boxern, die jeder einen glanzvollen Auftritt hinlegten. Jedoch waren auch die Trainer Christina Nigg, Matthias Luchsinger und Pascal Stalder gefragt, da die Gastmannschaft mit einer veränderten Mannschaft anreiste. Ein Buchmacher hätte beim Vergleich der Palmarès kaum auf einen Sieg der Heimmannschaft gewettet. Alle Trainer behielten jedoch die Nerven und setzten auf ihre Jungs, was sich bezahlt machte.

Den Reigen eröffnete Elies Kamili (BC Zürich, Bild oben). Der Zürcher arbeitete in letzter Zeit Nachschicht. Daher wurde sein Kampf gegen Ismet Dobratiqi auf 3x2 Minuten angesetzt. Dies hatte noch zu einigen Diskussionen mit der Gastmannschaft geführt. Ismet Dobratiqi (Pristina) gehört zu den besten Halbschwergewichtlern im Kosovo. Doch Elies zeigte, was er kann. Mit einem gezielten Schlag knockte er seinen Kontrahenten in der ersten Runde so hart an, dass der Ringrichter den Kampf zu Recht abbrach. So wurden auch alle „Was-wäre-wenn Diskussionen“ zwischen beiden Boxstaffeln beendet. Dafür ein herzliches Dankeschön an Elies.

Im zweiten Staffelkampf bekam es Drin Sadriu (BTO Thun, im Bild in Siegerpose) mit einem Wühler zu tun. Immer wieder versuchte Esild Kalemi (Pristina) mit Schwingern ins Ziel zu gelangen, während Drin durch die Mitte seine Punkte suchte. Esild Kalemi war in 9 Kämpfen ungeschlagen und er setzte alles daran, diesen Rekord zu halten. Mit hohem Druck lief er während der gesamten Kampfdistanz nach vorne, während Drin versuchte zu kontern. Der Klasse beider Boxer war zu verdanken, dass es am Schluss ein knappes Urteil wurde. Jedoch verbuchte auch hier die Schweiz den Sieg.

Im dritten Kampf des Abends standen sich Alban Bermeta (Pristina) aus dem Kosovo und Adem Begic von München gegenüber. Alban Bermeta hatte sich nur knapp nicht für die WM in Baku qualifiziert. Trotzdem konnte er gegen seinen schwereren Gegner nicht glänzen. Statt auf Speed und Laufarbeit zu setzten, liess er sich auf einen Schlagabtausch mit seinem schwereren Gegner aus München ein. Adem Begic verwaltete dann den Kampf, um wenigstens über die Runden zu kommen. Am Schluss hiess der klare Sieger Alban Bermeta, auch wenn er dem Publikum, aufgrund seines Kampfrekords, sicher mehr hätte zeigen können.

Durim Sadrija (BTO Thun, links im Bild) kriegte am Samstagabend im vierten Staffelkampf einen Star vor die Fäuste. Wenn Liridon Zeqiri (Pristina) boxt, dann meistens im Fernsehen. Liridion hat über 60 Kämpfe, wovon er 75% gewonnen hat. Mit Durim sollte er aber einen Mann vorgesetzt bekommen, der ihm das Leben schwer machen würde. Technisch geschult und strategisch perfekt eingestellt, bot Durim dem Kosovaren Paroli. Je nach Sichtweise hätte man dem Kampf Liridon oder Zeqiri geben können. Doch dazu kam es nicht. In der dritten Runde hatte der Star genug. Mehrmals war er von Roger Haug unter anderem wegen Innenhandschlägen verwarnt worden. Er wendete sich vom Kampf ab und zog die Handschuhe aus. Sieger durch DQ3 Durim Sadrija.

Den Hauptkampf des Abends hatte Egzon Maliqaj (BS Gebenstorf). Sein Gegner Sergjo Sina (Pristina) hatte ein Palmarès von 29 Kämpfen 24 Siegen 4 Niederlagen und einem Unentschieden. Doch der Gebenstorfer übertraf sich an diesem Abend selber. In der ersten Runde verlief der Kampf ausgeglichen. Beide Boxer konnten gute Schläge landen und es war Egzon sichtlich anzusehen, dass er heute nicht ganz so locker in den Zweikampf gegangen war.

Besserung trat erst ein, als der Kosovare in der zweiten Runde von einem Leberhaken erwischt wurde. Auch setzte der Gebenstorfer die Anweisung aus seiner Ecke nun besser um, so dass er immer wieder schön mit der rechten Gerade treffen konnte. In der dritten Runde deckte der Gastboxer besser ab, verpasste aber so die Chance selber in die Offensive zu gehen, um noch ein paar Punkte herauszuholen. Am Schluss gewann Egzon Maliqaj mit ein paar Punkten Vorsprung in einem sehenswerten Kampf.

Profikampf Arnold Gjergjaj (SUI) vs. Gabor Farkas (HU)

Die erste Runde des Profikampfs war die beste Runde von Arnold Gjergjaj (BC Basel, Bild oben links). Mit guten Schlägen traf er seinen alten Bekannten, den im letzten Aufeinandertreffen in der dritten Runde gestoppt hatte. Doch der Wendepunkt im Kampf war eine brisante Szene, die noch zu viel Diskussionsstoff in der Halle führte. Mit einem gezielten Schlag knockte der Schwergewichtler seinen Gegner aus Ungarn an, um ihn nachher genügend Zeit für die Erholung zu gönnen. Zu diesem Zeitpunkt dachte jeder, dass Arnold dies halt in der zweiten oder dritten Runde nachholen würde.

Doch das Gegenteil trat ein. Arnold war nicht mehr so locker, wie noch in der ersten Runde. In der Hoffnung ein schnelles Ende einzuläuten, sah man nun keine Serien oder Kombinationen des Baslers mehr. Der Kampf wurde dadurch monotoner und der Ablauf wiederholte sich ständig. Arnold versuchte mit einem harten Schlag den Gegner umzuhauen, der konnte jedoch die Schläge antizipieren und sich schützen. Der Ungare rettete sich dadurch über die Zeit. Schade, denn Arnold hätte mit einer anderen Kampfstrategie einen überzeugenden Sieg einfahren können.

Positiv sind die schöne Beinarbeit des Baslers sowie seine Reflexe zu vermerken, welche für einen Gegner dieser Qualität zweimal reicht. Es wird interessant zu sehen sein, welche Gegner sich der Basler in Zukunft aussuchen wird.

Die Vorkämpfe

Das Meeting eröffnete die Paarung Uke Semajli (SR Zürich) gegen Fabian Hartmann (NAB Frenkendorf). Zweimal hatten sie bisher gegeneinander geboxt. Jeder hatte einmal gewonnen.

In der ersten Runde war Hartmann der dominantere Mann. In der Doppeldeckung stehend oder vorwärtslaufend machte er Druck auf den Halbschwergewichtler aus Zürich. So dominierte er zwar nicht klar aber die erste Runde ist auf den Punktezetteln an den Mann aus Frenkendorf gegangen.

Nun kam jedoch Uke immer mehr auf. Hartmann konnte das hohe Tempo nicht halten und musste das Zepter abgegeben. Es entwickelte sich ein dramatischer Match. In der dritten Runde wurde der Frenkendorfer sogar angezählt. Die Verschnaufpause nutzte der Baselbieter, um noch einmal richtig Vollgas zu geben. Nach Ablauf der drei Runden war der Saal auf das Urteil der Ringrichter gespannt. Diese vergaben ein Unentschieden.

Im zweiten Kampf des Abends zeigte Kadri Gashi (BC Sissach) einen Super-Kampf und ging immer wieder voll in den Angriff gegen Sivan Sommer (BC Aarau). Dieser schaffte es zeitweise, den Sissacher auf Distanz zu halten und punktete mit seinen Geraden. Nach drei schönen Runden war das Urteil auch knapp. Mit Split decision gewann Kadri Gashi den harten Match.

Im dritten Kampf stellte sich Elbasan Kqiku (BTO Thun) in seinem zweiten Kampf Said Dzemaili (BC Zürich, Bild unten links in Siegerpose). Trotz intensiver Suche hatte man keinen passenden Gegner für den Thuner gefunden, welcher aber gerne an die kommende Schweizermeisterschaft gehen würde. Um auf die drei Kämpfe zu kommen, hat das Trainerteam um Christina Nigg diesen Gegner akzeptiert. Schnell wurde ersichtlich, dass der Züricher über die grössere Erfahrung verfügt. Immer wieder fand er Lücken in der Deckung von Elbasan Kqiku. Trotzdem hielt der Thuner tapfer mit und ging immer wieder in den Angriff, bis Christina Nigg genug gesehen hatte und den Kampf abbrach.

Der Buchser Mic Pepshi (BC Buchs) spielt in einer anderen Liga. Dies machte er auch gegen Adem Ashari (BC Genf) schnell klar. Schon in der ersten Runde machte er gehörig Druck und brachte den Genfer immer wieder in schwierige Situationen. In der zweiten Runde knockte er den Genfer mit zwei harten Haken aus. Die Genfer Ecke hätte den Kampf aufgrund der klaren Unterlegenheit ihres Boxers bereits in der ersten Runde abbrechen dürfen.

Im letzten Vorkampf gingen Fuat Zenuni (BC Aarau) und Mike Binggeli (BA Bern, Bild oben rechts) richtig zur Sache. Beide Boxer zeigten einen schönen und ambitionierten Kampf. Der Berner, welcher von Sascha Müller trainiert wird, zeigte aufgrund seiner Routine die besseren Angriffe und konnte ein paar Punkte mehr laden. Jedoch ging der Aarauer nicht unter, sondern hielt kämpferisch dagegen und konnte seinerseits Treffer landen. Nach drei Punkten hiess der Sieger aber Mike Binggeli.

Machte mit seinem Gegner kurzen Prozess: Mic Pepshi (BC Buchs)

Nachtrag

Ein herzliches Dankeschön geht an die Familien um Egzon Maliqaj und Sükrü Özcan, welche ihre Jungs tatkräftig unterstützt haben und dieses Meeting ermöglicht haben. Jeder Organisator eines Boxmeetings weiss um die harte Arbeit, die hinter einem solchen Event steckt.

Auch den Jungs gebührt ein grosses Lob. Sie haben in Eigenregie eine super Veranstaltung geplant und durchgeführt. Die BSG ist sicher, dass ein solches Projekt sie auf ihrem Weg weiterbringen wird.  




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